Plakatkunst

100 beste Plakate: Folkwang kürt kreative Werbebotschaften

Hintergründig: Viele der ausgestellten Arbeiten offenbaren ihr Anliegen erst auf den zweiten Blick.

Hintergründig: Viele der ausgestellten Arbeiten offenbaren ihr Anliegen erst auf den zweiten Blick.

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Essen.  Museum Folkwang zeigt Ergebnisse des größten Plakatwettbewerbs im deutschsprachigen Raum. Jury wählt aus mehr als 2350 Arbeiten aus.

Sie werben für Lohngleichheit und Literaturfeste, sie begleiten eine Kampagne gegen Rassismus und üben den Widerstand im Plakat. Im tosenden Meer der grellen Bilder, schnellen News und lauten Botschaften sind sie immer noch eine Leuchtbake der konzentrierten Werbeinformation: Plakate.

Die 100 besten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz präsentiert das Museum Folkwang nun im Untergeschoss des Hauses. Aus 2353 eingereichten Arbeiten hat die erstmals rein weiblich besetzte Jury wieder 100 vorbildliche Arbeiten ausgewählt. Sie reichen von farbflirrenden Augenfängern für das Tanztheater von Sasha Waltz bis zur beredten Botschaft für eine Ausstellung zur Stille.

Die Überblicksschau aus dem Reich der plakativen Werbung hat in Essen bereits Tradition. Seit 2008 präsentiert das Museum Folkwang dieses „Best of“, zu sehen war die Plakatschau bereits an unterschiedlichen Orten der Stadt. Im vergangenen Jahr ist nun auch das Archiv des Vereins „100 beste Plakate e.V.“ Berlin in den Bestand des Essener Plakat Museums übergegangen. Ein Gewinn für die langfristige Einordnung, denn Trends seien meist erst nach zwei, drei Jahren abzulesen, sagt René Grohnert, Leiter des Deutschen Plakat Museums.

In diesem Jahr, so Grohnert, haben sich die vielen teils namhaften Gestalter, Agenturen und Design-Büros vermehrt mit Schrift und Typografie beschäftigt. Auch der Anteil der in Schwarz-Weiß gehaltenen Arbeiten sei etwas größer geworden. Ein in dicken schwarzen Lettern aufs Papier geworfene, demonstrative Nein zur Anti-Menschenrechtsinitiative wird da ebenso zum Hingucker wie das kreative Buchstaben-Ballett von Nikolaus Troxler. Und welches Gesicht lässt sich für ein Plakat zum Fake-News-Workshop wohl aussagekräftiger in Szene setzen als US-Präsident Donald Trump – als grauschimmernde Totenmaske.

Plakate werden auch digital animiert

Etwas mehr als die Hälfte der ausgewählten Arbeiten stammt dabei aus der Schweiz (54), 42 Plakate kommen aus Deuschland, vier aus Österreich. Neben Auftragsarbeiten sind auch freie Arbeiten und studentische Entwürfe zu sehen, die Grohnert diesmal nicht gemischt, sondern in unterschiedlichen Kojen präsentiert.

Auch lokale Plakatarbeiten sind vertreten. Die von Urbane Künste Ruhr in Auftrag gegebene Werbung für die Ausstellung von Peggy Buth „Vom Nutzen der Angst“ in Duisburg-Rheinhausen oder Uwe Loeschs souverän mit Typografie und Symbolen spielende Arbeit für die Ausstellung „Krieg. Macht. Sinn“ im Ruhr Museum.

„Mut zur Wut“ fordern die Gestalter Stefan Guzy und Björn Wieder im Offsetdruck, während Eric Andersen die Protest-Hand für den „Widerstand im Plakat“ erhebt. Doch bei aller visuellen Ermutigung für Meinung und Haltung sei die Plakatauswahl diesmal insgesamt weniger politisch, sagt Grohnert. Und weil es auch im Werberaum zunehmend digital animiert zugeht, lässt sich etwa ein Fünftel der Ausstellung mit Hilfe der Artivive App sogar in Bewegung erleben.

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