Essen. . Eine Diskussionsrunde in der Kreuzeskirche widmete sich der Grünplanung in der Grünen Hauptstadt. Der Tenor: Grün ist in Essen Teil der Kultur.

Essen ist Grüne Hauptstadt Europas. Das klingt paradox. Eben deshalb lohnt es sich darüber nachzudenken. Was soll das Ganze? An Antworten auf diese Frage versuchte sich eine Diskussionsrunde am Donnerstagabend vor rund 200 Zuhörern in der Kreuzeskirche.

Essen hat viel zu sagen zum Thema Grün. Vielleicht mehr als jede andere Stadt. Grünplanung hat in Essen Tradition, oder wie es Theo Grütter, der Leiter des Ruhrmuseums, formulierte: „Grün ist Teil der Kultur.“

Robert Schmidt plante vor 100 Jahren Grünzüge

Vor 100 Jahren plante Robert Schmidt jene Grünzüge, die das Stadtbild bis heute prägen. Der spätere Siedlungsdirektor des RVR tat dies in dem Bewusstsein, dass die Menschen in dieser von Kohle- und Stahlindustrie geschundenen Stadt sprichwörtlich Luft zum Atmen brauchten.

Rund 200 Zuhörer verfolgten die Diskussionsrunde in der Kreuzeskirche.
Rund 200 Zuhörer verfolgten die Diskussionsrunde in der Kreuzeskirche. © Socrates Tassos

Späterer Planergenerationen knüpften daran an, mit der Begrünung des Essener Nordens, der „Grünen 14“, in den 1980er Jahren, und Karl Ganser mit dem IBA-Emscherpark. Auch Essens „Neue Wege zum Wasser“ und die Renaturierung des Emschersystems stehen in dieser Tradition.

„Wir sind in der Lage zu reparieren“, formulierte Theo Grütter. Wenn dafür Bäume gefällt werden, weil neue Abwasserkanäle gebaut werden müssen, sei das kein Widerspruch.

Was sagt uns das? Essen kann Grünplanung. Die Freiräume, die sich in Form von Industriebrachen bieten, seien eine Riesenchance, ist Grütter überzeugt. Essen und das Ruhrgebiet hätten anderen Metropolregionen da etwas voraus.

Eines haben sie gemein. Landschaftsarchitekt Andreas Kipar nennt es die Renaissance des Urbanen. Es ist der Drang der Menschen zurück in die Städte. Eben das mache Grün so wertvoll.

Essen: Grüne Hauptstadt Europas 2017Auch Essens Bevölkerung wächst wieder. Grün steht mehr und mehr in Konkurrenz zum Bedürfnis nach Wohnraum, der bezahlbar bleiben muss. Umso mehr komme es darauf an, „die DNA der Stadt wiederzuentdecken“, sagt Kipar. „Durch gut durchdachte und durchgrünte Stadtviertel.“

Gut durchdachte und durchgrünte Stadtviertel

Grün dient dabei nicht allein der Erholung und dem Klimaschutz. Marco Clausen, Gründer der Prinzessinnengärten in Berlin-Kreuzberg, wo auf einem 6000 Quadratmeter großen Brachgelände ein Nutzgarten für urbane Landwirtschaft entstanden ist, hat einen tiefgreifenden Wandel im Umgang mit städtischem Freiraum ausgemacht. Es ist der Wunsch Grün zur Selbstversorgung zu nutzen. Nicht hinter Hecken und Gartenzäunen wie im Schrebergarten, sondern im öffentlichen Raum als Gemeinschaftserlebnis.

