Radschnellweg RS1

Der Zeitplan für den Radschnellweg RS1 wackelt

Die Radfahrer-Szene demonstriert mit kreativen Aktionen für den Weiterbau des Radschnellweges durch das Eltingviertel.

Die Radfahrer-Szene demonstriert mit kreativen Aktionen für den Weiterbau des Radschnellweges durch das Eltingviertel.

Foto: Vladimir Wegener

Essen.   Die Fahrrad-Lobby drängt auf den Weiterbau des Radschnellweges RS1. Die Stadt hat einen Zeitplan vorgelegt. Doch der scheint sehr ambitioniert.

Sie haben beim „Trassenfrühstück“ frischen Kaffee ausgeschenkt und bei der „Trassen-Disco“ heiße Musik serviert: Mit kreativen Ideen wie diesen demonstriert die organisierte Radfahrszene seit geraumer für den Weiterbau des Radschnellweges RS 1. „Wir versuchen, den Radschnellweg im Gespräch zu halten“, sagt Jörg Brinkmann vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). Denn die als Radautobahn titulierte Trasse endet nach wie vor als Sackgasse. Aus Richtung Westen kommend ist gleich hinter dem Universitätsviertel an der Gladbecker Straße Schluss. Die Radfahrerverbände treibt die Sorge um, dass es dabei auf nicht absehbare Zeit bleiben könnte. Von der Hand zu weisen ist diese Befürchtung offensichtlich nicht.

Wie es weitergeht durch das Eltingviertel und von dort weiter in Richtung Osten bis nach Kray ist Gegenstand theoretischer Überlegungen, mit denen sich die Planer beim Landesbetrieb Straßen NRW befassen. Der Bahndamm, der das Eltingviertel von der nördlichen Innenstadt trennt, soll abgetragen werden. Die Stadt Essen wünscht sich an gleicher Stelle eine attraktive Wohnbebauung. Der Radschnellweg soll in diese integriert werden, soll über Dächer und durch Häuser führen. Die politische Mehrheit im Rat konnte sich für diese städtebaulich anspruchsvolle Variante begeistern.

Der Baustart für neue Wohnungen im Eltingviertel soll 2022 erfolgen

Weil der Bahndamm aber nach wie vor von Güterzügen genutzt wird, die den Chemiebetrieb von Evonik/Goldschmidt an der Gerlingstraße anfahren, muss zunächst ein neuer Gleisanschluss her. Die Züge sollen das Betriebsgelände von Osten kommend direkt andienen, das umständliche Rangieren auf dem Bahndamm wäre nicht mehr nötig. Die alten Gleise könnten zurückgebaut, der Bahndamm abgetragen werden. Soweit die Theorie.

Zum Ende des vergangenen Jahres hatte die städtische Planungsverwaltung dem zuständigen Fachausschuss des Stadtrates eine Zeitachse vorgestellt, wie es weitergehen soll. Demnach soll sich die Politik in der zweiten Jahreshälfte auf ein städtebauliches Konzept für die Bebauung im Eltingviertel verständigen, im kommenden Jahr würde die Verwaltung das Bebauungsplanverfahren auf den Weg bringen. Zeitlich parallel dazu soll das Genehmigungsverfahren für den Umbau der Gleise über die Bühne gehen. Avisierter Baustart für die Wohnbebauung wäre 2022.

Allem Anschein nach ist dieser Zeitplan ambitioniert, zumindest was den Gleisumbau angeht, ohne den es im Eltingviertel nicht weitergeht. Straßen NRW will sich auf Anfrage gar nicht erst auf eine Zeitachse festlegen. Bauliche und rechtliche Fragen seien noch zu prüfen, heißt es. Eine von der Bahnflächenentwicklungsgesellschaft in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie soll Mitte des Jahres vorliegen.

Bei Evonik/Goldschmidt haben sie zum Gleisumbau nichts mehr gehört

Dass der Landesbetrieb noch in diesem Jahr beim Eisenbahnbundesamt die Genehmigung eines neuen Gleisanschlusses beantragt, klingt im Gespräch mit der Projektleitung jedenfalls unwahrscheinlich. Offen ist sogar, ob ein zeitaufwendiges Planfeststellungsverfahren erforderlich ist, um Baurecht zu schaffen. Nach Angaben des Eisenbahnbundesamtes dauert ein solches Verfahren zwischen einem und drei Jahren.

Nicht nur das: Zu klären wäre auch, wer den neuen Gleisanschluss bezahlt. An den Planungen werde Evonik/Goldschmidt auf jeden Fall beteiligt. Das Unternehmen hatte sich bereits öffentlich aufgeschlossen gegenüber dem Bau des Radschnellweges gezeigt. Vorausgesetzt, der Betriebsablauf werde nicht gestört. „Das ist eineinhalb Jahre her. Seitdem haben wir nichts mehr gehört“, so ein Sprecher. Das alles klingt nicht so, als würde der Weiterbau des RS 1 von den zuständigen Stellen mit größtem Nachdruck weiterverfolgt.

Von Seiten der Stadt weist man auf die zahlreichen Beteiligten im Verfahren hin und sieht sich selbst am Ende der Entscheidungskette. Der Weiterbau des Radschnellweges sei „ein laufender Prozess“, in dem sich genannte Zeiten auch mal verschieben könnten.

Jörg Brinkmann vom ADFC verschlägt es da glatt die Sprache.

>>>DER RADSCHNELLWEG RS1

  • Der Radschnellweg RS1 soll auf einer Länge von rund 100 Kilometern von Duisburg bis Hamm führen. 2014 hat der Regionalverband Ruhr (RVR) eine Machbarkeitsstudie zum Bau des RS1 vorgelegt. Nutzungskonflikte mit dem Gleisanschluss von Evonik/Goldschmidt wurden in der Studie lediglich erwähnt, ohne in die Tiefe zu gehen.
  • In Essen führt der RS1 über die Trasse der ehemaligen Rheinischen Bahn. Den Ausbaustandard eines Radschnellweges bietet der RS1 noch nicht.
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