Theaterprojekt

Auf der Bühne lernen arbeitssuchende Jugendliche fürs Leben

Gemeinsam sind wir stark. Auf der Bühne und im Leben. Das signalisieren die jungen Erwachsenen eindrucksvoll, die am Mittwoch im Katakomben-Theater ihr Stück „Märchenhaft“ aufführen.

Gemeinsam sind wir stark. Auf der Bühne und im Leben. Das signalisieren die jungen Erwachsenen eindrucksvoll, die am Mittwoch im Katakomben-Theater ihr Stück „Märchenhaft“ aufführen.

Foto: Socrates Tassos

Essen-Rüttenscheid.   Arbeitssuchende Jugendliche trainieren bei einem Theaterprojekt des Jobcenters Selbstbewusstsein und Auftreten. Premiere im Katakomben-Theater.

Sie sind Rapunzel, die Böse Fee und der Scherenschleifer, geben den Metzger, ziehen den Arztkittel über oder stehen als Sicherheitsleute am Rand – die jungen Erwachsenen, die gerade auf der Bühne des Katakomben-Theaters proben, haben sichtlich Spaß an der Verwandlung. Dabei sind sie keine Schauspieler, sondern Teilnehmer eines Integrationsprojektes: In Kooperation mit dem Jobcenter und unter der Leitung einer Theaterpädagogin haben insgesamt 17 junge Leute gemeinsam ein Thema recherchiert, das Bühnenbild und die Kostüme gestaltet. „Märchenhaft“ nennen sie ihr Stück, das am kommenden Mittwoch Premiere feiert.

„Sinn und Zweck des Projektes ist, dass die Teilnehmer Mut und Selbstvertrauen sammeln, aktiver werden und sich mit ihren Lebensperspektiven auseinandersetzen“, erklärt Jobcoach Orun De. Gemeinsam mit der Regisseurin und Theaterpädagogin Katja Blaszkiewitz arbeitet er bereits seit vergangenem September mit den jungen Essenern, die allesamt auf der Suche nach einem Ausbildungs-, Studien oder Arbeitsplatz sind.

Kreativität zählt hier mehr als stereotype Lebensläufe

Ihre Methoden sind dabei eher ungewöhnlich: Statt klassischem Bewerbungstraining gibt es eine Schreibwerkstatt, wird Teamarbeit groß geschrieben. Es wird nicht am Computer, sondern mit Stimme und Körper gearbeitet. Kreativität zählt hier mehr als stereotype Lebensläufe. „Dazu stärkt die Theaterarbeit die für die Bewerbung relevanten Fähigkeiten wie Konzentration, Motorik, Ausdruck“, ergänzt Katja Blaszkiewitz.

Genau das hat Stefanie Richter erlebt: Die 24-Jährige hätte sich anfänglich nicht vorstellen können, einmal auf der Bühne zu stehen und vor Publikum zu sprechen. „Doch nun bin ich total begeistert. Ich habe plötzlich ganz neue Seiten an mir kennengelernt, habe gemerkt, wieviel in mir steckt.“ Geholfen hätte auch der Teamgeist. „Von Beginn an ist man mir trotz meines Gewichtes ohne Vorurteile begegnet. Wir sind als Gruppe ganz schnell zusammengewachsen.“

Etwas zu finden, was sie glücklich macht

Eine Erfahrung, die auch Peter Ekemba teilt: Der junge Deutsche ist in England groß geworden, will aber sein berufliches Glück in Essen suchen. Am liebsten bei einem Schauspielstudium. Währenddessen träumt Adam Coupland von einer Ausbildung zum Bild- oder Toningenieur.

Ihre ganz unterschiedlichen Berufswünsche münden doch alle im gleichen Ziel: etwas zu finden, was ihren Fähigkeiten entspricht und sie glücklich macht. Das versuchen die 17 jungen Erwachsenen auch in ihrem Stück auszudrücken. Es handelt, in Anlehnung an die Märchen Dornröschen und Hans im Glück, von der Überwindung der Passivität und dem Erlangen der Freiheit.

Ein schönes, ein passendes Bild.

>> „Märchenhaft“ wirdnur einmal aufgeführt

Das Stück wird nur einmal aufgeführt: am Mittwoch, 28. Februar, um 19.30 Uhr im Katakomben-Theater, Girardet-straße 2. Der Eintritt ist frei.

Die Teilnehmer haben „Set-Cards“ mit persönlichen Infos über sich gestaltet. Die liegen im Theater aus. Damit möchten sie potenzielle Arbeitgeber ansprechen.

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