Zollverein School of Design

"Es mangelte an Sachverstand"

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Die "Zollverein School of Design" erhält jetzt kein Fördergeld mehr. Damit ist sie so gut wie tot. Den Lehrbetrieb für die verbliebenen neun Studenten übernimmt die Uni. 30 Millionen Euro wurden investiert.

Auf der Internet-Videoplattform "Youtube" gibt es ein Interview mit Andrej Kupetz. Kupetz war bis Oktober 2007 Präsident der "Zollverein School". Zehn Minuten gefilmtes Gespräch, er erzählt sehr zurückgenommen und wählt bedächtig die Worte aus. Trotzdem ist Verzweiflung erkennbar. Kupetz berichtet von "Sprachlosigkeit" und einer "unglaublich komplexen Gemengelage".

Das Interview wurde am 11. Oktober geführt. Zwei Wochen später schmiss Kupetz hin.

In einer offiziellen Stellungnahme ließ er damals verlauten: "Der Förderzeitraum ist zu kurz bemessen, um ein Projekt dieser Größenordnung im Markt zu verankern." Kupetz sollte Recht behalten.

Seit dem 1. Oktober 2008 erhält die "Zollverein School" kein Geld mehr. Der Versuch ist gescheitert, in fünf Jahren und mit 6,8 Millionen Euro Anschubfinanzierung von EU (40 Prozent), Land (40 Prozent) und Stadt (20 Prozent) ein international renommiertes Weiterbildungszentrum für Berufstätige zu entwickeln, die sich an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Design bewegen.

Insgesamt 30 Millionen Euro Steuergelder wurden investiert - allein der weiße Betonwürfel auf dem Weltkulturerbe-Areal, von japanischen Architekten entwickelt, kostete 23 Millionen Euro. 150 Studenten sollten berufsbegleitend ihren internationalen Abschluss erwerben, alle drei Wochen für mehrere Tage an die Gelsenkirchener Straße kommen, 20 Monate lang, für insgesamt 22 000 Euro Studiengebühr. Es kamen nur 45.

Das allein hat aber nicht das Scheitern der "Zollverein School" verursacht. Es waren auch die hohen Betriebskosten, die der spektakuläre Bau bringt - offizielle Zahlen gibt es immer noch nicht, die Schätzungen schwanken zwischen 280 000 und 400 000 Euro jährlich. Man darf sagen: Es ist nicht ganz falsch anzunehmen, dass der weiße Klotz, der die meiste Zeit leer steht, täglich 1000 Euro kostet. Immerhin: Er zieht Architektur-Fans aus aller Welt an - sie bewundern die sensationell dünnen Wände (30 Zentimeter) und lassen sich überwältigen von der Ästhetik des Hauses, die das Monumentale mit absoluter Reduktion verbindet - ganz so wie die Bauten von Schacht 12 aus dem Jahr 1932. 16 000 Besucher werden jährlich im Würfel gezählt, heißt es.

"Das gesamte Konzept hatte von Anfang an grobe Fehler. Es mangelte an betriebswirtschaftlichem Sachverstand", sagt Stefan Frigger, der bis zum 30. September als Geschäftsführer eingesetzt war. Ihm ist jetzt ein so genannter "Interims-Geschäftsführer" gefolgt - Stefan Jablonski von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft "MR Consult GmbH".

Neun Studenten hat die Schule noch. Sie schließen ihren Bildungsgang im Januar 2009 ab. Den Lehrbetrieb übernimmt bis dahin die Uni Duisburg-Essen.

Sie ist eine der beiden Gesellschafterinnen der "Zollverein School". Die andere ist die Uni Wuppertal. Vertreter der Hochschulen möchten sich offiziell noch nicht äußern. Es heißt aber, dass an Wiederbelebungsversuchen gearbeitet wird. Im Spiel ist auch die Entwicklungsgesellschaft Zollverein (EGZ).

Was genau getan wird, damit die Marke "Zollverein School" wieder auflebt, ist unklar. Dass die Folkwang-Design-Studenten, die aufs Zollverein-Areal ziehen werden, den Kubus komplett nutzen, gilt als unwahrscheinlich.

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