Versandhändler

Amazon eröffnet in Essen ein Verteilzentrum für Pakete

Sortierer kontrollieren in Bochum im Amazon-Warenverteilzentrum versandbereite Ware. Ein solches Lager entsteht nun auch in Essen.

Sortierer kontrollieren in Bochum im Amazon-Warenverteilzentrum versandbereite Ware. Ein solches Lager entsteht nun auch in Essen.

Foto: Volker Hartmann

Essen.  Der Onlinehändler Amazon wird künftig auch von einem Lager in Essen aus die Kunden mit Paketen beliefern. Damit entstehen Dutzende neue Jobs.

Der weltgrößte Onlinehändler Amazon erweitert seit einiger Zeit sein eigenes Logistiknetz in Deutschland kräftig und ist auf der Suche nach neuen Standorten auch in Essen fündig geworden. Amazon wird nach Informationen dieser Zeitung im ehemaligen Metro-Großlager an der Pferdebahnstraße ein neues Verteilzentrum eröffnen.

Auf Nachfrage bestätigte eine Sprecherin, dass das neue Verteilzentrum voraussichtlich Anfang des kommenden Jahres in Betrieb gehen wird. 150 Mitarbeiter sollen für Amazon dort arbeiten. Sie werden in mehreren Schichten, vor allem aber nachts eingesetzt, um die per Lkw angelieferten Pakete anzunehmen und anschließend auf die Zustellfahrzeuge zu verteilen. Derzeit sucht Amazon für seinen Standort in Essen mehrere Führungskräfte, so beispielsweise einen Standortleiter sowie einen Area Manager.

Die so genannte letzte Meile zum Kunden übernimmt allerdings Amazon nicht selbst, sondern Fahrer regionaler Logistikfirmen, wie der Onlinehändler mitteilte. Das seien meist kleine und mittelständige Unternehmen. In Essen sollen über 550 Fahrer im Dienste Amazons unterwegs sein.

Amazon will schnellere Belieferung von Kunden erreichen

Zu den Gründen, warum Amazon sein eigenes Liefernetzwerk in Konkurrenz zu Partnern wie DHL oder DPD ausbaut, sagte eine Sprecherin: „Wir brauchen aufgrund der hohen Kundennachfrage zusätzliche Kapazitäten.“ Offenbar schaffen es die Partnerunternehmen selbst nicht mehr, die Menge an Paketen zu bewältigen. Mit den eigenen Verteilzentren erhofft sich Amazon zudem eine schnellere und flexiblere Paketzustellung. Amazon reagiert damit wohl auf sein eigenes Versprechen an Prime-Kunden, bis 12 Uhr bestellte Waren noch am selben Tag zu liefern.

Das Verteilzentrum in Essen ist 15.000 Quadratmeter groß und befindet sich in der schon länger leerstehenden Halle des ehemaligen Metro-Großlagers. Metro hatte den Standort 2018 aufgegeben und seine Logistik für die Region in einem neuen Lager in Herne konzentriert. 330 Metro-Mitarbeiter waren damals von dem Schritt betroffen. Für Amazon scheint der Standort ideal: „Essen verfügt über eine gute Infrastruktur und engagierte Arbeitnehmer, die wir in unser Team aufnehmen möchten“, sagte die Sprecherin. Bei der Ansiedlung habe die Essener Wirtschaftsförderung Amazon unterstützt.

Basislohn bei Amazon liegt etwas oberhalb von 11 Euro

Wie viel die 150 eigenen Mitarbeiter künftig verdienen, ist noch nicht bekannt. Im kürzlich eröffneten Verteilzentrum in Hamburg hatte Amazon von 11,37 Euro gesprochen, die die Beschäftigten als Basisbruttolohn in der Stunde bekommen. Damit orientiert sich Amazon allenfalls am Logistiktarif und bringt damit regelmäßig die Gewerkschaft Verdi gegen sich auf. Diese ist der Meinung, dass der Onlineriese ein Handelsunternehmen ist und somit auch nach diesem - höheren - Branchentarif zahlen sollte. Amazon sieht sich dagegen als Logistiker. Regelmäßig kommt es daher in den Versandzentren zu Streiks wie zuletzt am Rabattaktionstag Black Friday.

Auch wie viel die Paketzusteller bei den Subunternehmern verdienen, ist nicht bekannt. Fakt ist: Gewerkschaften sorgen sich um deren Arbeitsbedingungen, erstens weil der Preisdruck in der Versandbranche wohl enorm ist und zweitens, weil sich die Zustellung wegen der „Same-Day-Versprechen“ bis weit in die Abendstunden ausweitet. Um die Arbeitnehmer bei Subunternehmen vor Ausbeutung zu schützen, hatte die Bundesregierung in diesem Jahr ein Gesetz auf den Weg gebracht. Es nimmt die Versandunternehmen in die Verantwortung, damit auch all jene Zusteller einen Mindestlohn erhalten und über Sozialbeiträge abgesichert werden, die nicht direkt bei ihnen angestellt sind.

Andere Logistikfirmen bauen ebenfalls in Essen aus

Neben Amazon bauen auch andere Logistiker am Standort Essen ihre Kapazitäten aus. So baut gerade das Unternehmen GLS in Essen ein neues Paketzentrum in der Nähe des Stadthafens. Auch DPD und DHL hatten in der jüngeren Vergangenheit in den Ausbau ihrer Logistik investiert.

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