Essen. . Die Familie habe laut Stadt Essen keinen Willen zur Integration gezeigt. Eine Schulleiterin zeichnet hingegen ein positives Bild von Mutter und Kindern.

Die drohende Abschiebung der Roma-Familie Maqani aus Altendorf bewegt weiter die Gemüter. Die 45-jährige Mirie Maqani und ihre fünf minderjährigen Kinder waren am Mittwoch von Polizeibeamten und Mitarbeitern der Ausländerbehörde aus ihrer Wohnung an der Kopernikusstraße geholt und in ein Flugzeug in Richtung Kosovo gesetzt worden. Nach einer Stunde kehrte die Maschine um. Der Grund: technische Probleme, berichtet Grünen-Ratsherr Ahmad Omeirat, der sich des Falls angenommen hat.

Christian Kromberg, städtischer Ordnungsdezernent, rechtfertigte im Gespräch mit der Redaktion das Vorgehen der Behörden. Die Familie habe keine Aussicht auf Asyl. Mirie Maqani sei mehrfach aufgefordert worden, freiwillig auszureisen. Die Abschiebung sei rechtens.

Nach Angaben der Stadt hat die Härtefallkommission bereits 2017 erklärt, dass keine Empfehlung für einen Verbleib abgegeben werden könne. „Meiner Erklärung nach, waren die Integrationsbemühungen nicht ausreichend“, so Kromberg. Als Beleg führt die Verwaltung unter anderem eine abgebrochene Integrationsmaßnahme der Mutter an sowie mangelnde schulische Leistungen und hohe Fehlzeiten der Kinder.

„Die Integrationsbemühungen waren nicht ausreichend“

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Mirie Maqani war nach Angaben der Stadt 1992 nach Deutschland eingereist. Seitdem lebe die Familie von Transferleistungen. Mehrere Versuche, ein Bleiberecht vor Gericht zu erwirken, blieben erfolglos. Eine Verlängerung des Aufenthalttitels lehnte die Stadt ab: Mirie Maqani sei nicht in der Lage ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Die 45-Jährige ist Analphabetin, hat acht Kinder groß gezogen. Die Stadt betont, eine Aufenthaltserlaubnis sei zunächst erteilt worden, weil die Mutter erklärt habe, sie sei alleinerziehend. Der Vater habe dann aber ausgesagt, er kümmere sich regelmäßig um die Kinder. Das war 2011.

Hannelore Herz-Höhnke, Leiterin der Bodelschwinghschule in Altendorf, zeichnet von der Familie ein völlig anderes Bild als die Behörden. Die Schulleiterin kennt die Kinder, sie habe die Familie mehrfach besucht und sei sehr offen aufgenommen. Die Mutter, die selbst keine Bildung genossen habe, habe sich um ihre Kinder gekümmert. Diese seien stets lernwillig gewesen, seien immer gepflegt zum Unterricht erschienen und nie auffällig gewesen. „Soziale Kompetenz, Schule, alles hat wunderbar geklappt“, so die Schulleiterin. Ja, einige Lernprobleme habe es gegeben. Herz-Höhnke spricht vom „ganz normalen Grundschulprogramm“. Von hohen Fehlzeiten könne jedenfalls keine Rede sein. Wenn die Kinder wegen Krankheit gefehlt hätten, dann nie, ohne dass ihre Mutter sie entschuldigt hätte. „Die Kinder waren willig, hatten aber immer Angst um ihre Mutter“, berichtet die Schuldirektorin.

Auch rund um die Kopernikusstraße ist der Fall Gesprächsthema. Das Umfeld der Christuskirche hat sich augenscheinlich durch den Zuzug von Roma zu einem sozialen Brennpunkt entwickelt. Eine Anwohnerin, die anonym bleiben will, berichtet vom Autohandel auf der Straße, von Müll und Ruhestörungen. Ein anderer Nachbar berichtet von Belästigungen durch Grillen und freilaufende Hühner im Garten. Mit den Maqanis gebe es seit Jahren immer wieder Ärger. „Ich schlage drei Kreuze, wenn die weg sind.“

Klagen aus der Nachbarschaft

Doris Eisenmenger, stellvertretende Bezirksbürgermeisterin und Fraktionssprecherin der Grünen, bestätigt, dass Roma der Nachbarschaft Probleme bereiten, will dies aber nicht konkret der Familie zuordnen. Ein Treffpunkt, vor allem für Männer, sei der Christuskirchplatz. „Sie benehmen sich sehr schlecht“, sagt Doris Eisenmenger, stellt aber auch die Frage, ob die Abschiebung einer Mutter mit fünf minderjährigen Kindern die Lösung des Problems sei.

Mirie Maqani und ihre Kinder waren zunächst in eine Unterkunft nach Mönchengladbach gebracht worden. Inzwischen sollen sie bei Bekannten untergekommen sein.