Bieterverfahren

Architekt plant Eventhotel im ehemaligen Jugendknast Werden

Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW verkauft die denkmalgeschützte ehemalige Jugendarrestanstalt in Essen-Werden. Im Bieterverfahren können die Interessenten nun bis September ihr Angebot nachbessern.

Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW verkauft die denkmalgeschützte ehemalige Jugendarrestanstalt in Essen-Werden. Im Bieterverfahren können die Interessenten nun bis September ihr Angebot nachbessern.

Foto: D. Michael

Essen-Werden.  Architekt Dieter Michael will den Charme des ehemaligen Jugendknasts in Werden erhalten. Warum nicht nur er von dem Hotelprojekt überzeugt ist.

Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW verkauft die denkmalgeschützte ehemalige Jugendarrestanstalt in Werden. Am Wesselswerth soll öffentlich geförderter Wohnraum für Studierende entstehen. Der Werdener Architekt Dieter Michael beteiligt sich am Bieterverfahren, ihm schwebt allerdings eine andere Nutzung vor: Er möchte das Hotel „Jugendarrestanstalt“ etablieren. Das überzeugt auch Werdener Politiker, Vereine und den Einzelhandel.

Eines möchte Michael klarstellen: Er sei nicht gegen sozialen Wohnungsbau, ganz im Gegenteil. Aber der solle da stattfinden, wo teure Eigentumswohnungen gebaut würden. Am Wesselswerth würden eventuell Menschen aus lauter Wohnungsknappheit in viel zu kleine Wohneinheiten gedrängt.

Jetziges Erscheinungsbild des Gefängnisses soll erhalten bleiben

Dieter Michael hat mit seinem Architekturbüro große Projekte gestemmt – bis hin zum Kaufhausbau. In seinen Plänen beinhaltet der dreigeschossige Zellentrakt die Hotelzimmer, das vorgelagerte ehemalige Verwaltungsgebäude mit dem Innenhof die Restauration und eine Außengastronomie. Der Charme seines „Eventhotels“ bestünde darin, das jetzige Erscheinungsbild innen als auch außen zu erhalten.

Als Gästezimmer sollen die Zellen dienen mit ihren vergitterten Fenstern, Toilettentöpfen und Waschbecken. Ergänzt durch Duschen, lediglich abgetrennt durch eine Ganzglaswand. Die Möblierung werde dem Fundus der Justizbehörden entsprechen.

Spartanische Struktur als idealer Ort der Ruhe und Meditation

„Diese klösterlich-spartanische Struktur ist ein idealer Ort der Ruhe und Meditation, für Naturerleben und Achtsamkeit.“ Als Kontrast zu den schlichten Hotelzimmern werde auf eine ausgewogene und hochwertige Gastronomie Wert gelegt, versorgt durch biozertifizierte Produkte des eigenen Bauernhofes.

Ein Hotel für Werden? Da klingeln die Ohren, war doch zuletzt der Neubau eines Hotels im Löwental heiß diskutiert worden. Bezirksbürgermeister Benjamin Brenk (SPD) findet es löblich, dass das Land hier sozialen Wohnungsbau realisieren möchte. Das scheine aber bei diesem speziellen Objekt schwer zu werden für Investoren. Wenn sich da niemand finden würde, wäre ein Hotel zu erschwinglichen Preisen eine gute Sache: „Durch den Wegfall der Domstuben fehlen Übernachtungsplätze. Vielleicht wäre im neuen Hotel auch Raum für einen Versammlungssaal der Werdener Bürgerschaft.“

Bürger- und Heimatverein wie auch Werbering befürworten Hotel

Martina Schürmann ist Vorsitzende des Bürger- und Heimatvereins und betont, der Zustrom an Touristen werde immer größer: „Werden braucht Übernachtungsgelegenheiten.“ Zwar favorisiere sie persönlich eine andere Variante, die aber auch kein studentisches Wohnen beinhalte. Wenn die aber nicht greife, sei ihr ein Hotel willkommen: „Bevor das Gebäude noch länger leer steht...“

Als Geschäftsführer des Werdener Werberings stößt Peter Allmang ins gleiche Horn: „Wir sehen das sehr positiv.“ Es gebe im Stadtteil kaum Möglichkeiten, Besucher willkommen zu heißen. Dabei läge Werden direkt am Ruhrtal-Radweg, auch der Jakobsweg verlaufe durch das Abteistädtchen. Was auch für Baldeney-Steig und Kettwiger Panoramasteig gelte. Händeringend würde eine gute Gastronomie mit Räumen für Vereinstreffen gesucht. Da habe die Idee von Dieter Michael durchaus Charme.

Marktanalyse bestätigte entsprechende Hotelauslastung

Bei ersten Sondierungsgesprächen und Ortsbesichtigungen mit Denkmalschützern, Bauordnung und Feuerwehr hat der Architekt Dieter Michael große Zustimmung und Unterstützung für sein Projekt erfahren. Eine erste kurze Marktanalyse bestätige zudem einem Hotel an dieser Stelle eine entsprechende Auslastung. Auf Nachfrage habe das Ministerium der Finanzen NRW allerdings mitgeteilt, dass ein Verkauf für eine Hotelnutzung „im Rahmen des aktuellen Verkaufsverfahrens“ nicht in Betracht kommen könne.

Hier hakt Dieter Michael ein. Er interpretiere das so, dass nach einem möglicherweise gescheiterten ersten Verkaufsverfahren andere Bedingungen denkbar sein. Und er sei sicher, dass keiner der möglichen Käufer exakt die jetzigen Voraussetzungen erfüllen werde. Das rechne sich wirtschaftlich nicht.

Bewerber können beim Kaufangebot nachbessern

Auch würden dann massive Eingriffe in die Bausubstanz notwendig werden. Alles müsse entkernt und auch die Fassade durch größere Fernster verändert werden. Damit werde jedoch die denkmalrelevante Struktur zerstört. Eine andere Entwurfs- und Nutzungsidee als ein Hotelprojekt sehe er daher nicht.

Bis Mitte September könnten alle Bewerber nachbessern, auch er habe sein ursprüngliches Angebot noch erhöht. Sollte das Land jedoch hart bleiben, sei eine große Chance vertan „für ein vorzeigbares Nachhaltigkeitsprojekt, nicht nur für unsere Stadt“.

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