Gesamtschule Süd

Am Freitag endet die Geschichte der Gesamtschule Süd

Schulleiter Ludwig Menke im Treppenhaus der Gesamtschule Süd. Anders, als das Äußere vermuten lässt, ist die Schule baulich sehr gut ausgestattet.

Foto: Kerstin Kokoska

Schulleiter Ludwig Menke im Treppenhaus der Gesamtschule Süd. Anders, als das Äußere vermuten lässt, ist die Schule baulich sehr gut ausgestattet. Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Nach knapp 30 Jahren schließt die Gesamtschule Süd in Essen-Stadtwald. Das Ende war lang und quälend – und kam dann doch ganz plötzlich.

Dies sind die letzten Tage der Gesamtschule Süd. Am Freitag, dem Tag vor den Sommerferien, endet die knapp 30-jährige Geschichte der Schule an der Frankenstraße. „Man hat schon jetzt das Gefühl, man kommt in eine leere Schule“, sagt Leiter Ludwig Menke. Seit 2012 waren keine neuen Fünfer mehr eingeschult worden, die Zehner sind jetzt auch weg, nur die Elfer und Zwölfer sind noch da.

Die Zwölfer werden bleiben, ihr Abi an der Frankenstraße machen, etwa 50 Jugendliche sind das, die Schule wird dann offiziell für ein Jahr als Zweigstelle der Frida-Levy-Gesamtschule betrieben. Und die Elfer? Sollten eigentlich auch erst bleiben können.

Das Ende kam dann doch plötzlich

Doch, wie so oft in der Geschichte der Gesamtschule Süd, kam es plötzlich anders. „Wir bekamen völlig überraschend gesagt, dass wir wechseln müssen, wir hatten genau zwei Tage Zeit, uns eine neue Schule zu suchen“, sagt Schüler Maurice (17).

Er wohnt in Bergerhausen und wird nach den Ferien zur Gesamtschule Borbeck wechseln. Seine Mitschülerin Claudia (17) lebt in Kupferdreh, auch sie fährt künftig nach Borbeck – die S-Bahn-Verbindung ist ganz gut. „Es ist nicht nur die Fahrerei“, sagen die Jugendlichen“, wir mussten teilweise auch unsere Leistungskurs-Pläne ändern.“ Maurice wollte Mathe- und Bio-LK, musste wechseln auf Mathe und Pädagogik. Tobias (19) wechselt auf die Gustav-Heinemann-Gesamtschule nach Schonnebeck, „ich nehm’ dann ab Rellinghausen die 105 und dann ab Hauptbahnhof die 107.“ Ob sie alle lieber hier geblieben wären? Was für eine Frage. „Klar“, sagen sie. Nicht wenige sind seit Stufe fünf hier, haben sich verbunden gefühlt mit Schule und Lehrern, trotz des nicht idealen Rufs des Hauses.

„Die meisten Lehrer sind lange geblieben“

„Wenn ich ein positives Fazit ziehen soll, dann das: Die Lehrer haben alle bis zum Ende mitgemacht, kaum einer ist vorzeitig weggegangen“, sagt Ludwig Menke. „Niemand wollte hier seine Schüler im Stich lassen.“ Die Pädagogen, die künftig für den letzten Abi-Jahrgang gebraucht werden, arbeiten dann an anderen Schulen und lassen sich für den Unterricht an der Frankenstraße „rückabordnen“, so heißt das im Fachdeutsch.

Überhaupt wird das Gebäude nicht leer stehen: Zwei Trakte sind besetzt durchs Nixdorf-Kolleg, das in Frohnhausen derzeit aufwändig umgebaut wird. Das wird noch zwei Jahre gehen, schätzt man. Was dann passiert, ist unklar, nur: „Es wird weiter eine schulische Nutzung geben“, teilt die Stadtverwaltung mit. Im Herbst sollen Details bekannt gegeben werden. Das Stammgebäude war ab Mitte der Sechziger Jahre errichtet, das Stadtwald-Gymnasium ab ‘89 in eine Gesamtschule umgewandelt worden. Menke läuft durch lange, leere Flure. Roter Klinker, blau gelackte Geländer, neue Decken. Die Schule ist, anders, als ihr Äußeres vermuten lässt, in sehr gutem Zustand. „Sie sollten mal unseren Naturwissenschafts-Trakt sehen“, sagt Menke, „darum beneiden uns Gymnasien.“ Zu spät.

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