Prozess

Erneut Bewährung für illegale Beschneidung des Sohnes

Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Ohne Erlaubnis der Mutter hatte er den sechsjährigen Sohn beschneiden lassen. Dafür wurde der Vater jetzt wegen Körperverletzung verurteilt.

Es bleibt dabei: Ein Vater, der ohne Zustimmung der Mutter seinen Sohn heimlich beschneiden lässt, macht sich zwar wegen Körperverletzung strafbar, muss aber nicht ins Gefängnis. Das Landgericht Essen verurteilte ihn am Montag zu einem Jahr Haft, setzte die Strafe aber zur Bewährung aus.

Damit beendete es vorerst einen kleinen Justizmarathon. Die bei Gütersloh lebenden muslimischen Eltern des Jungen hatten sich getrennt, das Sorgerecht für die Kinder hatte die Mutter. Wie vereinbart kamen sie in den Sommerferien 2015 zu dem heute 36-Jährigen. Er nutzte die Gelegenheit, um mit dem Sohn in ein Beschneidungszentrum in Essen zu fahren.

Es sollte ein Fest werden: Der Sechsjährige trug feierliche Gewänder, Mutter und Geschwister seines Vaters begleiteten ihn. Als die Mutter (33) davon erfuhr, erstattete sie Anzeige. Das Amtsgericht Essen verurteilte den Vater 2016 wegen Körperverletzung zu sechs Monaten Haft mit Bewährung. Staatsanwaltschaft und Verteidigung legten Berufung ein.

Schmerzen nicht berücksichtigt

Am Landgericht bekam er ein Jahr Haft mit Bewährung. Die XI. Strafkammer berücksichtigte strafschärfend, dass er sich über die Mutter hinweg gesetzt und auch den Sohn nicht an der Entscheidung beteiligt habe. Die Staatsanwaltschaft war unzufrieden. Sie hielt das Urteil für zu milde, fand auch die Bewährung nicht gut und legte Revision ein.

So hob das Oberlandesgericht Hamm das Urteil auf. Es vermisste eine ausführliche Darstellung, wie schmerzhaft der Eingriff gewesen sei, welche Folgen er für den Jungen habe. Der Sohn wollte jetzt nichts sagen, die Mutter bestätigte aber die Schmerzen. Dass der Vater das Vertrauen des Jungen missbraucht habe, sei heute noch zu spüren. Die Kinder lehnten den Kontakt zum Vater ab.

Staatsanwaltschaft wollte Vater in Haft bringen

Dieser zeigt sich mittlerweile einsichtig. Im Rückblick sei sein Alleingang falsch gewesen, räumt er ein. Die IV. Strafkammer sieht wenig Sinn, den Angeklagten, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, „zur Verteidigung der Rechtsordnung“ ins Gefängnis zu bringen.

Ohne Einwilligung der Mutter zu handeln sei zwar „sehr schlimm“, sagt Richterin Luise Nünning, allerdings sei die Beschneidung an sich auch in Deutschland zulässig – wenn die Sorgeberechtigten es wollten.

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