Tatort

Zehn erstaunliche Fakten über den Kult-Kommissar Schimanski

Lesedauer: 11 Minuten
Erst spät entdeckte die Stadt ihre Liebe zu Schimanski. 2

Erst spät entdeckte die Stadt ihre Liebe zu Schimanski. 2

Foto: Archiv-Foto: Stephan Eickershoff / WAZ

Duisburg.  Gibt es wirklich nur eine Schimmi-Jacke und an wie vielen Orten wurden die Schimanski-Tatorte gedreht? Zehn wissenswerte und erstaunliche Fakten.

Von den einen verehrt, von den anderen gehasst: Als Kommissar Horst Schimanski am 28. Juni 1981 in seinem ersten Tatort auf Sendung ging, polarisierte er. Es wurde sogar gezählt, wie oft er pro Folge „Scheiße“ sagt. Wir haben wissenswerte und erstaunliche Fakten über „Schimmi“ gesammelt:

1. Das sind die Schimanski-Tatorte

28. Juni 1981: Duisburg-Ruhrort (Regie: Hajo Gies)

13. Dezember 1981: Grenzgänger (Regie: Ilse Hoffmann)

7. März 1982: Der unsichtbare Gegner (Regie: Hajo Gies)

27. Juni 1982: Das Mädchen auf der Treppe (Regie: Peter Adam)

12. Dezember 1982: Kuscheltiere (Regie: Hajo Gies)

3. April 1983: Miriam (Regie: Peter Adam)

25. März 1984: Kielwasser (Regie: Hajo Gies)

22. Jul. 1984: Zweierlei Blut (Regie: Hajo Gies)

9. Dezember 1984: Rechnung ohne Wirt (Regie: Peter Adam)

31. März 1985: Doppelspiel (Regie: Hajo Gies)

18. August 1985: Das Haus im Wald (Regie: Peter Adam)

13. April 1986: Der Tausch (Regie: Ilse Hoffmann)

10. August 1986: Schwarzes Wochenende (Regie: Dominik Graf)

28. Dezember 1986: Freunde (Regie: Klaus Emmerich)

8. Juni 1987: Spielverderber (Regie: Pete Ariel)

10. Oktober 1985 (Kino); 27. Dezember 1987 (Fernsehen): Zahn um Zahn (Regie: Hajo Gies)

1. Mai 1988: Gebrochene Blüten (Regie: Hajo Gies)

21. August 1988: Einzelhaft (Regie: Theodor Kotulla)

28. Dezember 1988: Moltke (Regie: Hajo Gies)

9. April 1989: Der Pott (Regie: Karin Hercher)

20. August 1989: Blutspur (Regie: Werner Masten)

3. Dezember 1989: Katjas Schweigen (Regie: Horst Noever)

13. Mai 1990: Medizinmänner (Regie: Peter Carpentier)

5. März 1987 (Kino); 22. Juli 1990 (Fernsehen): Zabou (Regie: Hajo Gies)

2. September 1990: Schimanskis Waffe (Regie: Hans Noever)

28. Oktober 1990: Unter Brüdern (Regie: Helmut Krätzig)

9. Juni 1991: Bis zum Hals im Dreck (Regie: Peter Carpentier)

27. Oktober 1991: Kinderlieb (Regie: Ilse Hoffmann)

29. Dezember 1991: Der Fall Schimanski (Regie: Hajo Gies)

„Für uns war von vorherein klar, dass wir mit Schimanski auch ins Kino wollen. Wir sind ja davon ausgegangen, dass wir vielleicht drei, maximal fünf Filme machen“, erklärt Regisseur Hajo Gies. 29 sind es in der Tatort-Reihe geworden. Für den Fall „Moltke“ erhielt er 1988 den Grimme-Preis. „Wir haben die Figur immer nur aus der Perspektive der Ermittler erzählt. Die Zuschauer wussten also genauso viel wie Schimanski. Es gab keine Nebenhandlungen. Das erschwert den Drehbuchautoren natürlich die Arbeit, weil man sich gut überlegen muss, wie man zum Beispiel aus einer Sackgasse wieder herauskommt“, beschreibt Hajo Gies. Andererseits habe diese Erzählweise dazu geführt, dass sich die Zuschauer viel stärker mit Schimanski identifizieren konnten.

