Zollverein

Butterzeit-Inhaber kassiert über 300.000 Euro von Zollverein

Die Stiftung Zollverein hat das Mietverhältnis mit dem Inhaber der Butterzeit (Halle 12) nach eigenen Angaben schon zum 1. Januar –  „in beiderseitigem Einverständnis“ – aufgelöst.

Die Stiftung Zollverein hat das Mietverhältnis mit dem Inhaber der Butterzeit (Halle 12) nach eigenen Angaben schon zum 1. Januar – „in beiderseitigem Einverständnis“ – aufgelöst.

Foto: Socrates Tassos

Essen.   Jahrelang stritten die Stiftung Zollverein und ein Gastronom um neue Abluftanlage für seine Pommes-Fritteuse. Stiftung gibt klein bei und zahlt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Jahrelang führten die Stiftung Zollverein und Norbert Brauckmann, der Inhaber des kleinen Gastrobetriebes „Butterzeit“, einen erbitterten Streit. Zwischenzeitlich war sogar das Landgericht Essen mit der Causa Butterzeit befasst. Nun ist die Fehde in aller Diskretion beigelegt worden. Doch in Wirklichkeit musste die Stiftung Zollverein dafür tief in die eigene Tasche greifen. Nach Informationen dieser Zeitung hat Norbert Brauckmann mehr als 300.000 Euro von der Stiftung kassiert: ein warmer Geldregen für ihn, eine schmerzhafte Niederlage für die Stiftung.

Immerhin macht die außergerichtliche Einigung für den Stiftung den Weg frei, um nicht nur eine bizarre Mietstreitigkeit zu beenden, sondern obendrein auch das aus ihrer Sicht unerquickliche Mietvertragsverhältnis endlich auflösen zu können.

„Über sämtliche Vertragsinhalte wurde Stillschweigen vereinbart“

Die Stiftung Zollverein gibt sich in dem pikanten Butterzeit-Streit äußerst bedeckt. Auf Anfrage teilte Stiftungssprecherin Delia Bösch in einer sehr knapp gefassten Pressemitteilung lediglich mit: „Herr Norbert Brauckmann hat seinen Betrieb ,Bistro Butterzeit’ auf dem Unesco-Welterbe Zollverein aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben. Das Mietverhältnis wurde in beiderseitigem Einvernehmen zum 1. Januar 2019 aufgelöst. Über sämtliche Vertragsinhalte wurde Stillschweigen vereinbart.“

Auch die Norbert Brauckmann Veranstaltungsmanagement GmbH schweigt zu den Modalitäten der für sie offenbar vorteilhaften Vertragsauflösung. „Kein Kommentar“, sagt Brauckmann dieser Zeitung.

Die Vorgeschichte: Schon seit November 2016 stritten die Brauckmann GmbH als Klägerin und die Stiftung als Beklagte vor Gericht. Nach Angaben von Landgerichtssprecher Johannes Hidding sei das Landgericht Essen in diesem Zivilstreit zuständig gewesen, weil der Streitwert höher als 5000 Euro gelegen habe. Es ging um Pommes, heißes Fett und den umstrittenen Einbau einer Abluftanlage.

Landgericht bemühte eigens einen Gutachter

Der Butterzeit-Inhaber habe von der Stiftung Zollverein verlangt, dass diese in seinem Lokal eine spezielle Abluftanlage einrichtet. Die bis dahin genutzte einfache Anlage sei nicht mehr zulässig gewesen. Doch die Stiftung lehnte dies ab. Überhaupt sei die durch Pommes Frites verursachte fetthaltige Abluft nicht erwünscht. Die Stiftung Zollverein wies deshalb darauf hin, dass der Mietvertrag lediglich eine so genannte Aufwärmküche dulde – nicht aber eine Küche mit Brutzelei.

In zwei Verhandlungen hat sich das Landgericht mit den verfeindeten Seiten über den Fall Butterzeit gebeugt, aber kein Ergebnis erzielt. Daraufhin habe die Kammer einen unabhängigen Baugutachter eingeschaltet, um in dem Fritten-Streit zu einem Ergebnis zu kommen.

Zwar legte der Gutachter bereits im August 2018 den geforderten Sachstandsbericht vor, doch zur dritten Gerichtsverhandlung kam es nicht mehr. Ganz offenkundig war das Gutachten unvorteilhaft für die Stiftung ausgefallen. Das Ende eines langwierigen Rechtsstreits kleidet Landgerichtssprecher Johannes Hidding in einen lapidaren Satz: „Die Parteien haben sich zwischenzeitlich geeinigt.“

>>> GASTRONOM UND EVENT-MANAGER

  • Der Unternehmer Norbert Brauckmann ist in der Essener Gastro- und Eventszene ein Begriff. Er war Pächter des Steeler Stadtgartens und der Evag-Gastronomie am Baldeneysee, den Essener Presseball veranstaltete er bis zum bitteren Ende.
  • Er genießt einen zwiespältigen Ruf. Mit seinen Geschäften habe er so manches Mal Schiffbruch erlitten, sagen die einen. Andere halten ihn für einen „Prozesshansel“.
Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben