Essen. . Wenn es um offene Wunden geht, kümmert sich das Krupp-Krankenhaus Essen um schwere Fälle. Gerade ist ein Mann vor der Amputation bewahrt worden.

Spitzentanz würde Hans-Jürgen Platte nicht mehr ausprobieren können. Dafür hat sein Fuß zu viel mitgemacht. Auf die Zehenspitzen schafft er es nicht mehr. Aber das kann der 76-Jährige verschmerzen. Er hatte es ohnehin nicht vor. Das Wichtigste ist für ihn diese Nachricht: Sein Unterschenkel konnte gerettet werden. Deshalb kann der Rentner trotz des Isolationszimmers, einer strengen Bettruhe und der Aussicht, noch längere Zeit im Krankenhaus bleiben zu müssen, lachen und das Leben genießen. Seit vier Jahren hat Platte Probleme mit einer Wunde an der Ferse.

Die Leidensgeschichte begann mit einer Blase am Fuß

„Offenbar hat seine Leidensgeschichte mit einer Blase angefangen, die von zu engen Schuhen kam“, sagt Irini Leifeld, Oberärztin der Klinik für Plastische Chirurgie im Alfried-Krupp-Krankenhaus. Vier Jahre hat sich der Patient mit der offenen Stelle herumgequält. Die Wunde wollte nicht zuwachsen. Sie wurde sogar größer. Als der Mann nun ins Krupp-Krankenhaus kam, bangte er um den ganzen Oberschenkel.

Chronische Wunden können bis hin zu einer Amputation führen“, sagt Ärztin Irini Leifeld. Ihre Klinik ist auf solche schweren Fälle spezialisiert. Patienten kommen von weiter her, gerade ist jemand aus Hamburg aufgenommen worden. Hans-Jürgen Platte kommt aus Dortmund und ist dort lange behandelt worden, ohne Erfolg. „Am Anfang war die Wunde drei Zentimeter groß, am Ende 13“, sagt der Rentner. Es habe sogar Knochen freigelegen.

Am Krupp-Krankenhaus legen sie einen Schwerpunkt auf die Wundversorgung. „Viele wissen gar nicht, dass wir uns in der Plastischen Chirurgie um die Wiederherstellung kümmern. Oft werden wir nur mit Nasenkorrekturen und Eingriffen an den Brüsten in Verbindung gebracht“, sagt die Oberärztin. Dabei ist die Klinik jetzt wiederholt mit dem Wundsiegel der Initiative Chronische Wunden ausgezeichnet worden.

In den Krupp-Krankenhäusern gibt es ein spezielles Wundteam

In vielen anderen Häusern werde eine Pflegerin zur Wundexpertin ausgebildet, bei Krupp seien es acht in Steele und noch einmal fünf bis sechs in dem Rüttenscheider Haus. Von einem ganzen „Wundteam“ sprechen sie hier.

Die Ursachen für offene Stellen am Körper, die nicht mehr verheilen wollen, seien ganz verschieden, erzählt Irini Leifeld. Ein Diabetes beispielsweise kann das Heilen verhindern, es kann aber auch sein, dass sich ein Patient in einer blöden Situation im Alltag verletzt – Stichwort: scharfe Bettkante – und sich die Wunde entzündet. „Sobald ein Infekt auftritt, besteht eine Gefahr für Leib und Leben. Es kann eine Blutvergiftung entstehen, die vor allem geschwächten und älteren Patienten zu schaffen macht.“

Im Falle von Hans-Jürgen Platte war es so, dass der 76-Jährige am Ende wegen der wachsenden Wunde kaum noch laufen konnte. Im Krankenhaus haben ihm die Ärzte ein Gewebestück aus dem Oberschenkel entnommen und an die wunde Stelle an Fuß und Unterschenkel verpflanzt. „Für uns Plastische Chirurgen hält der menschliche Körper ein kleines Ersatzteillager bereit“, sagt die Oberärztin. Sie lächelt. Patient Platte lächelt auch. Zwar ist sein linker Fuß dick verbunden und darf noch nicht belastet werden, weil sich das Gewebestück erst an seinen neuen Einsatzort gewöhnen soll, aber das Ziel ist eindeutig. Die Ärztin formuliert es so: „Herr Platte soll wieder normal laufen und ein selbstständiges Leben führen können.“