Pfingststurm

Drei Jahre nach Sturm Ela: „Der Wald entwickelt sich prächtig“

Förster Tobias Hartung bei der Bestandsaufnahme im Schellenberger Wald.

Förster Tobias Hartung bei der Bestandsaufnahme im Schellenberger Wald.

Foto: Knut Vahlensieck

Essen.   Der Pfingststurm von 2014 war eine Zäsur für die Stadt Essen. Drei Jahre danach erholt sich die Natur – und das viel besser als damals erwartet.

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Am Morgen danach, als die Wolken sich verzogen hatten, wurde das ganze Ausmaß der Katastrophe sichtbar. Von Westen kommend war „Ela“ an Pfingstmontag über Essen hinweggezogen. Tiefschwarz färbte sich der Himmel, als das Sturmtief mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Kilometern pro Stunde über die Stadt hinweg brauste und eine Schneise der Verwüstung hinterließ. Straßen waren nicht mehr passierbar, Schulen, Sportplätze und Parks mussten gesperrt werden. Fünf Tage lang sollte der Hauptbahnhof abgeschnitten sein vom Schienennetz, weil Äste in den Leitungen hingen oder die Gleise blockierten. Binnen vier Tagen zählte die Feuerwehr 2350 Einsätze. Den entstandenen Schaden bezifferte die Stadt auf 63 Millionen Euro, 40 Millionen davon entfielen auf Schäden, die Ela an den Bäumen entlang der Straßen, in Parks und in Wäldern angerichtet hatte.

Im Schellenberger Wald hatte der Sturm reihenweise Bäume umgeknickt, als handelte es sich um Streichhölzer. Selbst massive Exemplare hatten dem gewaltigen Druck nicht stand gehalten. Vereinzelte Stämme ragten wie Mahnmale aus dem Unterholz hervor. Anderen hatte Ela die Krone verdreht. Ein absurder Anblick. „Der Anblick nach Ela war absolut schockierend“, sagt Tobias Hartung, Förster bei Grün und Gruga. Viele Bürger werden es genau so empfunden haben.

„Der Anblick nach Ela war absolut schockierend“

Etwa 10 bis 15 Prozent des Essener Waldes wurden durch Ela geschädigt. Zu diesem Ergebnis kam Grün und Gruga, nachdem das betroffene Gebiet bald nach der Katastrophe mit einem Hubschrauber überflogen worden war. Ob die Einschätzung zutrifft, wird sich erst zeigen, wenn die aktuelle Waldinventur beendet ist.

Auch für Laien ist jedoch nicht zu übersehen, dass der Wald sich an vielen Stellen langsam erholt. „Ela hat dafür gesorgt, dass sich der Wald fantastisch verjüngt“, konstatiert Hartung. „Vor allem dort, wo wir vorgesorgt hatten.“ Andernorts verbreiten sich Knöterich, wuchern Brennesel und Brombeeren. Es wird länger dauern, bis sich der Wald auch dort erholt. „Letztlich ist auch das Natur“, so Hartung.

Sturm trifft Essen mit voller Härte

Essen, 10.06.14: Das heftige Gewitter, das in der Nacht zum Dienstag über Essen und NRW hinwegzog, richtete schwere Schäden an Autos und Häusern an. Viele Straßen waren lange unpassierbar. Auch heute dauern die Aufräumarbeiten an.
Sturm trifft Essen mit voller Härte

Wo Grün und Gruga aber bereits vor Ela einzelne Stämme entnommen hatte, damit nachfolgende Baumgenerationen genügend Platz haben, um zu wachsen, schießt das Grün förmlich in die Höhe. „Beim Ahorn haben wir einen Zuwachs von einem Meter pro Jahr“, berichtet der Förster und greift beim Spaziergang durch den Schellenberger Wald als Beleg nach einem frischen Trieb am Wegesrand. „Sonst wäre es vielleicht ein halber Meter gewesen.“

Ähnlich verhält es sich mit der Buche, dem prägenden Baum in deutschen Wäldern. „Auch die Buche entwickelt sich prächtig.“

Die andere Seite der Medaille: Buchen, die Ela standgehalten haben, während andere vor dem Sturm einknickten, sind die Stämme nun ungeschützt der Sonne ausgesetzt. Die Rinde platzt auf wie Haut nach einem starken Sonnenbrand. Pilze und andere Schädlingen können eindringen. Langfristig könnten die betroffenen Bäume absterben. Bei Grün und Gruga werden sie das beobachten. Im Forstbetrieb setzen sie auf die Selbstheilungskraft des Waldes.

An den Straßen wurden 3000 Bäume nachgepflanzt

Nur an vereinzelten Stellen wurden Bäume nachgepflanzt, etwa in Heisingen, wo es mehrere hundert waren, weil Bürger sich engagierten, auch finanziell. Anders in Parkanlagen. Im Grugapark wurden von 470 Bäumen 200 ersetzt, entlang der Straßen sind es bislang etwa 3000 Bäume. Zehntausende waren außerhalb der Wälder durch Ela beschädigt worden oder mussten gefällt werden. Bis die Spuren, die der Pfingststurm 2014, nicht mehr zu sehen, werden noch Jahre vergehen, vielleicht Jahrzehnte. „Ela war eine Zäsur in Essen“, sagt Förster Tobias Hartung. Die Natur müsse damit umgehen. „Wir Menschen müssen es auch, indem wir Geduld üben.“