Kita

Erzieherinnen am Limit: Demo für mehr Personal in Kitas

Mehr Personal für die Kitas fordert ein breites Bündnis aus Mitarbeiter-Vertretungen und Gewerkschaften.

Mehr Personal für die Kitas fordert ein breites Bündnis aus Mitarbeiter-Vertretungen und Gewerkschaften.

Foto: dpa

Essen.   25 Kinder, eine Erzieherin – das darf nicht sein, kommt in Kitas aber regelmäßig vor. Nun gibt es eine Demo gegen den unzumutbaren Berufsalltag.

Große Arbeitsbelastung, hohe Krankenstände und keine personellen Puffer: „In den Kitas nimmt der Druck unheimlich zu“, sagt Verdi-Gewerkschaftssekretärin Katharina Schwabedissen. Mit der Folge, dass sich die Erzieherinnen jetzt mehr Personal noch dringender wünschen als mehr Geld. Gleiches hat man zuletzt schon beim Krankenpflegepersonal erlebt, das im vergangenen Jahr vor allem für vernünftige Arbeitsbedingungen in den Streik ging. Die Erzieherinnen wollen ihrem Anliegen am 23. Mai mit einer Demo unter dem Motto „Mehr Große für die Kleinen“ vor dem Düsseldorfer Landtag Nachdruck verschaffen.

Aufgerufen zu dem Protest hat ein breites Bündnis, das vom katholischen Kita-Zweckverband über die Arbeiterwohlfahrt, Berufsverbände, die Gewerkschaften Verdi und GEW bis zum Landeselternbeirat reicht. In Essen erklärten sie jetzt, wie es zu dem „ungewöhnlichen Schulterschluss“ (Katharina Schwabedissen) kam. Schließlich hat NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) erst Anfang Januar ein millionenschweres Paket für die Kitas im Land versprochen. Mit der Reform des Kinderbildungsgesetzes (Kibiz) solle es nicht nur ein zweites beitragsfreies Jahr geben, man werde auch sicherstellen, dass in Zukunft jede Kita auskömmlich arbeiten könne.

Wie soll Personal für Randzeiten finanziert werden?

Aktuell sind die nämlich chronisch unterfinanziert, „Land und Kommunen mussten die Kindergärten mit mehreren Rettungspaketen über Wasser halten“, kritisierte der Städtetag. Für das Kita-Jahr 2020/21 sollen nach dem Willen von Stamp darum nun zusätzlich rund 750 Millionen Euro bereitgestellt werden. „Wenn man solche Summen hört, klingt das erstmal viel – tatsächlich könnte sich der Personalschlüssel sogar verschlechtern“, sagt Thorsten Böning, Vorsitzender der Mitarbeitervertretungen im Kita-Zweckverband.

Denn neben der Beitragsfreiheit plant das Land noch weitere Segnungen für die Familien: So sollen die Betreuungszeiten in den Kitas deutlich flexibilisiert werden. Eine solche Ausweitung der Öffnungszeiten gebe es naturgemäß nicht zum Nulltarif, mahnt Böning. Wenn eine Einrichtung von 45 auf 50 oder mehr Stunden hochgehe, werde das durch den bisherigen Abrechnungsmodus nicht abgedeckt. Denn der geht von 25, 35 oder 45 Wochenstunden aus, die die Eltern im Rahmen der jetzigen Öffnungszeiten buchen. Wie das Personal für die zusätzlichen Randzeiten finanziert werden solle, sei unklar.

Kinder 20 bis 30 mal im Jahr nach Hause geschickt

Und dabei gerate man schon mit der jetzigen Besetzung regelmäßig an Grenzen, wie der Vorsitzende des Landeselternbeirats, Darius Dunker, berichtet: „Der Stress führt zu mehr krankheitsbedingten Ausfällen, Notbesetzungen, Gruppen werden zusammengelegt oder zeitweise geschlossen. In einzelnen Kitas werden 20 bis 30 mal pro Jahr Kinder nach Hause geschickt.“ Andernorts scheuten die Kolleginnen diesen Schritt, ergänzt Thorsten Böning: „Die sagen dann, wir stemmen das schon – und dann übernimmt zeitweilig eine Erzieherin allein eine Gruppe.“ Dabei sei es unhaltbar, dass eine Mitarbeiterin allein 20 bis 25 Kinder betreue. „Wir wollen mit unserem Protest eine Personalbesetzung erreichen, mit der zumindest die schon bestehenden Gesetze eingehalten werden“, betont Katharina Schwabedissen.

Um eine wirklich gute Arbeit in den Kitas sicherzustellen, wünsche man sich aber kleinere Gruppen und auch eine Entlastung der Kita-Leitungen. Denn nur so könne man einem weiteren Problem begegnen: Unter den jetzigen Arbeitsbedingungen sei es enorm schwer, überhaupt neues Personal zu gewinnen.

>>> DEMONSTRATION IM MAI IN DÜSSELDORF

Das Bündnis „Mehr Große für die Kleinen“ demonstriert am 23. Mai 2019 vor dem Düsseldorfer Landtag für mehr Personal in den Kitas.

Die Veranstalter fordern unter anderem, dass Gruppen mit Kindern über drei Jahren nur noch 20 statt 25 Plätze haben. In gemischten Gruppen mit Kindern über und unter drei Jahren dürfe es nur 17 statt 20 Plätze geben. Infos: www.mehr-Grosse-fuer-die-Kleinen.de

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