Abschiebung

Abschiebe-Odyssee des Essener Roma-Rappers geht weiter

Die Roma-Brüder Kefaet (vorn), Selami (Mitte) und Hikmet  im Januar 2016 auf der Dachterrasse des Generationen Kult Hauses in Essen

Foto: Dirk Bauer

Die Roma-Brüder Kefaet (vorn), Selami (Mitte) und Hikmet im Januar 2016 auf der Dachterrasse des Generationen Kult Hauses in Essen Foto: Dirk Bauer

Essen.   Der Essener Roma-Rapper Selami Przreni ist am Dienstag erneut in den Kosovo abgeschoben worden. Ein Schritt, der auf viel Kritik stößt.

Eigentlich sollte der Essener Roma-Rapper Selami Przreni am Freitag mit seinem Bruder Kefaet im Kölner Café Paradiso auftreten. Doch daraus wird wohl nichts. Am gestrigen Mittwoch wurde der 27 Jahre alte Essener auf dem Düsseldorfer Flughafen von der Polizei in einen Abschiebeflieger gesetzt, der um 14.24 Uhr mit Ziel Pristina/Kosovo abhob. Eine Abschiebung, die in Essen Wellen der Empörung schlägt.

„Ich finde es unmöglich, dass man integrierte Leute wie Selami abschiebt“, schimpft der Unternehmer und Mäzen Reinhard Wiesemann („Unperfekthaus“), der ein Freund und Förderer des Musikers ist. Unmöglich, weil der Abgeschobene sein ganzes Leben hier verbracht und hier alles habe: seine Eltern und Brüder, die Freunde – und eine Perspektive als Künstler.

Der Film „Trapped by Law“ erzählt die Abschiebe-Odyssee der Roma-Brüder

Schon einmal sind die Roma-Brüder Selami und Kefaet abgeschoben worden. Das war 2010. Sie mussten zurück in ein für sie völlig fremdes Land in Ex-Jugoslawien, eines, aus dem ihre Eltern 1988 geflohen waren: aus Angst vor Diskriminierung. Selami kam 1989 in Frohnhausen zur Welt, besuchte die Grundschule Berliner Straße. „Fast fünf Jahre haben wir nach der Abschiebung im Kosovo gelebt, seit Ende 2014 sind wir wieder in Essen“, erzählt Kefaet (32).

Aus der aufwühlenden Abschiebe-Odyssee der Przreni-Brüder – von Essen zum Balkan und wieder zurück – hat Regisseur Sami Mustafa einen Film („Trapped by Law“) gedreht, der im Januar vorigen Jahres Premiere im Essener Astra-Kino hatte. Die Rap-Musik und der Roma-Hintergrund: reichlich Stoff für eine ergreifende Asyl-Story.

Abschiebungen zum Balkan gehören zur Routine auf deutschen Flughäfen. Deutschland ist kein Einwanderungsland und Balkanstaaten wie Kosovo, bitterarm und ziemlich korrupt, behandeln Roma wie den letzten Dreck. Trotzdem werden sie als sichere Staaten eingestuft. Die Chancen auf einen erfolgreichen Asylantrag tendieren folglich gegen Null. Auch den Asylantrag der Przreni-Brüder hat die Ausländerbehörde in Essen schon vor Jahren abgelehnt, genauer gesagt: ablehnen müssen.

Stadt: „Keine gültige Aufenthaltsgenehmigung für die Bundesrepublik Deutschland“

Und warum jetzt die zweite Abschiebung? Die Stadt Essen bestätigte gestern, dass „Herr Selami Przreni heute in sein Herkunftsland überführt wird“. Als Begründung führt Stadtsprecherin Silke Lenz an: „Herr Przreni verfügt über keine gültige Aufenthaltsgenehmigung für die Bundesrepublik Deutschland.“ Er sei ohne Aufenthaltsgenehmigung oder Visum eingereist, bisherige Asylanträge seien negativ beschieden worden.

Frei ins Deutsche übersetzt bedeutet der Titel der Film-Doku soviel wie „Im Dickicht der Bürokratie“. Wie vertrackt der Fall ist, bestätigt indirekt auch die Erklärung der Stadt. Der Fall Selami sei „mehrfach in unterschiedlichen Gremien behandelt worden“, heißt es. Und bei näherem Hinsehen wird deutlich, dass ihm die Ausländerbehörde bei aller Hartleibigkeit auch Brücken gebaut hat. Der Petitionsausschuss etwa habe ihm nahegelegt, freiwillig auszureisen und dann ein geregeltes Visumsverfahren zu beantragen. „Damit hätte er die Möglichkeit, für die Ausübung seiner künstlerischen Tätigkeit in die Bundesrepublik einzureisen“, betont die Stadtsprecherin. Und fügt hinzu: „Hiervon wollte Herr Przreni bislang keinen Gebrauch machen.“

Seine Freundin ist im 7. Monat schwanger

In ihren Songs berichten die Essener Rapper von ihrem Roma-Leben zwischen Essen und Balkan. Aufgetreten sind sie damit sogar vor Bundespräsident Joachim Gauck. Paradox: „Von der Stadt Essen erhalten wir sogar Zuschüsse“, bericht Kefaet.

Dienstagfrüh um 5 Uhr schellten Polizisten Selami Przreni in der „Musik-WG“ in der Rottstraße aus dem Schlaf und brachten ihn nach Düsseldorf. Sein Duisburger Rechtsanwalt soll noch in letzter Sekunde per Eilantrag versucht haben, die Abschiebung seines Mandanten zu verhindern. Vergeblich.

Kefaet Przreni hofft trotzdem auf eine Odyssee mit Happy End. Er sagt: „Selamis Freundin, eine Deutsche, die er schon seit der Grundschule kennt, ist im siebten Monat schwanger. Die beiden wollen heiraten.“

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