Bildung

15 Schulen im Essener Norden rufen um Hilfe

In der Maria-Kunigunda-Grundschule in Essen-Karnap – hier ein Bild vom Auftritt eines Kinderliedermachers – stieg die Zahl der Schüler in einem Jahr sprunghaft. Das lag an den Flüchtlingen.

In der Maria-Kunigunda-Grundschule in Essen-Karnap – hier ein Bild vom Auftritt eines Kinderliedermachers – stieg die Zahl der Schüler in einem Jahr sprunghaft. Das lag an den Flüchtlingen.

Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Volle Klassen, wenig Personal: In einer beispiellosen Aktion wenden sich alle Schulleiter aus Karnap, Vogelheim und Altenessen an die Politik.

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Einen dramatischen Hilferuf setzen die Leiter aller Schulen im nördlichsten Bezirk des Essener Stadtgebiets an die Politik in Stadt, Land und Bund ab: „Wir benötigen sofort mehr Unterstützung, um unseren Aufgaben gut gerecht werden zu können“, sagt Udo Moter, der Leiter der Maria-Kunigunda-Grundschule in Karnap. Er wird unterstützt von den Chefs aller 15 Schulen im Stadtbezirk V (Vogelheim, Karnap, Altenessen). Dort gibt es elf Grund-, eine Real-, eine Förder-, eine Gesamtschule und zwei Gymnasien.

„Allein an unserer Schule ist die Zahl der Schüler in nur einem Jahr von 260 auf 340 gestiegen wegen der Flüchtlingskinder“, berichtet Udo Moter. Die durchschnittliche Klassenstärke liege bei 28 Kindern – was viel zu hoch sei: „Sie können in einem sozialen Brennpunkt nicht mit so vielen Kindern in einer Klasse arbeiten, da kommt bei den einzelnen Schülern viel zu wenig an.“

Forderung: Ungleiches muss ungleich behandelt werden

Als Ergebnis einer falschen Planung, die Ungleiches stadtweit nicht ungleich behandle, sieht Martin Tenhaven, der Chef des Altenessener Leibniz-Gymnasiums, die Übergangs-Quoten aufs Gymnasium: Sie liegen im Norden wesentlich niedriger als im Süden. „Dabei kann uns niemand erzählen, dass die Kinder im Süden schlauer sind. Was fehlt, ist Unterstützung der Eltern, die von der Schule aufgefangen werden muss.“

Die Schulleiter fordern vom Land mehr Lehrerstellen, damit kleinere Klassen gebildet werden können. Von der Stadt erwarten die Pädagogen, dass Schulsozialarbeiter dauerhaft eingestellt werden können, ohne dass dafür – wie bislang überall üblich – eine Lehrerstelle gestrichen werden kann. „Das geht vielleicht bei einer großen Schule mit 90 Lehrern, bei einer Grundschule mit einem Dutzend Pädagogen ist das nicht möglich“, erklärt Tenhaven. Außerdem müssten Schulen, an denen viele Flüchtlingskinder unterrichtet werden, mehr Stunden für Sekretärinnen zugewiesen bekommen. „Flüchtlingsfamilien machen einem Sekretariat allein wegen fehlender Deutschkenntnisse und mangelhafter Papiere viel Arbeit.“

Es fehlt an Räumen für individuelle Förderung

Weil die Schüler so unterschiedlich seien – von leistungsstarken Kindern bis zu jenen ohne ein Wort Deutsch – müsse die Stadt außerdem bessere räumliche Voraussetzungen schaffen, damit Klassen teilweise aufgeteilt werden können und gesonderte Förderung möglich ist.

Die Leiter aller Schulen im Stadtbezirk sind seit Jahren verbunden und haben bereits mehrere Gespräche in Konferenzen und Workshops mit Politik und Verwaltung geführt. „Bisher waren die Ergebnisse aber noch dürftig“, sagt Tenhaven. Eine Einladung ergeht jetzt an Essener Politiker aus Bund, Land und Kommune für Mittwoch, 6. Dezember: Dann soll etwas geschehen. „Wenn wir uns nicht an die Entscheidungsträger wenden, die der Verwaltung Vorgaben machen, verpufft das Ganze“, ist Stefanie Brix, Leiterin der Hauptschule Bischoffstraße überzeugt.

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