Stadtplanung

Allbauchef verteidigt Bürgerrathaus: „Mutig und überzeugend“

Für ihn passt der Entwurf des Bürgerrathauses „gut in eine Stadt, die man sicherlich zurecht als Metropole bezeichnen darf und eben nicht als Provinz“: Allbau-Chef Dirk Miklikowski.

Für ihn passt der Entwurf des Bürgerrathauses „gut in eine Stadt, die man sicherlich zurecht als Metropole bezeichnen darf und eben nicht als Provinz“: Allbau-Chef Dirk Miklikowski.

Foto: Foto: Socrates Tassos / FFS

Essen.  Der wachsenden Kritik am Plan fürs Bürgerrathaus setzt Dirk Miklikowski lobende Worte entgegen: „Nur auf die Höhe zu schauen, greift zu kurz.“

Dass ihm dieses Bürgerrathaus noch „einige schlaflose Nächte“ beschert – Dirk Miklikowski wusste es von Anfang an. Schließlich soll er mit seiner Mannschaft bei der städtischen Grundstückstochter GVE das 115-Millionen-Euro-Projekt in die Tat umsetzen. Jetzt aber zeigt sich: Der Ärger setzt ein, kaum dass der architektonische Entwurf für das Vorhaben in der Welt ist. Miklikowski hält dagegen – und fordert die Kritiker heraus.

„Mich stört, dass hier ein gutes Thema frühzeitig zerredet wird“, mahnt der 55-Jährige Bau-Experte, der als Chef der städtischen Wohnungsgesellschaft Allbau seit zwölf Jahren das Essener Stadtbild mitprägt; der fast nebenbei mit der GVE wichtige Projekte stemmt und glaubt, wer dieses Bürgerrathaus rundheraus ablehne, der „hat sich womöglich nicht tiefgehend genug damit befasst“.

Miklikowski glaubt: Guter Städtebau setzt Akzente

Das gelte gleich in doppelter Hinsicht: für die Rechtfertigung, ein solches Haus überhaupt zu bauen, genauso wie für den Entwurf, der ein Gebäude-Ensemble mit einem 14-stöckigen Hochhaus vorsieht. Ein „Sozialpalast“, wie einige spotten? Miklikowski findet es eher „vorausschauend und klug“, bürgernahe Dienstleistungen zu bündeln. Statt an nicht mehr zeitgemäßen Flächen festzuhalten, investiere die Stadt selbst in ein zeitgemäßes, funktionales und fortschrittliches Bürgerrathaus.

Der Entwurf hierfür sei „mutig aber eben auch überzeugend. Er ist großstädtisch aber auch integrativ und gefällt durch Klarheit, Offenheit und eben nicht verträumte Spielerei.“ Natürlich müsse man auf die historischen Gebäude im Umfeld Rücksicht nehmen, „aber guter Städtebau zeichnet sich eben auch darüber aus, Akzente zu setzen und diese mit dem Vorhandenen in Einklang zu bringen. Das ist hier aus meiner Sicht sehr gut gelungen“.

„Es wird immer anstrengender, Akzeptanz zu finden“

Der Siegerentwurf des Wettbewerbs sei dabei weit durchdacht: „Nur auf die Höhe zu schauen, greift zu kurz“, und die in den folgenden Etappen anstehende Überarbeitung der Fassade, die durchaus noch „gefälliger“ ausfallen könne, „sollte am Ende auch den letzten überzeugen“.

Wirklich? Auch Miklikowski räumt ein, dass Projektplaner immer häufiger im Kreuzfeuer der Kritik stehen. „Das erleben wir inzwischen bei jedem kleinteiligen Vorhaben. Nie geht etwas widerspruchslos durch. Es wird immer anstrengender, Akzeptanz für solche Themen zu finden.“

Auch für Kastanien- und Cranachhöfe brauchte es Mut

Nicht dass der Allbau- und GVE-Chef die Diskussion scheut, im Gegenteil: „Wir brauchen die Auseinandersetzung.“ Doch die wenigsten seien noch bereit, die Chancen eines Vorhabens zu sehen – und „einfach mal auszuhalten, wenn es auf dem Weg zu etwas Neuem für ein, eineinhalb Jahre anstrengend wird“.

Dazu brauche die Stadt, bräuchten aber auch die Planer und Politiker Mut: Hätte er als Allbau-Chef anspruchsvollen Entwürfen nicht diesen Raum gegeben, so „würden Großprojekte wie die Kastanienhöfe und Cranachhöfe heute möglicherweise nicht stehen“, sagt Miklikowski. Das werde ihm die erwähnten „schlaflosen Nächte“ bereiten, „aber auch Freude“.

Was noch zu beweisen wäre.

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