Tatort Ruhrufer: Wegen eines illegalen Kahlschlags in Essen-Kettwig hat die Bezirksregierung Düsseldorf jetzt bei der Polizei Essen Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Mögliche Zeugen werden gebeten, sich bei der Polizei zu melden.

Umweltdelikte gibt es immer wieder, aber dieses hat ungewöhnliche Ausmaße: Auf einer Länge von rund 200 Metern haben Unbekannte am rechten Ruhrufer sämtliche Gehölze und Bäume entfernt oder unfachmännisch abgesägt, teilt der Regierungspräsident mit.

Bezirksregierung: "In dieser Größenordnung haben wir das an der Ruhr bisher nicht erlebt"

An Ort und Stelle erwartet den Spaziergänger ein verstörender Anblick: Die Abholzungen reichen vom Leinpfad unterhalb des Kettwiger Stauwehrs Richtung Mülheim-Mintard bis kurz vor dem Anstieg zum Münzenbergerplatz. Sämtliche Gehölze bis hin zur Armdicke wurden auf gute einen Meter Höhe abgesägt und die Äste am Ruhrufer liegen gelassen. Einzig größere Bäume blieben stehen, deren Äste wurden zum Teil jedoch unfachmännisch gekappt. Zahlreiche Äste hängen teilweise noch im Wasser. Eine Straßenabsperrung wurde am Hang liegen gelassen.

„In dieser Größenordnung haben wir das an der Ruhr bisher nicht erlebt“, sagt Dagmar Groß von der Bezirksregierung Düsseldorf.

Die Bezirksregierung als Eigentümerin ist für die Gewässerunterhaltung und naturnahe Entwicklung des Gewässers und der Ufer zuständig. So haben die Mitarbeiter zum Beispiel 2019 zur Umsetzung der Ziele der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) ganz in der Nähe am linken Ufer das Biotop „Mintarder Aue“ angelegt, dazu die Ruhr und Aue ökologisch umgestaltet. Ziel der Wasserrahmenrichtlinie ist unter anderem „… die Erhaltung der Ufer, insbesondere durch Erhaltung und Neuanpflanzung einer standortgerechten Ufervegetation“.

So sei das Ziel in dem Kahlschlag-Abschnitt die Erhaltung des Bestandes. Gehölzschnitte fänden gemäß dieser Vorgabe nur durch die Bezirksregierung und in der Regel nur zur Verkehrssicherung statt. Entsprechend gefährde die massive Zerstörung die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in diesem ökologisch-sensiblen Bereich der Ruhr.

Deshalb habe sich die Bezirksregierung Düsseldorf entschlossen, Anzeige zu erstatten.