Gastronomie

Café Extrablatt folgt am Baldeneysee auf Gaststätte Fährmann

Der Biergarten der Heisinger Gaststätte, die nun das Café Extrablatt werden soll, grenzt direkt an den Baldeneysee.

Der Biergarten der Heisinger Gaststätte, die nun das Café Extrablatt werden soll, grenzt direkt an den Baldeneysee.

Foto: Stefan Arend

Essen-Heisingen.   Von der Evag-Betriebsgaststätte zum Café Extrablatt: Der neue Pächter will 1,2 Millionen Euro in das Heisinger Lokal investieren.

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Die Verträge sind unterzeichnet, nun ist es offiziell: Auf die ehemalige Gaststätte Fährmann in Heisingen am Baldeneysee folgt das Café Extrablatt. Geschäftsführer Ayhan Gencaslan (41) übernimmt das Restaurant an der Lanfermannfähre, dessen Eigentümer seit mehr als 100 Jahren die Ruhrbahn (früher Evag) ist. Laufen Renovierung und Umbau nach Plan, soll das Lokal Ende Juni eröffnen, hofft der neue Pächter. Rund 1,2 Millionen Euro will er investieren.

In Rüttenscheid betreibt er bereits das Café Extrablatt, in Gelsenkirchen ein weiteres. Expandieren wollte Ayhan Gencaslan, der gebürtig aus Essen stammt und bis heute hier lebt, ohnehin. In Heisingen hatte er als Standort zunächst eine Immobilie ein paar Hundert Meter weiter am Anleger der Weißen Flotte ausgeguckt. Das bleibt nun ein Wohnhaus, nachdem der 41-Jährige den Leerstand in der Gaststätte Fährmann entdeckte, die nach den Betriebsferien im Januar nicht wieder geöffnet wurde. Die Lage mit dem Biergarten, der direkt ans Wasser grenzt, überzeugte den neuen Betreiber.

Die Immobilie liegt auf einem rund 4300 qm großen Grundstück. Beides kaufte die Ruhrbahn einst vom Vorläufer der Evag, der Süddeutschen Eisenbahn Gesellschaft. „Das heutige Erscheinungsbild des Fährmann-Gebäudes gibt es nach Umbau und Erweiterung seit 1983“, sagt Ruhrbahn-Sprecherin Simone Klose. Die Gastronomie habe sich aus einem Ruderhaus mit Sport-und Freizeitflächen entwickelt, etwa seit den 1950er Jahren. „Bis Sommer 2000 dann war der Fährmann eine reine Betriebsgaststätte“, berichtet sie. Das hieß: Nur Mitarbeiter mit Dienstausweis sowie deren Familienangehörige hatten Zutritt.

Ehemaliges Betriebslokal der Evag

Das hat auch der gebürtige Heisinger Jürgen Brendt selbst erfahren müssen, als er in den 1960er Jahren das Lokal betrat. „Sofort eilte ein Kontrolleur herbei und ich sollte die Gaststätte verlassen“, erinnert sich der 74-Jährige, der dann doch bleiben durfte. „Ich kannte den Wirt gut, dem ich als Frisör damals die Haare schnitt“, sagt Hobbyhistoriker Jürgen Brendt heute lachend. Später war die Gaststätte sein Vereinslokal, in dem immer noch seine vergrößerten Fotos mit Ansichten des Stadtteils hängen. Ob die Bilder nach der Renovierung bleiben, ist ungewiss.

Sicher ist aber, „dass im Café Extrablatt alle Gäste willkommen sein werden“, sagt Ayhan Gencaslan. Er selbst stieg mit 18 Jahren in die Gastronomie und ins Extrablatt ein, „als es gerade mal eine Hand voll Cafés gab und von Kette noch gar keine Rede war“. Dass es nun deutschlandweit mehr als 80 seien, zeige, wie erfolgreich sie arbeiteten. Kritik an der Systemgastronomie kennt er, mag diese aber so nicht stehen lassen. „Viele wissen gar nicht, dass wir in Emsdetten eine eigene Großküche für das Unternehmen haben.“ An diesem schätzt er den familiären Umgang, sagt der 41-Jährige, der andere Geschäftsführer und Mitarbeiter mitunter seit Jahren kennt.

Hochzeitsgesellschaften und Geburtstagsfeiern

Seine Cafés betrachtet er ohnehin wie seine eigenen Betriebe, hat in

jedem ein Büro, ist sieben Tage vor Ort und bringt Ideen mit ein. In Rüttenscheid seien es Nudelkarte und Loungebereich, nennt er Beispiele. Für Heisingen feilt Ayhan Gencaslan nun mit an einem Konzept und der Speisekarte. Die Möbel möchte er eher in dunklen Tönen halten, zum Frühstück Rühreivariationen auch mit Omelett und Pfannkuchen anbieten und vielleicht mal ein Klavierkonzert, sagt der 41-Jährige, der selbst als leidenschaftlicher Pianist in seiner Freizeit gern klassische Stücke spielt. In seinem Lokal kann er sich Hochzeitsgesellschaften und Geburtstagsfeiern vorstellen, draußen vielleicht einen Grill, einen beheizten Außenbereich und Innenräume, die die Gäste auch im Winter anziehen sollen. Dafür soll der Umbau so schnell wie möglich starten, als erstes müsse die Decke raus.

Renovierungsbedürftig ist übrigens auch die einstige Heisinger Gaststätte Zum Ruhrtal, bekannt als Haus Witte, das er kürzlich gekauft hat. Das rote Backsteinhaus, das ebenfalls an der Lanfermannfähre liegt, sei aber jetzt ein Wohngebäude, sagt Ayhan Gencaslan. Der alte Fährmann hingegen werde bald das erste Café Extrablatt an einem See in Deutschland sein.

>>REAKTIONEN AUF DEN NEUSTART IM EHEMALIGEN FÄHRMANN

Die Reaktionen auf die Nachricht, dass das Café Extrablatt auf die Gaststätte Fährmann in Heisingen folgt, sind in sozialen Netzwerken wie Facebook überwiegend positiv, nur vereinzelt gibt es Kritik wegen der Systemgastronomie oder wegen des befürchteten Verkehrs.

Auch die CDU Heisingen reagiert auf die Übernahme: „Wir freuen uns, dass sich mit dem Café Extrablatt schnell ein neuer Betreiber gefunden hat. Der Baldeneysee ist der Besuchermagnet im Essener Süden, so dass ein breites gastronomisches Angebot unbedingt notwendig ist“, sagt Fabian Schrumpf, Landtagsmitglied und Ortsvorsitzender der CDU Heisingen.

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