Toiletten

City-Wirte in Essen sollen Toiletten für jedermann öffnen

Die Toilettenanlage am Kopstadtplatz ist wohl die letzte öffentliche in der Innenstadt. Die anderen befinden sich in Kaufhäusern, Einkaufszentren oderstädtischen Gebäuden, die eingeschränkt geöffnet sind.

Foto: Socrates Tassos

Die Toilettenanlage am Kopstadtplatz ist wohl die letzte öffentliche in der Innenstadt. Die anderen befinden sich in Kaufhäusern, Einkaufszentren oderstädtischen Gebäuden, die eingeschränkt geöffnet sind. Foto: Socrates Tassos

Essen.   Essen Marketing will Mangel an öffentlichen Klos mit Hilfe der Gastronomen beseitigen. Seniorenbeirat nennt die WC-Situation „katastrophal“.

Der Vorsitzende des Seniorenbeirates Alfred Steinhoff bezeichnet die Toiletten-Situation in der Essener Innenstadt als „katastrophal“ und dringt auf Abhilfe. Der Mangel an öffentlichen Toiletten sei nicht mehr hinnehmbar.

Die Essen Marketing Gesellschaft EMG, die gerade ein Innenstadtkonzept erarbeitet, sei aufgefordert, mehr Toiletten zu schaffen. „Wir müssen wieder dahin kommen, dass sich Essener Bürger und Besucher dieser Stadt erleichtern können.“

Bezeichnend für die Toiletten-Misere sei das jahrelange und bislang ergebnislose Ringen um eine öffentliche Toilette am Fernbusbahnhof an der Freiheit. Zuerst sei der Seniorenbeirat von der Verwaltung vertröstet worden, am Ende habe es baurechtliche Bedenken gegeben, klagt Steinhoff. „Essen erfreut sich steigender Besucherzahlen, hält aber ausgerechnet am Ort der Ankunft keine Toilette bereit.“

Der Kennedyplatz ist WC-mäßig ein weißer Fleck

Schon 1994 hat der Rat den Rotstift angesetzt und entschieden, für öffentliche Toiletten kein Geld mehr auszugeben. Nach und nach sind nahezu alle Anlagen verschwunden. Die in der Innenstadt aufgestellten „Stadtinformationsanlagen“ führen aktuell lediglich acht öffentlich zugängliche und barrierefreie Toiletten in der City auf: Hauptbahnhof, Rathaus, Rathaus-Galerie, Galeria Kaufhof, zwei Mal Einkaufszentrum Limbecker Platz, Weberplatz und Kopstadtplatz.

Daneben verweist die EMG auf weitere stille Örtchen – auch barrierefreie – in öffentlichen Gebäuden, darunter beispielsweise die VHS am Burgplatz, die Stadtbibliothek oder das Deutschlandhaus.

Steinhoff hält jedoch dagegen, dass die Nutzung sowohl in Kaufhäusern als auch in öffentlichen Gebäuden nur zu den jeweiligen Öffnungszeiten möglich sei.

EMG-Geschäftsführer Dieter Groppe ist zurzeit dabei, Gastronomen für das Thema Toilette zu sensibilisieren. Insbesondere im Bereich Kennedyplatz, WC-mäßig ein weißer Fleck, möchte er die Wirte dafür gewinnen, dass sie jedermann die Toilettennutzung gestatten. Lokalitäten, die sich einverstanden erklärten, würden dann auf den halbjährlich aktualisierten Stadtplänen aufgeführt.

Die „Nette Toilette“ kommt an

Anderswo macht zunehmend die Geschäftsidee „Nette Toilette“ von sich reden. Pressesprecher Joachim Allgeier erklärt das Prinzip: „Gastwirte stellen ihre Toilette zur Verfügung und erhalten dafür von der jeweiligen Kommune eine Aufwandsentschädigung zwischen 40 und 100 Euro je Monat.“ Ein Hinweis im Stadtplan und ein Aufkleber am Lokal zeigen dem Nutzer an, wo er das Örtchen findet. Der Vorteil für die Kommune: Für Pflege und Wartung einer vollautomatischen Toilette müsste sie jährlich ein Vielfaches zahlen, zwischen 15 000 und 130 000 Euro. Mittlerweile gibt’s die „Nette Toilette“ in 230 Städten und Gemeinden. Ein Versuch, dieses Modell an der Rüttenscheider Straße zu verwirklichen, sei bedauerlicherweise gescheitert, berichtet der Seniorenbeirats-Vorsitzende.

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