Nahverkehr

Die Marke „Evag“ wird für die „Ruhrbahn“ ausradiert

Evag ade, eine Marke verschwindet: hier nur hinter den Bürsten der Straßenbahn-Waschanlage, demnächst aber für immer, wenn die Fusion mit der Nahverkehrs-Gesellschaft in Mülheim die „Ruhrbahn“ gebiert.

Evag ade, eine Marke verschwindet: hier nur hinter den Bürsten der Straßenbahn-Waschanlage, demnächst aber für immer, wenn die Fusion mit der Nahverkehrs-Gesellschaft in Mülheim die „Ruhrbahn“ gebiert.

Foto: Alexandra Roth

Essen.   Wenn die Fusion mit Mülheims Verkehrs-Gesellschaft endgültig ist, verschwindet die über 63 Jahre gewohnte Essener Marke "Evag" für Bus und Bahn.

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Seit nunmehr 63 Jahren steht die „Evag“ für Essens Nahverkehr, an guten wie an schlechten Tagen, doch damit ist bald Schluss. Wenn am 14. Juli beim Notar die Verträge für eine vereinigte Nahverkehrs-Gesellschaft zwischen Essen und Mülheim unterzeichnet werden, ist dies die Geburtsstunde der „Ruhrbahn“. Schon im August vergangenen Jahres hat man sich den Titel am Erzhof schützen lassen, und wer im Internet www.ruhrbahn.de eingibt, der landet bereits auf der Startseite der Evag. Deren Zug ist dann abgefahren.

Was zumindest unter dem Gesichtspunkt der Zusammenarbeit im Ruhrgebiet eine gute Nachricht ist, findet der Rat der Stadt: Einstimmig stellte er am Mittwochabend die Weichen für die „Ruhrbahn“, „ein Signal für die Region“, so Oberbürgermeister Thomas Kufen, schließlich sei dies im Revier trotz aller großspurigen Bekundungen „die erste Fusion zweier Verkehrsbetriebe seit 100 Jahren“.

Keinen Katalog der Vorteile festlegen

Schluss soll dann zumindest in kleinem Maßstab sein mit der Kleinstaaterei im Nahverkehr, Schluss mit Parallelstrukturen und teuren Einzellösungen: mehr Leistung fürs gleiche Geld oder die gleiche Leistung für weniger Geld – alte Strukturen kappen, nicht das Angebot für die Nutzer.

So weit die Theorie, die das Essener Bürger Bündnis und die Piraten nur allzu gerne verbrieft bekommen hätten. Aber auf belastbare Zahlen oder gar einen ganzen Katalog der zu erwartenden Vorteile mochten Stadt und Ratsmehrheit sich nicht festlegen lassen. Das EBB unkt: Es könne nicht sein, so Jochen Backes, dass in der neuen Gesellschaft „die Entscheidungen getroffen werden und beim Rat nur die Rechnung ankommt“.

„Wir sollten keine Wunder erwarten“

Dabei warnt Evag-Aufsichtsrats-Chef Wolfgang Weber (SPD) vor allzu großen Erwartungen an die Fusion. Zwar ist mehr Gemeinsamkeit das Ziel – bei Leitstellen und Werkstätten, beim Personaleinsatz und dem Austausch von Fahrgerät. „Da passiert schon eine Menge“, sagt Weber, „aber wir sollten auch keine Wunder erwarten“.

Zumal noch auf absehbare Zeit getrennte Nahverkehrspläne, unterschiedliche Taktzeiten und abweichende Mitarbeiter-Garantien existieren. Aber damit muss und will man leben, „es ist keine Liebesheirat“, betont Rolf Fliß (Grüne), sondern eine Sache des Verstandes – und der Finanzen.

Auch Oberhausen gilt als möglicher Partner

Erst einmal kostet die Fusion – nicht zuletzt auch durch den Austausch der alten Marke auf Schildern, Bussen, Bahnen bis hin zum Briefpapier. Aber das seien Kleinigkeiten gegen die Rechnungen der beteiligten Berater, so Weber.

Die Ziele sind auf Dauer „ehrgeizig“ (O-Ton Kufen), Und vielleicht ließen sich ja noch Mitstreiter gewinnen, so Fliß: Oberhausen liege ja wenigstens auf ein paar hundert Metern Strecke an der Ruhr, „insofern bräuchten wir den Namen dann ja nicht mehr zu ändern“.

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