Geschäfts-Schließung

Steeler Buchhandlung schließt nach 42 Jahren

Die Räumungsplakate aufzuhängen, fiel Stephanie Polberg schwer: Sie übernahm die Buchhandlung am Kaiser-Wilhelm-Platz 6 vor rund 23 Jahren und wird sie nun spätestens Ende Januar endgültig schließen.

Die Räumungsplakate aufzuhängen, fiel Stephanie Polberg schwer: Sie übernahm die Buchhandlung am Kaiser-Wilhelm-Platz 6 vor rund 23 Jahren und wird sie nun spätestens Ende Januar endgültig schließen.

Foto: André Hirtz

Essen-Steele.   Stephanie Polberg verabschiedet sich aus der Steeler City: Sie führte das Geschäft seit 1996, dem zuletzt vor allem der Online-Handel zusetzte.

Als kleines Mädchen wollte Stephanie Polberg Astronautin werden. Ihren tatsächlichen Traumberuf fand sie dann als Schülerin: Die 14-Jährige arbeitete in der Buchhandlung Bücherpavillon in der Steeler City, begeisterte sich für Bücher wie für den Kundenkontakt und absolvierte ihre Ausbildung als Buchhändlerin. 1996 übernahm sie das Geschäft schließlich, das sie all die Jahre mit Leidenschaft und Freude führte. Und nun kommt der Abschied: für Stephanie Polberg (49) nach zuletzt zwei schwierigen Jahren – für viele Kunden überraschend und unerwartet.

„Spätestens am 31. Januar schließen wir, es sei denn, dass alle Bücher schon zuvor verkauft sein werden“, erklärt Stephanie Polberg den Kunden, die zum Räumungsverkauf herbeiströmen. Wäre die Buchhandlung immer so oder zumindest ähnlich gut besucht gewesen, wäre es am Kaiser-Wilhelm-Platz 6 weitergegangen. „Doch vor allem das Online-Geschäft und auch große Buchketten haben uns zugesetzt“, sagt Stephanie Polberg. Möglicherweise käme hinzu, dass die Menschen insgesamt weniger Bücher lesen oder diese gebraucht übers Internet kaufen. Die Online-Einkäufe habe sie in Steele ab etwa 2012 gespürt, da wurde es finanziell bereits schwieriger.

„Seit 2017 wurde es richtig eng“

Als es dann 2017 richtig eng wurde, steckten die Buchhändlerin sowie drei Mitarbeiterinnen aber den Kopf mitnichten in den Sand, sondern gaben nochmal richtig Gas: „Wir haben mehr Lesungen angeboten, die stets sehr gut besucht gewesen sind“, beschreibt die 49-Jährige, die zu mancher Buchpremiere lud, selbst Bücher herausgab und zuletzt eines über Steele und den Essener Osten schrieb. Ihr Job sei immer mehr als Bücher verkaufen gewesen, sagt Stephanie Polberg über den oftmals jahrelangen Kontakt zu den Kunden.

Wenn die gebürtige Leitherin derzeit von zu Hause in Freisenbruch zu ihrer Buchhandlung fährt, dann fehlen das gute Gefühl und die Vorfreude: „Ich bin jeden Tag gern zur Arbeit gekommen.“ Jetzt möchte sie rasch einen Schlussstrich ziehen, denn die vergangenen Wochen und Monate seien emotional sehr anstrengend gewesen. Gekündigt hatte sie ihrer Mitarbeiterin („sie geht in Kürze zum Glück ohnehin in den Ruhestand“), den beiden Aushilfen und auch den Mietvertrag bereits im Frühjahr, um im schlimmsten Fall die Fristen einhalten zu können. Und dann hätten sie alle weiter gehofft, hatten die Option, den Vertrag weiter laufen zu lassen.

„Im Dezember stand fest, dass Schluss sein wird“

„Im Dezember stand fest, dass endgültig Schluss sein wird“, sagt Stephanie

Polberg, deren berufliche Zukunft noch offen ist. Einen neuen Buchladen schließt sie aus. „Ich bin sehr dankbar, dass ich 23 Jahre das machen durfte, was ich gern gemacht habe“, sagt sie. Statt dieser Verantwortung hofft sie auf einen Job als angestellte Buchhändlerin oder in der Tourismusbranche und privat auf etwas mehr Zeit für Freunde und zum Lesen.

Nun verkauft sie zunächst auch die Einrichtung ihres Geschäfts samt Regalen und Deko-Artikeln. Unverkäuflich sind lediglich eine Leuchtreklame („die nehme ich als Andenken mit nach Hause“) und eine alte Lampe von der Zeche Bonifacius. Ihre Krimis wird Stephanie Polberg künftig wohl in einer der beiden verbleibenden Buchhandlungen Steeles kaufen. Der letzte Tipp von der Inhaberin der Buchhandlung Polberg: „Hochamt in Neapel von Stefan von der Lahr, das im März erscheint.“

>>BILDERBUCH ÜBER STEELE UND DEN ESSENER OSTEN

Als Autorin hat Stephanie Polberg im Herbst ihr „Bilderbuch Steele“ vorgestellt, das Fotograf Corneel Voigt bebildert hat, um die Leser auf einen Rundgang durch Steele, Kray, Leithe, Freisenbruch, Eiberg und Horst einzuladen.

Das Werk mit 116 Seiten und 180 Fotos ist für 24,90 Euro erhältlich.

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