Coronavirus

2G auf Essens Weihnachtsmarkt: „Da freuen sich die Leute“

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Ein Schild sagt mehr als viele Worte: Ab Mittwoch dürfen Ungeimpfte nicht mehr auf den Weihnachtsmarkt, für das Tragen einer Maske hingegen gibt es erst einmal nur punktuell Empfehlungen.

Ein Schild sagt mehr als viele Worte: Ab Mittwoch dürfen Ungeimpfte nicht mehr auf den Weihnachtsmarkt, für das Tragen einer Maske hingegen gibt es erst einmal nur punktuell Empfehlungen.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Essen.  Ungeimpfte dürfen ab Mittwoch nicht mehr auf den Weihnachtsmarkt. Warum die Stadt dennoch kaum Einbußen fürchtet – und Masken keine Pflicht sind.

In der Luft liegt der Duft nach gebrannten Mandeln, Glühwein – und Ärger. So dachte sich jedenfalls mancher mit Blick auf die hochschnellenden Corona-Zahlen und entsprechende Kontrollen auf dem Weihnachtsmarkt. Doch wenn an diesem Mittwoch die Getesteten ausgesperrt und dann nur noch Geimpfte und Genesene zum Budenzauber zugelassen sind – die sogenannte 2G-Regel –, dann löst das bei den Verantwortlichen kein Kopfzerbrechen aus. Richard Röhrhoff, Chef der Marketing-Gesellschaft, ist vielmehr überzeugt: „Die Leute werden sich freuen.“

„Die Leute“, das sind für Röhrhoff jene 92 bis 96 Prozent der Besucherschar, die schon bislang die 2G-Kriterien erfüllten. Die den Kontroll-Teams eines Personaldienstleisters durchweg „sehr sehr freundlich“ entgegengetreten seien, als diese die Einhaltung der 3G-Regel überprüften. Und die, wenn’s voll wird, sogar von sich aus noch die Maske aufsetzen. Knatsch bei der Kontrolle? Fehlanzeige, versichert die EMG, obwohl die drei Teams an den besucherstarken Tagen jeweils zwischen 1000 und 1500 Personen überprüften.

Das Drohpotenzial liegt im Satz, dass „wir ansonsten das Ordnungsamt rufen müssen“

Dass es bei einem konfliktfreien Miteinander bleibt, ist Röhrhoffs große Hoffnung. Schon im Rahmen der 3G-Regel mussten all jene des Platzes verwiesen werden, die keinen Schnelltest vorzeigen konnten. Ab Mittwoch hilft auch der nicht mehr, was die Kontrolleure mit dem freundlichen Satz „Sie wissen, dass Sie hier nicht sein dürfen?“ quittieren. Für einen echten Rauswurf vom Gelände reichen die Befugnisse der Teams nicht, das ganze Drohpotenzial liegt in der ergänzenden Formulierung, dass „wir ansonsten das Ordnungsamt rufen müssen“.

Doch dazu kam es bisher in keinem einzigen Fall. Nicht zuletzt dies hat die Stadt bestärkt, einstweilen keine Maskenpflicht auf dem Weihnachtsmarkt einzuführen und auch nicht in den übrigen Fußgängerzonen, so wie in vorherigen Lockdown-Phasen. Auf der Tagesordnung des Verwaltungsvorstands bleibt das Thema dennoch. Man werde aktiv, „wenn wir feststellen, das klappt alles nicht“, sagt Stadt-Sprecherin Silke Lenz. Wiedervorlage am kommenden Dienstag.

Wenn’s richtig voll wird, setzen viele die Maske von ganz alleine auf

Dahinter steckt die Hoffnung, dass es vielleicht doch keine Regelung braucht, sondern nur etwas Rücksichtnahme aufeinander und ein gewisses Gespür für die Situation. EMG-Chef Röhrhoff jedenfalls hat beobachtet, dass viele Besucherinnen und Besucher, wenn’s richtig voll wird, von ganz allein die Maske aufsetzen – ganz ohne Vorschrift, „weil sie sich dann besser fühlen“. Immerhin, an den Glühweinbuden wird man darum bitten, Maske zu tragen, obwohl auch hier das allgemeine Bemühen um Abstand spürbar ist: „Die Leute stellen sich nicht einfach so zu anderen, sondern suchen sich einen freien Tisch.“

Der ist beim Weihnachtsmarkt anno 2021 auch sicher leichter zu finden als in früheren Jahren. Die EMG mag mit dem bisherigen Zuspruch zwar nicht unzufrieden sein, zumal der am ersten Weihnachtsmarkt-Wochenende immerhin mehr als 150.000 Besucher in die Innenstadt gebracht habe. Doch allenthalben sei spürbar: „Uns fehlen die Touristen“, die Holländer, die Belgier, die Briten. Schließlich wurde im Ausland diesmal auch nicht so massiv wie sonst für den Essener Weihnachtsmarkt geworben.

Stadt setzt auch auf Finanzhilfen des Landes für weitere Kontroll-Teams

Mit der Folge, dass gerade in den letzten Tagen die Zahlen deutlich rückläufig ausfallen, vor allem tagsüber. „Ich bin gespannt auf das erste Advents-Wochenende“, sagt Röhrhoff, während die Stadt auch über den Budenzauber hinaus blickt. Denn 2G zu kontrollieren, das wird für die paar Kontrolleure der Stadt ein Kraftakt. Umso aufmerksamer hat die Stadt registriert, dass NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann am Dienstag finanzielle Hilfen für kommunale Kontroll-Teams ankündigte.

Da wird man wohl mitmachen, denn ob 3G oder 2G, da hält es auch eine schwarz-grün „regierte“ Stadt mit Lenin: …Kontrolle ist besser.

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