Kopftuch am Arbeitsplatz

Essener Großunternehmen tolerieren das islamische Kopftuch

Die stichprobenartige Umfrage bei Essener Arbeitgebern zeigt: Probleme mit dem islamischen Kopftuch hat keiner der Befragten. Unser Symbolbild zeigt eine muslimische Mitarbeiterin der Deutschen Post. 

Die stichprobenartige Umfrage bei Essener Arbeitgebern zeigt: Probleme mit dem islamischen Kopftuch hat keiner der Befragten. Unser Symbolbild zeigt eine muslimische Mitarbeiterin der Deutschen Post. 

Foto: dpa

Essen.   Laut Umfrage stellen Essener Arbeitgeber es Mitarbeiterinnen frei, ein Kopftuch zu tragen. Regeln gibt es nur aus technisch-hygienischen Gründen.

Immer mehr muslimische Frauen in Essen tragen Kopftuch – auch eine Folge des massiven Zustroms von Flüchtlingen aus Ländern wie Syrien und Irak in der jüngsten Vergangenheit. Für sie mag das Kopftuch religiöse Pflichterfüllung sein. Doch längst nicht jeder Arbeitgeber erlaubt das Tragen des Schleiers. Wie konflikt- und emotionsgeladen das Thema sein kann, zeigt der vor kurzem eskalierte Streit in einer Essener Apotheke. Die stichprobenartige Umfrage bei Essener Arbeitgebern zeigt hingegen: Keiner der Befragten will ein Problem damit haben.

Thyssenkrupp: „Kopftuch, Kippa und Kreuz“

Der Technologiekonzern Thyssenkrupp versteht sich als ein Arbeitgeber, der für Offenheit und Toleranz steht: „Ob Kopftuch, Kippa oder Kreuz: In unserem Unternehmen ist jede Religion zu Hause. Wir haben keine ausdrücklichen Regeln zum Kopftuch am Arbeitsplatz, bisher auch keine Konflikte.“

Es gehöre zur Unternehmenskultur, Diskriminierung zu unterbinden und eine Kultur der Vielfalt und der gegenseitigen Achtung zu fördern, sagt ein Sprecher, der zugleich auf eine Ausnahme hinweist: „Nur wenn jemand an Maschinen arbeitet, endet unsere Offenheit bei unseren Vorschriften zu Arbeitssicherheit und Bekleidung.“

Ikea: „Gesicht sollte unterm Kopftuch erkennbar sein“

Auch der schwedische Möbelriese Ikea setzt auf Vielfalt am Arbeitsplatz und unterscheidet nicht nach Herkunft, sozialer Schicht, Glaubensrichtung, sexueller Identität seiner Mitarbeiter. „In unserem Einrichtungshaus in Essen haben wir zurzeit eine Kollegin, die Kopftuch trägt“, sagt eine Unternehmenssprecherin. Grundsätzlich gebe es keine Einschränkung zu möglichen Einsatzbereichen. „Selbstverständlich bilden wir auch junge Frauen, die Kopftuch tragen, aus“, fügt die Sprecherin hinzu. Probleme mit Kundenwünschen gebe es nicht. „Negative Erfahrungen mit Kunden haben wir deshalb nicht gemacht, im Gegenteil: Wir erhalten oft positives Feedback.“ Ikea verlangt von Frauen mit Kopftuch lediglich, dass das Gesicht sichtbar bleibt. „Im Rahmen unserer offiziellen Firmenkleidung stellen wir bei Bedarf auch ein Kopftuch zur Verfügung.“

Universitätsklinikum stellt Mitarbeiterinnen das Tuch

Das Universitätsklinikum (6300 Mitarbeiter) stellt muslimischen Mitarbeiterinnen frei, ob sie mit oder ohne Kopftuch zur Arbeit erscheinen. Der Leiter der Abteilung Kommunikation, Thorsten Schabelon: „Die Frauen arbeiten in allen Bereichen – als Pflegekraft oder Ärztin, als Reinigungskraft oder Büroangestellte.“ Weil das Klinikum Hygiene groß schreibt, werden die Kopftücher im medizinischen Bereich gestellt und ähnlich wie andere Funktionskleidung vom eigenen Hause gewaschen. Frauen in der Verwaltung tragen eigene Kopftücher.

„Kein Problem mit dem Kopftuch“, sagt Klaus Peter, Inhaber der gleichnamigen Großbäckerei, und fügt hinzu: „Im Geschäft sollte das Tuch der Verkäuferin unsere Firmenfarbe Orange haben.“

Knapp fällt die Antwort der Universität Duisburg-Essen aus. „Hier gibt es keine Vorschrift, die den Hochschulangehörigen das Tragen von Kopfbedeckungen verbietet“, sagt Unisprecherin Beate Kostka.

Rathaus: Zahl der Frauen mit Kopftuch ist nicht erfasst

Ähnlich verfährt die Stadtverwaltung Essen. „Ob und wie viele der Mitarbeiterinnen der Stadt Essen ein Kopftuch tragen, wird nicht erfasst und kann damit nicht quantifiziert werden. Dies trifft auch auf die Anzahl der Bewerberinnen zu“, sagt eine Sprecherin. Eine Dienstanweisung, die Regeln oder Vorschriften enthalte, existiere ebenfalls nicht. Falls nötig, würden Einzelfallentscheidungen getroffen. „Strittige Fälle sind uns nicht bekannt.“

Die Sparkasse Essen ist mit dem Thema Kopftuch bislang noch nicht konfrontiert worden, sagt Sprecher Volker Schleede. Grundsätzlich orientierte sich das Personal der Sparkasse Essen „an der für alle Mitarbeitenden verbindlichen Kleiderordnung, in der Kopfbedeckungen nicht vorgesehen sind“.

>>> KOPFTUCHSTREIT IN APOTHEKE ESKALIERT

Im vergangenen Monat ist in einer Essener Apotheke ein Kopftuchstreit eskaliert. Eine Apothekerin hatte einer 15-jährigen Realschülerin zunächst das Praktikum zugesagt, doch später beim Unterschreiben der Bestätigung darum gebeten, das Kopftuch während der Arbeitszeit abzulegen. Die Schülerin weigerte sich.

Ihr Vater soll die Apothekerin daraufhin als „Rassistin“ bezeichnet haben. Die Inhaberin fühlte sich von dem Mann, der Vorsitzender des schiitischen Islamvereins „Alis Weg“ ist und eine politische Kampagne („Mein Kopftuch – meine Freiheit“) führt, „beschimpft, beleidigt und bedroht“.

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