Stadtplanung

Das neue „Bürgerrathaus“ der Stadt Essen wird ein Hochhaus

So soll das neue Bürgerrathaus, vom Varnhorstkreisel aus betrachtet, aussehen.

So soll das neue Bürgerrathaus, vom Varnhorstkreisel aus betrachtet, aussehen.

Foto: Foto: Socrates TassoS

Essen.  Das geplante „Bürgerrathaus“ soll 14 Stockwerke zählen. 115 Millionen Euro will die Stadt in den Neubau investieren.

Sie sind eigens ins österreichische Linz gereist und nach Venlo in den Niederlanden. Mitgebracht haben sie nicht Sachertorte, Fla oder Frikandel, sondern Inspirationen für ein neues „Bürgerrathaus“ der Stadt Essen. Den ersten Preis hat die Jury nun vergeben. Er geht an das Generalplanungsteam agn Niederberghaus & Partner für einen Entwurf, den Jurymitglieder durchaus mutig nennen.

Denn die Jury hat sich für ein Hochhaus entschieden. 14 Stockwerke wird das neue Bürgerrathaus zählen, eingerahmt von einem viergeschossigen Gebäude. Hinter der Alten Synagoge und der Altkatholischen Kirche soll es bis Ende 2024 entstehen. Das ehemalige Hauptbad wird dafür abgerissen wie auch das ehemalige Gesundheitsamt an der Bernestraße.

Die städtebauliche Herausforderung bestand für die Architekten darin, 30.000 Quadratmeter Nutzfläche auf einem nur knapp 10.000 Quadratmeter großen Grundstück unterzubringen. Und dies, ohne denkmalgeschützte Gebäude in unmittelbarer Nachbarschaft zu erdrücken, erläuterte Stadtdirektor und Planungsdezernent Hans-Jürgen Best. Dem Team agn sei dies unter den 13 Wettbewerbsteilnehmern am besten gelungen, lässt das Hochhaus doch Platz für das niedrigere Nebengebäude. Städtebaulich schließe das Gebäude die optische Lücke zwischen dem Rathaus am Porscheplatz und der Skyline am Hauptbahnhof. Es sei der Anspruch der Stadt gewesen, einen städtebaulichen und architektonischen Akzent zu setzen, sagte Oberbürgermeister Kufen bei der Präsentation des Siegers.

1300 Mitarbeiter des Sozialamtes, des Jugendamtes und des Jobcenters sollen in das Bürgerrathaus einziehen

In Essen ist das Büro aus Ibbenbüren übrigens kein unbekanntes. Aus dem Wettbewerb um den Neubau des Nord-Ost-Gymnasiums ging es ebenfalls als Sieger hervor, beim Wettbewerb um die neue Zentrale der Funke Medien Gruppe holte agn den dritten Platz.

Nun also der 1. Preis fürs geplante Bürgerrathaus. Das Amt für Soziales und Wohnen soll dort einziehen, Abteilungen des Jugendamtes und Teile des Jobcenters – insgesamt 1300 städtische Mitarbeiter. Bis zu 2000 Bürger pro Tag werden erwartet. Sie sollen im „Front-Office“ im Nebengebäude empfangen werden, dessen Foyer auch für öffentliche Veranstaltungen genutzt werden kann. Das Gros der Mitarbeiter arbeitet im Büro-Turm. Beide Gebäude sind durch einen überdachten Durchgang voneinander getrennt. Dieser verbindet die Bernestraße mit der Steeler Straße, wo der Familienpunkt, die öffentliche Anlaufstelle für alle Fragen rund um Kinder und Familie, bekommt einen eigenen Eingang haben wird. Nach Dienstschluss bleibt der Durchgang geschlossen. Parkplätze gibt’s in der dreigeschossigen Tiefgarage, 120 davon für die Öffentlichkeit.

Die Stadt will moderne Arbeitsplätze anbieten und setzt auf die Digitalisierung

Den Bürgern werde das neue Rathaus besseren Service bieten, betonte Kufen. Die Mitarbeiter sollen moderne Arbeitsplätze vorfinden. Auch wenn nicht jeder begeistert darüber ist, dass es sich vor allem um offene Arbeitsbereiche handeln wird. Die Zeiten der Amtsstube seien vorbei, hob Kufen hervor. Die Stadt setze vielmehr auf Kommunikation und Digitalisierung und hat laut Sozialdezernent Peter Renzel die Erwartung, dass sich die Abläufe vereinfachen und sich die Bürger so manchen Weg sparen können. Wege, die sie heute noch zu in der Stadt verteilten Außenstellen der Verwaltung der Verwaltung zurücklegen müssen. Die Mietverträge wird die Stadt kündigen, um den Neubau langfristig zu finanzieren. 115 Millionen Euro soll das Bürgerrathaus kosten. Ob es dabei bleibt, wird man angesichts der brummenden Baukonjunktur sehen. Eine Brücke hinüber zum Burgplatz, wie sie auf den Entwurfsplänen zu sehen ist, ist übrigens nicht mit eingepreist. Sie fällt unter die Kategorie „Sahnehäubchen“ und wäre, wie Stadtdirektor Best zu bedenken gibt, architektonisch eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe. Inspiration böte möglicherweise abermals eine Städtereise. Vielleicht wieder in die Niederlande. Mit Brücken kennen sie sich dort aus.

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