Kirche

Bistum Essen sieht sich an der Spitze von Reformprozessen

Das Essener Münster in der Innenstadt – ist das Bistum ein Vorreiter?

Das Essener Münster in der Innenstadt – ist das Bistum ein Vorreiter?

Foto: Socrates Tassos / FFS

Essen.  Das Bistum Essen zeige mit seinen Projekten auf, wie die Kirche auf den Wandel der Zeit reagieren kann. Ein Punkt ist dabei die Rolle von Frauen.

„Die Projekte und Debatten des Bistums Essen sind viel weiter als das, was auf dem synodalen Weg verhandelt wird“, sagt Bistum-Sprecher Ulrich Lota. Der synodale Weg der katholischen Kirche ist ein Reformprozess, der am 1. Dezember 2019 gestartet ist. Er ist ein Gesprächsformat, das eine strukturierte Debatte ermöglichen soll. Zentrale Themen sind: die Position der Frau in der Kirche, die kirchliche Sexualmoral, der Umgang mit Macht und die verpflichtende Ehelosigkeit der Priester.

Laut Lota hat das Bistum Essen in den vergangen Monaten und Jahren bereits Lösungen auf viele Fragen gefunden, die als Anschauungsmaterial für die Debatten des synodalen Wegs dienen können. „Man sagt uns ja nach, dass wir vom Diskussionsstand hier viel weiter sind. Und das bringen wir als Erfahrungsschatz in den synodalen Weg mit ein.“

„Wir segnen alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist“

Über konkrete Auswirkungen der Debatten auf das Leben im Bistum könne man bis jetzt nichts sagen, so Lota. Aus dem Bistum Essen nehmen fünf Geistliche an dem Prozess teil, insgesamt besteht die Synodalversammlung aus 230 Personen.

Eine strittige Frage innerhalb der Kirche ist, ob homosexuelle Paare gesegnet werden dürfen. „In Essener Gemeinden kommt das vor“, sagt Lota. Das sei zwar auch hier noch umstritten, auf große Ablehnung stoße das aber in vielen anderen Ländern. „Daher ist wichtig, dass wir als katholische Weltkirche eine gemeinsame Lösung finden.“ Das Bistum Essen, das in dem Bereich schon Erfahrung habe, könne den synodalen Weg bereichern.

Bistum Essen zeigt dem synodalen Weg, wie man mit Priestermangel umgehen kann

Seit der Gründung des Bistums 1958 gibt es etwa 50 Prozent weniger Katholiken, viele Pfarreien mussten schließen, und immer weniger Menschen werden zum Priester geweiht. „Dieses Jahr gab es nur eine Priesterweihe, früher waren es mal 20“, sagt Lota. „Wir müssen uns auf eine andere Zeit einstellen.“

Die finanziellen Mittel seien beschränkt. Um mit diesen Schwund zurechtzukommen, arbeiten im Bistum mehr Laien. Sie kämen unter anderem bei Beerdigungen zum Einsatz. Gerade Frauen hielten die Gemeinden im Wesentlichen zusammen. „Wir können auf dem synodalen Weg dafür werben, dass sich solche Veränderungen lohnen.“

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