So grün ist die Grüne Hauptstadt

Essen ist European Green Capital – Grüne Hauptstadt Europas 2017. Den Titel der Umwelthauptstadt vergibt die Europäische Kommission. Essen siegte 2015 gegen Nijmegen,’s Hertogenbosch und Umea. Unsere Galerie zeigt, wie grün die Grüne Hauptstadt ist.
Essen ist European Green Capital – Grüne Hauptstadt Europas 2017. Den Titel der Umwelthauptstadt vergibt die Europäische Kommission. Essen siegte 2015 gegen Nijmegen,’s Hertogenbosch und Umea. Unsere Galerie zeigt, wie grün die Grüne Hauptstadt ist.
Essen ist mit 3100 Hektar Grün- und Waldflächen Deutschlands drittgrünste Großstadt. Bei schönem Wetter ein echter Genuss: die Parksounds im Essener Stadtgarten.
Essen ist mit 3100 Hektar Grün- und Waldflächen Deutschlands drittgrünste Großstadt. Bei schönem Wetter ein echter Genuss: die Parksounds im Essener Stadtgarten. © Sven Lorenz
Der Blick vom Erich-Brost-Pavillion auf Zeche Zollverein in Richtung Essener Innenstadt (2012).
Der Blick vom Erich-Brost-Pavillion auf Zeche Zollverein in Richtung Essener Innenstadt (2012). © Sebastian Konopka
Mitten im Grünen: die Villa Hügel (fotografiert im Mai 2014).
Mitten im Grünen: die Villa Hügel (fotografiert im Mai 2014). © Hans Blossey
Der Waldteich im Stadtwald.
Der Waldteich im Stadtwald. © WAZ FotoPool
Der Blick von der Schurenbachhalde in Richtung Essener Innenstadt – fotografiert im Juli 2016.
Der Blick von der Schurenbachhalde in Richtung Essener Innenstadt – fotografiert im Juli 2016. © Stefan Arend
Die Ruhr samt Auen zwischen Heisingen und Überruhr. Das Luftbild ist im Herbst 2015 entstanden.
Die Ruhr samt Auen zwischen Heisingen und Überruhr. Das Luftbild ist im Herbst 2015 entstanden. © Hans Blossey
Die Ruhrauen in Heisingen sind ein Naturschutzgebiet und Heimat vieler Arten.
Die Ruhrauen in Heisingen sind ein Naturschutzgebiet und Heimat vieler Arten. © Navid Moshgbar
Der Schellenberger Wald erstreckt sich oberhalb des Baldeneysees.
Der Schellenberger Wald erstreckt sich oberhalb des Baldeneysees. © Ulrich von Born
Im Schellenberger Wald sind die Schäden, die Pfingststurm Ela 2014 anrichtete noch zu sehen. Das Foto ist im Dezember 2016 entstanden.
Im Schellenberger Wald sind die Schäden, die Pfingststurm Ela 2014 anrichtete noch zu sehen. Das Foto ist im Dezember 2016 entstanden. © Kerstin Kokoska
Die Ruhr zwischen Kettwig und Werden im Morgennebel. Luftbildfotograf Hans Blossey hat das Bild an einem Morgen im Mai 2009 aufgenommen.
Die Ruhr zwischen Kettwig und Werden im Morgennebel. Luftbildfotograf Hans Blossey hat das Bild an einem Morgen im Mai 2009 aufgenommen. © Hans Blossey
Kirschblüte auf der Rüttenscheider Straße.
Kirschblüte auf der Rüttenscheider Straße.
Die Schurenbachhalde im Juni 2016.
Die Schurenbachhalde im Juni 2016. © Hans Blossey
Der Baldeneysee im Süden Essens ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Das Multicpoter-Foto ist im Oktober 2016 entstanden.
Der Baldeneysee im Süden Essens ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Das Multicpoter-Foto ist im Oktober 2016 entstanden. © Michael Gohl
Ein Projekt der Grünen Hauptstadt: An dieser Stelle am Seaside Beach soll man ab Sommer 2017 wieder in der Ruhr schwimmen dürfen.
Ein Projekt der Grünen Hauptstadt: An dieser Stelle am Seaside Beach soll man ab Sommer 2017 wieder in der Ruhr schwimmen dürfen. © Stefan Arend
Der Grugapark (2015).
Der Grugapark (2015). © Michael Gohl
Der Grugapark (2016).
Der Grugapark (2016). © Thomas Goedde
Der Grugapark im Oktober 2016.
Der Grugapark im Oktober 2016. © Knut Vahlensieck
Neben den eindrucksvollen Bauten beherbergt das Zollverein-Areal auch viel Grün.
