Gebräunte Muskelpakete, die in Fitnessstudios laut stöhnend ihre Eisen stemmen. Das kann Bodybuilding sein. Aber der Kraftsport hat auch eine andere Seite: „Beim Bodybuilding geht es nicht nur um den Aufbau von möglichst viel Muskelmasse, sondern vor allem um die ästhetische Präsentation der Muskeln auf der Bühne“, sagt Julia Victoria Schmieja. Die 30-Jährige veranstaltete am Sonntag im Bürgerzentrum Villa Rü einen „Posing-Workshop“. Dabei wurden nicht nur die Muskeln angespannt, sondern auch der Kopf benutzt.
„Bodybuilding ist wie Eiskunstlauf. Erst muss man Pirouetten lernen, um sie dann bei einer Kür auf dem Eis zu präsentieren“, erklärt Schmieja den Teilnehmern zu Beginn des Workshops. Sie ist selbst zwar erst seit zwei Jahren dabei, stand aber inzwischen schon bei drei Meisterschaften auf der Bühne. Daneben entwickelte sie in Zusammenarbeit mit ihrem Fitnesstrainer Andreas Kirsch ihre eigene Marke für Kleidung und Schmuck, „Lean Machine Bodyworks“ – grob übersetzt: die magere Maschine. Ihre Erfahrung in Sachen Wettkampftraining und Ernährung gibt sie gerne weiter.
Bikinis und hohe Schuhe im Ballettraum
Vor dem Muskelspiel wird’s in der Villa Rü theoretisch. Bei Wettkämpfen müssen Bodybuilder auf der Bühne vier unterschiedliche Posen präsentieren, erklärt Schmieja. Sie erzählt vom Doppelbizeps auf der Vorder- und Rückseite, von Brust- und Trizepsposen. Während Andreas Kirsch die Unterschiede zeigt, führen Julia Victoria Schmieja und Ex-Bodybuilder Claas Packmor die Posen vor. „Wer als Bodybuilder die Bühne betritt, muss eine Ausstrahlung haben. Die Jury bewertet nicht nach Muskelmasse, sondern nach dem ästhetischen Gesamteindruck“, erklärt Kirsch. Schmieja hat zu Beginn ihrer Karriere mehr als 800 Stunden damit verbracht, die Posen perfekt einzuüben.
Jetzt ist der Nachwuchs dran, der sich in der Villa Rü Tipps für den nächsten Wettkampf abholt. Nach dem theoretischen Teil hüpfen die Teilnehmerinnen aus Jogginghosen und Turnschuhen, um sich vor dem großen Spiegel im Ballettraum des Bürgerzentrums in Bikinis und hohen Schuhen zu präsentieren. Üben, üben, üben. Die drei Trainer zupfen hier und schieben dort. Tanja Hoog hört aufmerksam zu und zeigt sich begeistert: „Ich hatte bisher immer Probleme, meine Rückenmuskulatur richtig in Szene zu setzen“, erzählt sie. „Jetzt weiß ich, worauf ich achten muss und kann zu Hause weiter üben.“ Es müssen ja nicht gleich 800 Stunden sein. Und Anfang März steht schon der nächste „Posing-Workshop“ in der Villa Rü auf dem Programm.


