Baum ab? Ja bitte!

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Über viele Jahre durfte der städtische Wald weitgehend ungestört wachsen. So geht es nicht weiter, sagt Experte Prof. Volker Dubbel und rät im WAZ-Interview zu gezielten Fällungen. ...

... Sein Konzept sei auch Klimawandel-tauglich Vor gut einem Jahr beauftragte Grün und Gruga Prof. Dr. Volker Dubbel von der FH Göttingen mit der Entwicklung eines neuen Konzeptes für die Bewirtschaftung der Essener Wälder. WAZ-Volontär Christian Duyf sprach mit dem 51-Jährigen über seine Vorschläge.Statt "Baum ab, nein danke" fordern Sie ein "Baum ab, ja bitte". Warum sind mehr Baumfällungen als bisher notwendig? DIE ZUKUNFT DES ESSENER WALDESDubbel: In den vergangenen Jahren gab es in Essens Wäldern lediglich ein Konzept des Abwartens. Man hat einen Naturwald wachsen lassen, dabei aber nicht berücksichtigt, dass solche Wälder in eine Zusammenbruchphase kommen. Wenn es so weiterginge, würden zwei Dinge passieren: Zum einen gäbe es eine Reduzuierung der Artenvielfalt, denn von Natur aus haben wir hier dichte Buchenwälder, die am Boden Lichtarmut erzeugen und andere Arten verdrängen. Zum anderen würden sehr viele Bäume unkontrolliert zusammenbrechen, da sie sich durch das dichte Zusammenstehen gegenseitig schwächen. Dann bliebe nur noch, Waldwege für die Öffentlichkeit zu sperren.

Was wollen Sie stattdessen?

Dubbel: Ein Dauerwald-Konzept, bei dem wir pro Hektar ca. 50 Bäume auswählen, die wir regelmäßig pflegen, während wir Bedränger entfernen. Dies hätte zur Folge, dass wir auch am Boden mehr Licht haben und dort sowie auf mittlerer Höhe viele verschiedene Arten leben können.

Was sind die Nachteile dieses Konzeptes?

Dubbel: Ich kenne nur einen: Statt etwa alle zehn Jahre muss man ca. alle drei Jahre zur Pflege in den Wald. Da der Holzertrag steigt, führt das aber zu keiner Kostensteigerung.

Das Klima in NRW ist wärmer und feuchter geworden. Wie es weiter geht, ist ungewiss. Wie lässt sich entscheiden, welche Baumarten für die Zukunft die richtigen sind?

Dubbel: Wir haben Glück: Die Buche, die zurzeit dominiert ist, wäre auch bei wärmerem Klima der Baum Nummer eins in Essen. An Stellen, die auf Grund der Bodenbeschaffenheit besonders feucht oder besonders trocken sind, werden wir Eichen fördern. Auch sie kann sich an wärmeres Klima anpassen.

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