Rock-Club

15 Jahre Headbanging in Essen - das „Turock“ feiert Jubiläum

Peter Siewert eröffnete vor 15 Jahren den Rock-Club „Turock“. Optisches Highlight des Clubs ist eine Original-Bühnenkulisse von der „Rock’n’Roll“-Tour der Band Motörhead.

Peter Siewert eröffnete vor 15 Jahren den Rock-Club „Turock“. Optisches Highlight des Clubs ist eine Original-Bühnenkulisse von der „Rock’n’Roll“-Tour der Band Motörhead.

Foto: André Hirtz / FUNKE Foto Services

Essen.  Eigentlich wollte Peter Siewert ein Jugendzentrum eröffnen - es wurde ein Rock-Club. Zum 15-jährigen Jubiläum blickt der „Turock“-Macher zurück.

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Das Turock ist ein Urgestein der Essener Clubszene. Am 14. Dezember feiert der Rock-, Metal- und Punk-Club sein 15-jähriges Jubiläum. Clubbesitzer Peter Siewert blick zurück auf die 15-jährige Geschichte einer Diskothek, die als reine Partylocation startete und sich mit den Jahren zum Live-Musikclub wandelte.

„Wir sind schon der Dinosaurier unter den Essener Clubs“, lacht Siewert. Die durchschnittliche Halbwertszeit einer Diskothek liege heute bei zwei oder drei Jahren. Das Turock aber ist immer noch da - dank eines treuen Publikums und immer neuen Anpassungen an eine veränderte Zielgruppe.

Am 14. Dezember 2004 stieg am Viehofer Platz 3 die erste Hardrock-Party

Dabei sollte es eigentlich ganz anders kommen. Ursprünglich wollte Siewert in dem Altbau am Viehofer Platz 3, dort, wo nun jedes Wochenende harte Beats wummern, ein alternatives Jugendzentrum eröffnen. „Das Haus gehörte damals der Awo, ich war in der Awo aktiv“ - da habe die Idee nahegelegen.

Doch bald stellte sich heraus, dass keine Kapazitäten für ein solches Projekt da waren. Das Gebäude hatte bereits vorher eine Diskothek beherbergt, das aus einem alten Kino hervorgegangene „Roxy“. Deshalb entschloss sich Szenekenner Siewert, lieber wieder einen Club zu eröffnen - und zwar mit Rock- und Metalmusik. Dann ging alles ganz schnell. Zwei Wochen Vormietrecht wurde ihm gewährt, in dieser Zeit musste vom ersten Businessplan bis zur Finanzierung die gesamte Planung stehen.

In Eigenregie baute Siewert die Räumlichkeiten gemeinsam mit zwei Freunden um - ein halbes Jahr lang, jeden Tag 16 Stunden, wie er sich erinnert. Am 14. Dezember 2004 war es dann soweit: Das Turock ging mit der ersten Hardrock-Party an den Start. „Wir haben damals eine Nische gefüllt“, sagt Siewert heute. „Es gab keinen reinen Rockclub in Essen. Mit dem Turock haben wir den Nerv der Zeit getroffen.“

Schicksal jedes Clubs: Nach einigen Jahren muss man sich Neues einfallen lassen

In der Tat: Am Eröffnungswochenende kamen insgesamt 3000 Besucher. „Die nächsten zwei Jahre liefen super“, so Siewert. Das Turock wurde zum Treffpunkt für Rock- und Metalfans aus dem gesamten Umkreis, fast immer war in dem 600 Menschen fassenden Club volles Haus.

Dann holte das Turock jedoch das Schicksal ein, mit dem jede Disco irgendwann zu kämpfen hat: „Man ist nicht mehr neu und interessant - dann muss man sich andere Sachen einfallen lassen“, so Siewert.

Zwar sei das Metal-Publikum ein treues und einige Besucher kämen schon seit 15 Jahren. Doch die Partygewohnheiten junger Menschen hätten sich verändert. Siewert hat den Eindruck: „Junge Leute gehen nicht mehr feiern. Partys und Alkohol - das entspricht nicht mehr dem Lebensstil des durchschnittlichen 18-Jährigen.“

Auch soziale Medien hätten einen Einfluss auf die Feierkultur. Denn um neue Leute kennenzulernen, müsse man sich heute nicht mehr vom Sofa bequemen und in einen Club gehen, sondern lediglich Facebook oder Instagram aufrufen. Die Folge: „Bei regulären Partys ist es inzwischen schwer, den Club voll zu bekommen“, sagt Siewert.

Erst Live-Musik, dann wird gefeiert - mittlerweile nicht nur mit hartem Rock

Also strukturierte Siewert das Konzept des Clubs um. Zwar kann man im Turock immer noch am Wochenende feiern gehen, die neue Leitlinie lautet aber: Erst ein Konzert, danach Party. „Wir waren früher ein reiner Rock-Club, heute sind wir ein Live-Club“, fasst Siewert zusammen. Weil nur harter Rock und Heavy Metal nicht funktionierte, wurde die musikalische Palette außerdem auf Mainstream-Rock erweitert.

Da das Publikum eventorientierter sei, veranstaltet Siewert zudem mehr Partys zu speziellen Anlässen oder mit Motto, zum Beispiel Achtziger- oder Trash-Pop-Partys. Und schließlich wird der Club mittlerweile auch an an externe Konzertveranstalter, sodass auch schon Blues- und Jazzkonzerte oder ein K-Pop-Event im Turock gastierten. Außerdem gab es bereits Elektro-Partys und Comedy-Veranstaltungen.

Eine ungebrochene Heavy-Metal-Erfolgsgeschichte ist dagegen das Festival „Turock Open Air“, das Siewert seit 2007 veranstaltet. Als Teil von „Essen Original“ gestartet und seit 2017 unabhängig organisiert, zieht das Metal-Event jedes Jahr Zehntausende Besucher an. Internationale Szenegrößen wie Pennywise, Life of Agony und Queensrÿche geben sich die Klinke in die Hand. Die Besonderheit: Der Eintritt zum Turock Open Air ist kostenlos, das Festival finanziert sich ausschließlich über den Getränkeverkauf.

Große Bands sind schon im Turock aufgetreten

Nach 15 Jahren Club- und Festivalgeschichte erinnert sich Siewert besonders gerne an die Momente, als heute bekannte und erfolgreiche Bands wie Volbeat kleine Konzerte auf seiner Bühne spielten - „Besonders wenn man sie später wiedertrifft und sie sich noch an einen erinnern.“

Aber auch den einen oder anderen skurrilen Moment hat Siewert in seiner Zeit als Clubbesitzer und Eventmanager erlebt - zum Beispiel mit Festival-Besuchern, die ihre geliebten Haustiere einfach nicht zu Hause lassen wollten: „Wir hatten hier schon Echsen, Papageien - einmal hat sogar jemand sein Schaf mit aufs Festival gebracht.“ Da laute Bässe nichts für Tierohren sind, weist Siewert darauf hin: „Leute, bitte lasst eure Tiere zu Hause.“

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