Es rummst gewaltig. Zurück bleibt ein demoliertes Lastenrad und ein Körper mit unnatürlich verdrehten Beinen. Auf drastische Weise wurde Zuschauern am Dienstag auf dem Verkehrsübungsplatz an der Hubertstraße in Essen-Frillendorf vor Augen geführt, was geschieht, wenn ein Auto ungebremst mit einem Lastenfahrrad zusammenstößt. Zum Glück handelte es sich bei dem verunglückten Fahrradfahrer um einen Dummy, denn ein Sturzhelm hätte sein Leben wohl nicht gerettet, während der Pkw mit ein paar Schrammen davonkam.
Noch sind es Exoten im Straßenverkehr, aber es werden immer mehr. Ihre Zahl dürfte also zunehmen. Denn mit einem Lastenrad kann man seine Einkäufe transportieren und die Kinder zur Kita bringen. Und weil ein Lastenrad ein Auto ersetzen kann, macht die Stadt Essen einem die Anschaffung mit einem finanziellen Zuschuss schmackhaft. Anlass genug für die Landesverkehrswacht, um gemeinsam mit der Dekra und der Provinzial Versicherung auf die Gefahren beim Fahren mit einem Lastenrad aufmerksam zu machen.
Die Zahl der Fahrradunfälle ist während der Corona-Zeit gestiegen
Und auch das ist ein Grund: Während der Corona-Zeit hat die Zahl an Fahrradunfällen insgesamt deutlich zugenommen. Versicherungen machen dies an den gemeldeten Haftpflichtschadensfällen fest. Martin Creutz von der Provinzial spricht von einem Plus von 10 bis 15 Prozent.
Bernd Schüßler fährt ein Lastenfahrrad. „Man muss sich erst daran gewöhnen“, berichtet der passionierte Radfahrer. Das Vorderrad sei nicht nur kleiner als das eines herkömmlichen Fahrrads, es wird durch die Transportbox verdeckt, so dass man es vom Lenker aus nicht sehen kann. Und der Wendekreis ist natürlich größer.
Das Bremsverhalten ist vergleichbar mit dem eines Pkw: Es kommt schnell zum Stehen
Bernd Schüßler weiß inzwischen damit umzugehen. 2000 Kilometer hat er mit seinem Lastenrad zurückgelegt. Unwohl fühle er sich nur, wenn er eine breite Straße überquert und auf einer Mittelinsel stoppen muss. Denn die seien häufig zu schmal, so dass Vorderrad und Transportbox auf die Fahrbahn ragen. Was dann passieren kann, hat der Crash-Test sehr anschaulich gezeigt.
Anschauungsunterricht gibt auch David Kwarteng. Der angehende Maschinenbau-Ingenieur hat seine Bachelorarbeit über Lastenräder geschrieben und dabei deren Bremsverhalten untersucht. „Man kann vorne und hinten voll durchziehen“, sagt Kwarteng über Vorder- und Hinterradbremse. Das Bremsverhalten sei vergleichbar mit dem eines Pkw. Soll heißen: Es kommt schnell zum Stehen. Und anders als bei einem herkömmlichen Fahrrad müsse man nicht befürchten, dass das Hinterrad bei einer Vollbremsung abhebt. Das Lastenrad bleibe stabil.
Zu Demonstrationszwecken beschleunigt er sein von einem Elektro-Motor angetriebenes Lastenrad auf 20 km/h und bremst dann abrupt ab. Der Dummy, den er in der Lastenbox transportiert, schleudert nach vorne und schlägt mit dem Kopf auf der Fahrbahn auf. Auch in diesem Fall wäre der Schutzhelm wohl keine Lebensversicherung. Personen sollten nur mitfahren, wenn sie angeschnallt sind, lautet die Botschaft. Auch Einkaufstaschen oder Wasserkästen seien beim Transport unbedingt zu sichern.
Der Dummy stützt bei der Vollbremsung auf die Fahrbahn
Dass Lastenräder auch für Fußgänger gefährlich werden können, wenn die Person am Lenker nicht damit umzugehen weiß, ging bei den Praxistests auf dem Verkehrsübungsplatz leider unter. Ein voll beladenes Lastenfahrrad kommt auf ein Gesamtgewicht von 200 Kilogramm, Schwerlasträder liegen sogar weit darüber. Ein solches Gewicht will beherrscht werden.
David Kwarteng empfiehlt, der zu transportierenden Last unbedingt „Gleichwertiges entgegenzusetzen“. Soll heißen: Mit einem beladenen Lastenrad fährt es sich leichter und auch sicherer, „wenn der Fahrer nicht 60 Kilo wiegt, sondern 100“.
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Was Einsteiger beim Lastenradfahren sonst noch beachten sollten, darüber informieren Verkehrswacht, Dekra und Provinzial im Internet (lvwnrw.de) und mit einer gemeinsamen Social Media-Kampagne unter dem Hashtag #lastenradnrw.
Was passiert bei Unfällen mit Lastenrädern
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