2. 182 Drehorte in Duisburg

Schimanski-Fan Gilbert Götze, der in dem Fall „Schuld und Sühne“ als Komparse mitwirkte, um Götz George alias „Schimmi“ einmal persönlich kennen zu lernen, betreibt den Blog „Schimanski Drehorte“. Er hat zusammengetragen, wo die Szenen der verschiedenen Tatorte, aber auch Schimanski-Filme entstanden sind. Allein für Duisburg sind 182 verschiedene vermerkt. Insgesamt summiert sich die Übersicht auf rund 500. Die Liste reicht von A wie Aachen bis Z wie Zeuthen, aber auch München oder Marseille sind darunter.

Für die Folge „Katjas Schweigen“ wurde zum Beispiel auf der Weinhagenstraße gedreht. Schimanskis Wohnung liegt in dem Fall „Die Schwadron“ am Hamborner Altmarkt und die Weißen Riesen kamen in „Der unsichtbare Gegner“ vor. „Man kann die Liste sowohl nach Fällen als auch nach Orten durchforsten. Ohne Schimanski wäre Duisburg sicher gar nicht so bekannt geworden. Nach Schimanski sind ja noch viele andere Filme hier gedreht worden. Wer weiß, vielleicht hätte Duisburg sonst eher den Rang von Recklinghausen.“

3, Die Schimanski-Jacke

Kritiker regten sich anfangs über den abgeranzten Kleidungsstil von Schimanski auf. Im dritten Fall kauft sich der Ermittler deshalb in der Innenstadt neue Klamotten und verschenkt seinen alten Parka an einen Obdachlosen. Gegen Ende der Ermittlungen trifft er ihn dann wieder, greift sich seine Feldjacke vom Typ M-65 und gibt dem Stadtstreicher lieber die neue Mode.

„Die Kostümbildnerin und ich haben überlegt, was wir der Filmrolle anziehen und an eine Lederjacke gedacht. Doch Götz George wollte unbedingt einen Parka“, erinnert sich Regisseur Gies. Das kam eigentlich nicht in Frage, aber sie einigten sich darauf, die Schulterklappen zu entfernen und die Jacke auf diese Weise zu demilitarisieren. „Immerhin war der Parka praktisch, weil er viele Taschen hatte und „Schimmi“ auch mal ein Beweisstück einstecken konnte“, so Hajo Gies.

Sobald man sich auf eine Ausstattung fest gelegt hatte, wurde das Outfit in fünffacher Ausfertigung angeschafft. Eine der Schimanski-Jacken hängt als Erinnerung aktuell im Filmforum.

4. Das Kult-Auto

Anfangs fährt Schimanski noch mit unterschiedlichen Fahrzeugen. Als ihn jedoch ein Fall nach Marseille führt, kehrt er mit einem Citroën CX zurück. „Mit dem konnte man auch ganz schöne Action-Szenen drehen“, weiß Hajo Gies.

Fan Gilbert Götze ist übrigens stolzer Besitzer eines solchen Autos. Es steht aktuell bei Haniel in der Tiefgarage und wird ab und zu im Rahmen von Schimmi-Touren besucht. Auf der Sonnenblende hat sich Götz George übrigens 2013 verewigt, als er in Ruhrort und im Rathaus für den Film „Loverboy“ drehte.

5. Die Horst-Schimanski-Gasse

Die Gasse, die vom Leinpfad abzweigt ist zwar nur 30 Meter lang und war bis 2013 namenlos, doch gab es mächtig Streit um den Weg. Politiker der Bezirksvertretung Homberg-Ruhrort-Baerl hatten überlegt, die kleine Straße als „Schimmi-Gasse“ eintragen zu lassen. Doch das städtische Amt für Baurecht legte sich quer. Unter anderem wurde eine Verwechslungsgefahr mit einem weiteren berühmten „Schimmi“ aus dem Ruhrgebiet befürchtet, dem ehemaligen Fußballnationalspieler Horst Szymaniak. Eine Gruppe strickender Duisburger hatte damals ein Straßenschild aus Wolle angebracht, um für den neuen Namen einzutreten.

Nach weiteren Debatten, in denen es etwa darum ging, ob eine Gasse nach einem fiktiven Charakter benannt werden kann, setzten sich die Politiker schließlich durch. Seitdem ist das Straßenschild ein beliebtes Fotomotiv. Die Filmproduktionsfirma Bavaria, die die Rechte an „Schimanski“ hält, hatte jedenfalls keine urheberrechtlichen Einwände.

