Hilfsangebot

Coronavirus: Essen rückt zusammen, um Gefährdeten zu helfen

Hilfe beim Einkaufen: Das Helferteam möchte Menschen, die ihre Wohnung während der Corona-Epidemie nicht mehr verlassen können oder dürfen, im Alltag unterstützen.

Hilfe beim Einkaufen: Das Helferteam möchte Menschen, die ihre Wohnung während der Corona-Epidemie nicht mehr verlassen können oder dürfen, im Alltag unterstützen.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Essen.  Einkauf, Gespräch, Gassigang mit dem Hund: Das Helferteam für Essen will Unterstützung für Risikogruppen anbieten. Weitere Mitstreiter gesucht.

Brot und Gemüse kaufen oder Medikamente aus der Apotheke holen: Weil Alltägliches in Zeiten der Corona-Epidemie nicht mehr für jeden möglich ist, soll es Unterstützung vom „Helferteam für Essen“ geben. Hinter der noch jungen Gruppe steckt Michael Druen (33), der bei der evangelischen Kirche das Ehrenamtsmanagement leitet. Nun geht es darum, Mitstreiter zu finden, Schulungen und Organisation auf die Beine zu stellen, damit betroffene Menschen schnellstmöglich Hilfe erhalten.

Unterstützt werden sollen Risikogruppen, ältere Menschen, diejenigen mit Vorerkrankungen und solche, die aus anderen Gründen Angst vor einer Ansteckung haben. Michael Druen hat sich mit diesem Thema auseinandergesetzt, als nach und nach Fußballspiele abgesagt und Schulen geschlossen wurden. Er hat die Konsequenz gezogen: das Helferteam für Essen.

Eine Frage der gesellschaftlichen Verantwortung

Es war Freitagabend, als sich der 33-Jährige eigentlich eine Fortbildungsreihe für den Besuchsdienst plante, den die Hälfte der insgesamt 26 evangelischen Gemeinden in Essen anbietet. Die Idee des Helferteams ist ähnlich, nur dass es dabei nicht um reine Besuche wie zum Geburtstag geht, sondern um ganz praktische Dinge, also das Einkaufen von Lebens- oder Arzneimitteln. „Es gibt derzeit eine Reihe von Menschen, die unsere Hilfe braucht“, sagt Michael Druen und betont die gesellschaftliche Verantwortung.

Nach ersten Gedanken und Gesprächen gründete er bereits am Samstag die gleichnamige Facebookgruppe, der sich innerhalb von 24 Stunden mehr als 100 Mitglieder angeschlossen hätten. Positive Rückmeldung habe er zudem umgehend von Superintendentin Marion Greve und von Oberbürgermeister Thomas Kufen („Sehr gut. Viel Erfolg“) erhalten. Hinzu kämen der Rückhalt und Hilfsangebote aus den Gemeinden, so dass es zahlreiche Ansprechpartner in den Stadtteilen gäbe.

Vor dem Start wird es Schulungen geben

Angeschlossen hätten sich ebenso zwei Pfadfindergruppen. Es bestünde eine Kooperation mit „Essen packt an“. Der Verein Foodsharing nutze wiederum seine Kanäle, um auf die neue Gruppe aufmerksam zu machen. Auch Michael Druen ist gut vernetzt und kümmert sich derzeit vor allem um organisatorische Fragen wie Datenschutz und Schulungen, die im kleinen Rahmen stattfinden sollen und für die es gilt, Räume zu finden. Inhaltlich stünden dann Hygiene und der Schutz aller Beteiligten ganz oben.

In den ersten Tagen lief all das vor allem über die sozialen Netzwerke und auch am Telefon. Jetzt gilt es, diejenigen zu erreichen, denen die Hilfsangebote gemacht werden sollen, die oftmals älter und weniger im Internet unterwegs seien. Flyer sollen eine Möglichkeit sein, die mit Informationen zu Kontaktpersonen und deren Telefonnummer in den Briefkästen landen. Das städtische Bürgertelefon biete eine weitere Möglichkeit, auf das Helferteam hinzuweisen.

Bedarf rund um Haustiere war nicht bekannt

„Da ist richtig viel Bewegung, und ich bin sehr dankbar für diese Hilfsbereitschaft“, sagt der 33-Jährige, der auf manchen Bedarf selbst gar nicht gekommen wäre. So hat er gerade nach dem Gottesdienst erfahren, dass sich einige ernsthaft sorgten, wer etwa im Fall der Quarantäne den Hund ausführt.

Der Initiator selbst will als nächstes die Aktion Menschenstadt ansprechen, zu dem Behindertenreferat des evangelischen Kirchenkreises zählten immerhin mehr als 200 Ehrenamtliche. Und auch bei Hauptamtlichen ist Michael Druen überzeugt, dass sie sich nach Möglichkeit mit ihren Erfahrungen einbringen werden.

Frauen einer Risikogruppe stehen für Telefongespräche bereit

Die potenziellen Mitstreiter für das Helferteam melden sich per Handy, SMS oder Mail bei ihm. Es sind Menschen, die Zeit zur Verfügung stellen. Solche, die Fahrten mit dem Auto anbieten („ich fahre auch weit“). Und es gibt Frauen aus Katernberg, die selbst zur Risikogruppe zählen, aber am Telefon für Gespräche bereit stehen.

Kontakte und Hilfsangebote, die wie ein Telefonat umgehend möglich sind, vermittelt derzeit Michael Druen. Nach diesen ersten Erfahrungen noch vor dem offiziellen Start des Helferteams ist er mit Blick auf alle weiteren notwendigen Hilfen überzeugt: „Irgendwie kriegen wir das hin. Da stehen alle hinter.“

Kontakt: Michael Druen, Mail michael.druen@evkirche-essen.de, Telefon mobil 0176 5888 4702 oder Telefon 0201 2205 244 (erst ab Montag, 16. März).

Weitere Informationen: www.kirche-essen.de

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