Neben den eindrucksvollen Bauten beherbergt das Zollverein-Areal auch viel Grün. © Jochen Tack/Stiftung Zollverein
Auch das ist Zollverein.
Auch das ist Zollverein. © Jochen Tack/Stiftung Zollverein
Der Stadtgarten im April 2016.
Der Stadtgarten im April 2016. © Ulrich von Born
Diese Multicopter-Aufnahme vom Stadtgarten ist im September 2015 entstanden.
Diese Multicopter-Aufnahme vom Stadtgarten ist im September 2015 entstanden. © Michael Gohl
Frühling im Hallopark.
Frühling im Hallopark. © Michael Gohl
Herbst im Hallopark (das Foto wurde im Oktober 2015 aufgenommen).
Herbst im Hallopark (das Foto wurde im Oktober 2015 aufgenommen). © Michael Gohl
Der Krupppark von oben – fotografiert im Oktober 2015.
Der Krupppark von oben – fotografiert im Oktober 2015. © Hans Blossey
Der Schlosspark in Borbeck im Oktober 2014.
Der Schlosspark in Borbeck im Oktober 2014. © Sebastian Konopka
Der Schlosspark in Borbeck im August 2012.
Der Schlosspark in Borbeck im August 2012. © Olaf Fuhrmann
Der Ludwig-Kessing-Park in Überruhr im Juli 2016.
Der Ludwig-Kessing-Park in Überruhr im Juli 2016. © Stefan Arend
Der Gleispark in Frintrop – fotografiert im Juni 2016.
Der Gleispark in Frintrop – fotografiert im Juni 2016. © Hans Blossey
Der Steeler Stadtgarten im Juli 2016.
Der Steeler Stadtgarten im Juli 2016. © Alexandra Roth
Das Siepental im August 2014.
Das Siepental im August 2014. © Sebastian Konopka
Gemeinschaftgärten im Siepental im August 2014.
Gemeinschaftgärten im Siepental im August 2014. © Sebastian Konopka
Das Hexbachtal im Mai 2014.
Das Hexbachtal im Mai 2014. © Sebatsian Konopka
Das Hexbachtal im Juni 2016.
Das Hexbachtal im Juni 2016. © Hans Blossey
Der Segeroth Park im Oktober 2013.
Der Segeroth Park im Oktober 2013. © Sebastian Konopka
Naherholung am Wasser vor grüner Kulisse gibt es auch am Rhein-Herne-Kanal.
Naherholung am Wasser vor grüner Kulisse gibt es auch am Rhein-Herne-Kanal. © Kerstin Kokoska
Der Kaiser-Wilhelm-Park, fotografiert im Mai 2015.
Der Kaiser-Wilhelm-Park, fotografiert im Mai 2015. © Sebastian Konopka
Der Waldpark an der Frankenstraße, fotografiert im Mai 2016.
Der Waldpark an der Frankenstraße, fotografiert im Mai 2016.
Der Waldpark an der Frankenstraße, fotografiert im Mai 2016.
Der Waldpark an der Frankenstraße, fotografiert im Mai 2016. © Michael Korte
Die Margarethenhöhe, fotografiert im November 2016.
Die Margarethenhöhe, fotografiert im November 2016. © Hans Blossey
Essen-Katernberg im November 2016.
Essen-Katernberg im November 2016. © Hans Blossey
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Man müsse die Menschen auch machen lassen, formulierte Clausen an die Adresse der städtischen Behörden. Das setzt voraus, dass die Menschen auch mitmachen wollen, dass sie Verantwortung übernehmen. „Darin sind wir nicht so stark“, sagte Juliane von Hagen, die Gründerin von stadtforschen.de, in Anspielung an jene Zeiten, in denen Krupp und andere nicht nur Arbeitgeber waren, sondern Vermieter, Nahversorger, Kümmerer. . .

Der Eigeninitiative mag das nicht förderlich gewesen sein. Immerhin: Zehn Gemeinschaftsgärten gibt es inzwischen.

Grünplanung nicht allein Grün und Gruga überlassen

An die Stadt appellierte von Hagen die Grünplanung nicht allein Grün und Gruga zu überlassen. Es gehe darum, Ressort übergreifend zu denken, die Schulverwaltung sei mit einzubeziehen, die Sozialverwaltung und sicher nicht zuletzt die Bürger. Die Grüne Hauptstadt bietet dazu die Chance. „Warum machen wir nicht mit“, rief eine Zuhörerin in die Runde. Es sollte Ansporn für andere sein.