6. „Scheiße“ und andere Schimpfwörter

Schimanski wurde oft als „Rüpel-Kommissar“ bezeichnet. Allein während der Ausstrahlung der ersten Folge hagelte es Beschwerden über die Ausdrucksweise. Nachdem die Bild-Zeitung regelmäßig veröffentlichte wie oft das Wort „Scheiße“ gefallen war, führte Schimanskis Kollege Thanner zeitweise selbst eine Strichliste: „Bis jetzt hast du 18 Mal Scheiße gesagt“, sagt er zu Schimanski.

Regisseur Hajo Gies hatte die Schelte kommen sehen: „Wir waren auf Zoff aus. Schimanski sollte der Anti-Derrick sein.“

7. Schimanski und sein Team

Eberhard Feik spielte den weitaus korrekteren Kommissar Thanner. Ab dem dritten Folge stieß außerdem Chiem van Houwenige alias „Hänschen“ dazu. „In jedem Krimi braucht man jemanden, der eher sachlich die Fakten vorträgt. Chiem war eigentlich als Drehbuchautor und Schauspieler in den Niederlanden engagiert. Der niederländische Akzent hat für deutsche Ohren einen schönen Klang und so konnten wir damals schon Themen wie Zuwanderung in den Fällen aufgreifen“, erklärt Hajo Gies.

8. Besondere Gast-Auftritte bei Schimanski

In den Schimanski-Tatorten sowie in der nachfolgenden Reihe „Schimanski“ traten auch einige Schauspieler auf, die bereits als Ermittler im Tatort gespielt hatten oder später Kommissare wurden. Klaus J. Behrendt war 1990 in Duisburg zu sehen, bevor er 1992 selbst Ermittler im WDR wurde. Miroslav Nemec war 1988 in einem Fall zu sehen - inzwischen versieht er selbst Dienst in München.

9. Schimanski und Duisburgs Schmuddel-Image

Viele Jahre regten sich Politiker darüber auf, dass in den Duisburger Tatorten vorwiegend dreckige Ecken und die Brüche der Stadt gezeigt werden. Der im Jahr 2015 Zeitzeuge Manfred Kleinrahm war oft bei den Dreharbeiten dabei und sorgte dort für die Sicherheit. Bei einer der Schimmi-Touren erinnerte er sich einmal: „Das wichtigste Utensil war der Feuerwehrschlauch. Regen musste sein. Wenn die Straßen nass gespritzt waren, glänzten auch die Augen des Kameramannes.“

Oberbürgermeister Sören Link ist das erste Stadtoberhaupt, das halbwegs entspannt mit dem Kult-Kommissar umgeht. „Schimmi ist Kult und mir über Jahrzehnte ans Herz gewachsen. Dass die Produktionsfirma damals lieber bei tristem Regenwetter,statt bei Sonnenschein gedreht und so manche Schmuddelaufnahme gar nicht in Duisburg, sondern in Köln oder München entstanden ist, gehört einfach zum Fernsehgeschäft mit dazu.“

10. Nach Schimanski kommen andere Kommissare nach Duisburg

Mittlerweile werden auch andere Krimi-Formate in Duisburg gedreht. 2018 verlegte das Dortmunder Tatort-Team seine Ermittlungen in den Landschaftspark. Die Ruhrpott-Wache funktioniert das Radio-Museum um, hat aber auch in Neudorf gedreht. Unlängst teilte die ARD mit, dass am Innenhafen die neue Vorabendserie „Wapo Duisburg“ gedreht werden soll. Die Polizei Duisburg ist allerdings nur mäßig begeistert. „Wir werden zwar informiert, wenn Dreharbeiten stattfinden. Nach einem Blick ins Drehbuch war mir klar, dass das nicht viel mit dem dienstlichen Alltag unserer Wasserschutzpolizei zu tun hat. Ich kann mir diese Serie im Vorabendprogramm durchaus unterhaltsam vorstellen – sie bildet nur nicht die Wirklichkeit ab“, sagt Polizeipräsidentin Dr. Elke Bartels.

„Es war nicht unsere Absicht, dass in Duisburg so viele Krimis gedreht werden“, versichert Regisseur Hajo Gies. Im Gegenteil: Er findet, dass es mittlerweile zu viele Tatort-Formate gebe. Aus seiner Sicht könne es nur eine Ermittlerin mit „Schimmi“ aufnehmen: Adele Neuhauser alias Bibi Fellner, die an der Seite von Harald Krassnitzer in Wien unterwegs ist.

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