SPD

Essen: Ex-Spitzenpolitiker Willi Nowack verlässt die SPD

Willi Nowack, ehemaliger SPD-Landtagsabgeordneter und Essener Ratsherr, vor einigen Jahren bei der Vorstellung seiner Autobiografie: „Nachgetreten - ein Blick zurück in mildem Zorn“.

Willi Nowack, ehemaliger SPD-Landtagsabgeordneter und Essener Ratsherr, vor einigen Jahren bei der Vorstellung seiner Autobiografie: „Nachgetreten - ein Blick zurück in mildem Zorn“.

Foto: Ulrich von Born / FUNKE Foto Services

Essen.  Zu Zeiten absoluter SPD-Mehrheit war Willi Nowack mächtiger Ratsfraktionschef und umstrittener Strippenzieher. Nach 50 Jahren tritt er nun aus.

Er bewegt sich schon lange nicht mehr in der ersten Reihe der Essener Politik, ist aber immer noch eine bekannte Figur und seit immerhin 50 Jahren Sozialdemokrat. Vorbei. Willi Nowack, zu Zeiten absoluter Mehrheiten viele Jahre Strippenzieher und starker Mann der Essener SPD, hat nach eigenen Angaben am Donnerstag seinen Austritt erklärt. „Die SPD ist nicht mehr nah genug bei den Menschen und hat vergessen, ihre eigene Klientel mitzunehmen“, sagte Nowack auf Nachfrage zur Begründung.

Auch Nowack umtreibt nach eigenen Angaben die Migrationsfrage

Ähnlich wie seinen früheren Parteifreund Karlheinz Endruschat, der jüngst ebenfalls die SPD verließ, umtreibt Nowack die Migrationsfrage. Bei diesem Thema sei die Distanz zu den Diskussionen in der Bevölkerung und zur traditionellen Parteibasis besonders augenfällig.

Aber auch bei den Kosten der Klimawandel-Bewältigung und bei der hohen Steuerlast für Durchschnittsverdiener lasse die SPD ihre Wähler allein. Bei der Essener Partei, aber nicht nur dort, sieht Nowack „abgehobene Funktionäre“ am Werk, die ihre politisch linkslastige Agenda verfolgten. Etwa in der Migrationspolitik, wo die Illusion gehegt würde, es gebe letztlich keine Grenzen der Aufnahmefähigkeit.

SPD dürfte wegen dieses Austritts kaum in Verzweiflung geraten

Die Essener SPD-Geschäftsstelle wusste am Freitag noch nichts von Nowacks Schritt und wollte ihn deshalb auch nicht kommentieren. Die Vermutung liegt aber nahe, dass dieser Austritt die SPD nicht gerade in Verzweiflung stürzt. Mehrfach hatte die Partei versucht, Nowack loszuwerden, zuletzt 2013, als der heute 69-jährige Altenessener eine Haftstrafe wegen Insolvenzverschleppung verbüßte und die damalige SPD-Führung davon ausging, damit habe sich auch die Mitgliedschaft juristisch erledigt.

Das erwies sich als falsch, Nowack blieb Mitglied. Und so gab es Ende vergangenen Jahres die bizarr anmutende Szene, dass ein bestens gelaunter Willi Nowack aus der Hand von Parteichef Kutschaty die Ehrenurkunde für 50 Jahre SPD-Mitgliedschaft erhielt.

Kommunalpolitik unter maximalem Einsatz von Macht

Nowack räumt pauschal und folgenlos ein, er habe in seiner aktiven Zeit als allmächtiger Ratsfraktionschef Fehler gemacht, hält sich selbst aber Gradlinigkeit zugute. Er habe immer offen zugegeben, dass er Kommunalpolitik unter maximalem Einsatz von Macht betrieb. „Die SPD“, sagt er „hat meine Lebensgeschichte geprägt“. Leicht habe er sich den Austritt deshalb auch nicht gemacht. „Sonst wäre ich schon vor 15 Jahren gegangen.“

Gründe habe es genug gegeben. „Die Partei ist nicht fair mit mir umgegangen.“ Immer wieder gab es allerdings Hinweise, dass Nowack geschäftliche Interessen unter anderem im Immobiliensektor mit politischer Arbeit vermengte. Im Jahr 2003 verließ er den Rat der Stadt, 2005 dann auch den Landtag.

Wohin es ihn nun politisch verschlage, sei offen. Mit der FDP habe er geliebäugelt, dies habe sich spätestens in den letzten Tagen erledigt. Das neue sozial-liberale Ratsbündnis? Vielleicht. Nur eines sei klar: „Die AfD geht gar nicht.“

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