Digitaler Unterricht

Tablet-Pilotprojekt bleibt hinter den Erwartungen zurück

Lars Görtz, Laura Schlimme und Tristan Thierfelder hatten Spaß bei der Arbeit mit den Tablets. Kritik äußern die Schüler aber durchaus auch.

Foto: Lars Fröhlich

Lars Görtz, Laura Schlimme und Tristan Thierfelder hatten Spaß bei der Arbeit mit den Tablets. Kritik äußern die Schüler aber durchaus auch. Foto: Lars Fröhlich

Duisburg-Huckingen.   Am Mannesmann-Gymnasiums gab’s für eine Klasse ein Jahr lang Unterricht mit Tablets. Am Anfang war die Euphorie groß – jetzt die Ernüchterung.

Es sollte ein Schritt in Richtung Unterricht der Zukunft sein: Ein Schuljahr lang hat eine Klasse des Mannesmann-Gymnasiums im Unterricht mit Tablets gearbeitet. Ein Pilotprojekt, ermöglicht durch den Sieg bei einem Wettbewerb der Bezirksregierung. Die Bilanz kurz vor den Sommerferien kann mit der Anfangs-Euphorie allerdings nicht mithalten.

Wobei feststeht: Spaß gemacht hat das Experiment, Lehrern wie Schülern. „Wenn es sonst in Deutsch heißt: Lest den Text auf Seite 143, macht man das, weil man muss. Auf dem Tablet liest man den Text viel lieber“, hat Schüler Lars Dörtz aus der 9e festgestellt. Diesen Eindruck bestätigt Lehrer Marc Schefels, der das Konzept für den Tablet-Unterricht zusammen mit zwei Kollegen ausgearbeitet hat: „Ich schreib’ das Gleiche hin wie an der Tafel, und die Schüler finden alles viel besser.“ Die Tablets steigern also die Motivation. Das ist ein Vorteil – eine Revolution des Unterrichts ist es nicht.

Der größte Vorteil des Tablets: Recherche im Unterricht

In diese Kategorie fallen auch die übrigen Vorteile, die Schüler und Lehrer beobachtet haben. Gab es am Anfang hochfliegende Pläne – Bewegungsabläufe im Sportunterricht filmen und im Physikunterricht analysieren – landete man im Unterricht bald auf dem Boden der Tablet-Tatsachen. Der größte Vorteil ist rein praktischer Natur: „Man muss nicht immer in den Computerraum gehen, um zu recherchieren“, benennt Schüler Tristan Thierfelder den größten Vorteil der Wisch-Computer. Das wäre ohnehin schwierig; der PC-Raum ist fast immer gebucht. Wäre aber auch für andere Klassen als die naturwissenschaftliche Profilklasse mit WLAN in ihrem Raum schwierig: Ein ganzes Gebäude des MMG ist noch ohne drahtlosen Internetanschluss. Und selbst, wenn die Klasse WLAN hat: „Wenn 20 Leute gleichzeitig bei Youtube ein Video gucken, geht die Leitung in die Knie“, sagt Tristan.

Das Tafelbild lässt sich dank Tablet digital archivieren

Da werden die kleineren Vorteile zum netten Beiwerk; nicht zur Grundlage eines künftigen, digitaleren Unterrichts. Immerhin: Das am Tablet erstellte und an die Wand projizierte Tafelbild lässt sich, digital archiviert, jederzeit noch mal angucken. Außer in Sport und den Wahlpflichtfächern kamen die Tablets in allen Fächern zum Einsatz: Hier mit einer App zum Periodensystem der Elemente, da mit einer App zum Vokabel lernen, dort mit Online-Tests.

Eine gute Ergänzung für den Untericht, so fällt das Fazit der Testklasse und ihrer Lehrer aus. Aber: nicht mehr. Lehrer Schefels findet: „Das Tablet ist weit davon entfernt, ein Ersatz für Schulbuch und Heft zu sein.“ Es fehlt an originär digitalen Unterrichtsformaten. Das fängt bei den Schulbüchern an: Es gibt sie zwar als Datei; interaktiv sind sie aber nicht – sie bilden nur digital ab, was sonst analog auf dem Pult liegt.

„Digitalisierung alleine macht keinen guten Unterricht“

„Digitalisierung alleine macht keinen guten Unterricht“, so fasst es Marc Schefels zusammen. Der Weg in die Zukunft ist eben noch weit. Und das MMG ist dabei auf andere angewiesen – eben zum Beispiel auf die Schulbuchverlage. Die Schritte, die das Gymnasium selber gehen kann, will es aber auch weiterhin setzen: Das Tablet-Projekt wird’s im nächsten Schuljahr für eine andere Klasse geben.

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