Schule

Wo in Duisburg mit Fantasie eine neue Schule erschaffen wird

Gemeinsam entsteht die Vision einer neuen Schule: Hier noch auf dem Spielplan mit verschiedenen Karten. Nach der Machbarkeitsstudie werden die Ideen dann Wirklichkeit - vielleicht.  

Gemeinsam entsteht die Vision einer neuen Schule: Hier noch auf dem Spielplan mit verschiedenen Karten. Nach der Machbarkeitsstudie werden die Ideen dann Wirklichkeit - vielleicht.  

Foto: Monique de Cleur

Duisburg-Huckingen.   An der Sekundarschule am Biegerpark können Schüler, Lehrer und Angestellte ihren Träumen zu einer idealen Schule freien Lauf lassen.

Danials Lieblingsinsel heißt nicht Mallorca oder Malediven, sie heißt Bühneninsel. Und die liegt nicht in einem Meer, sondern in einem Land, das keine Fluglinie ansteuert, und in das doch an diesem Tag die Sekundarschule am Biegerpark reist: Im Land der Fantasie. Mittels ihrer Vorstellungskraft erschaffen Schulleitung, Lehrer, Eltern und Schüler heute eine neue Schule. Und mit Hilfe der Baupiloten. Aus dem Traum mit der Bühneninsel könnte schon bald Realität werden.

Mit vollem Namen heißt die Bühneninsel „Flexibel Musik machen auf der Bühne“. Sie ist eine von sieben Inseln, die eine Gruppe um Schulleiter Pavle Madzirov, Lehrerin Corinna Stante und Schüler Danial Rashid (14) erarbeitet hat. Oder eher: erspielt. Denn die Baupiloten, ein Berliner Architekturbüro, lassen in ihrem Schulvisionenspiel alle, die mit Schule zu tun haben – vom Hausmeister bis zum Schuldirektor – die Schule gestalten, in der sie gerne lernen, organisieren, unterrichten würden. Unrealistisch? Nicht unbedingt.

Baupiloten sind an zehn Schulen in Duisburg im Einsatz

An zehn Schulen in Duisburg sind die Baupiloten zurzeit im Einsatz (siehe Kasten). In der Visionenwerkstatt zu Beginn wollen sie herausfinden: „Was sind die Wünsche und Bedürfnisse der Schüler, unabhängig von den Gebäuden?“, so formuliert es Baupilotin Dominique Esterl. In mehreren Gruppen, immer gemischt, spielen die Mitglieder der Sekundarschule Am Biegerpark mit Ideen. Die verschiedenen Ergebnisse bringen die Baupiloten später in Einklang, entwickeln daraus Orte und entwerfen ein Raummodell. Wie wäre es etwa mit einer „draußen-Traum-Oase“ auf dem Schulhof? Abgeglichen mit den Vorgaben der Stadt, entsteht daraus eine Machbarkeitsstudie und schließlich eine Handlungsempfehlung. Und vielleicht eine neuartige Schule.

„Reißt in Euren Köpfen Wände ein“, fordert eine Aktionskarte die Spieler auf. Und rennt damit beim Schulleiter offene Türen ein: „Wir haben geschlossene Räume und ein offenes Konzept.“ Das soll sich ändern; nicht nur am neuen Standort Beim Knevelshof, auch am Hauptstandort. Madzirov ist begeistert davon, dass wirklich alle, die an der Sekundarschule Schule machen, ihre Ideen einbringen können: „Solange sich Punkte daraus wiederfinden, kann das motivieren und Akzeptanz wecken.“

Die Motivation fürs Spiel ist jedenfalls da. Was würdest Du gerne machen?, fragt eine Aktionskarte und gibt Möglichkeiten vor von Essen bis Erfinden, von draußen Lernen und Arbeiten bis Flirten. Drei bis vier davon darf jeder Mitspieler aussuchen und auslegen. „Das ist aber wenig. Ich hätte gerne zehn“, sagt Lehrerin Stante mit Blick auf die Kärtchen.

Bedarfe erkennen mit dem Schulvisionenspiel

Zumindest in dieser Gruppe greifen die Lehrer nach den kreativeren Karten, Schüler Danial nach denen, die man eher mit Schule schon heute verbinden würde. Daniel liest einige Möglichkeiten vor: „Frühstücken: sehr wichtig. Essen: sehr wichtig. Genießen? Naja.“ Genießen und Schule, das passt eben nicht zusammen. Jedenfalls noch nicht.

Bei der Gestaltung der Bühneninsel legt auch Danial begeistert Karten an. Kein Wunder, „ich spiele selber fünf Instrumente“. Das Visionenspiel gefällt ihm: „Man muss seiner Fantasie freien Lauf lassen, sich austauschen, kreativ sein.“ Das kommt an. Aber funktioniert das auch in der Realität?

Das Schulvisionenspiel soll „nicht nur eine Wunschliste generieren, sondern auch rausfinden: Was muss unbedingt da sein, was ist mehr ein Goodie?“, erklärt Dominique Esterl von den Baupiloten. Schulleiter Madzirov betrachtet das Ganze bei aller Begeisterung fürs Konzept aber auch nüchtern: „Die Enttäuschung kommt, wenn die Machbarkeitsstudie da ist“, fürchtet er. Die Baupilotin lacht: „Hoffentlich nicht!“ So eine Bühneninsel jedenfalls würde die Enttäuschung bestimmt überstimmen. Oder eine einladende Freunde-treffen-Wolke. Oder ... oder ... oder ...

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