Volkshochschule

Auf Spurensuche am Fliegerberg

Helmut Lemhuis (l.) zeigt Teilnehmern der Exkursion alte Fotos.

Helmut Lemhuis (l.) zeigt Teilnehmern der Exkursion alte Fotos.

Foto: WAZ FotoPool

Bissingheim.   Fast mehr als die Natur interessierte die Teilnehmer an einer Exkursion im Wald bei Bissingheim, was es mit dem Fliegerberg in der Zeit des Nationalsozialismus auf sich hatte. Zeitzeugen sorgten dabei für Aufklärung.

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Die weitgehend unbekannte Vergangenheit des „Fliegerbergs“ interessierte die Leute fast mehr als die Natur im östlich von Bissingheim liegenden Waldgebiet. Das Thema der letzten VHS-Exkursion im Rahmen der Duisburger Umwelttage, „Der Fliegerberg, Spuren aus der Vergangenheit und Gegenwart“, sorgte bereits am Treffpunkt vor der ehemaligen evangelischen Kirche am Märchenweg für rege Gespräche. Mit Otto Kleinholz (84) war sogar ein Zeitzeuge dabei.

Der Rentner, der jetzt in Huckingen wohnt, hat selbst eines der beiden dort stationierten Segelflugzeuge geflogen. „Unter der NS-Herrschaft wurden dort Jugendliche an den Segelsport herangeführt“, erzählt er. „Der Hintergrund war natürlich klar, man hatte dabei die Nachwuchs-Gewinnung für die Luftwaffe im Sinn.“

Flugzeugbau im Bahn-Ausbesserungswerk

Helmut Lemhuis (76) aus Wedau hat ein altes Fotoalbum seines Vaters dabei, der die Flugzeuge mit gebaut hatte: „Das geschah damals im Ausbesserungswerk der Reichsbahn in Wedau.“

Auf dem Weg zum „Fliegerberg“, der jenseits der A 3 eigentlich schon Mülheimer Gebiet liegt, erklärt Exkursionsleiter Martin Scholz, dass vor 15 000 Jahren der Rhein auch hier seine Spuren hinterlassen hat. „Das war ein gigantischer Urstrom in einer Breite bis zum heutigen Venlo. Der Fliegerberg ist eine Anschwemmung aus dieser Zeit.

Nach dem Krieg aufgeforstet

„Wie alt ist wohl der Baumbestand hier?“, fragt der Naturfachmann die Teilnehmer, als man sich noch in dem Waldstück unterhalb des Fliegerbergs befindet. Otto Kleinholz weiß, dass dort früher auf einer großen freien Fläche der Landeplatz für die Segelflugzeuge war. „Wir sind ja zu Schulungszwecken nur eine kurze Strecke geflogen und direkt nach dem Start wieder gelandet“, erinnert sich der frühere Segelflugpilot. Klarheit über den Zeitraum der Aufforstung bringt die Messung des Umfangs einer Buche. Teilnehmer Edwin Fuchs meldet „130 Zentimeter“. „Bei Buchen muss man diese Zahl durch zwei teilen, dann hat man ziemlich genau das Alter“, erklärt Scholz. Das so ermittelte Alter deckt sich mit den Aussagen der älteren Teilnehmer, die sich erinnern, dass die Aufforstung Ende der vierziger Jahre begannen.

Der Fliegerberg, im Winter beliebte Rodelstrecke, wurde wegen seines sandigen Bodens nicht wieder aufgeforstet. Auf dem mageren Sandboden finden Birken, Borstgras, Farne und die gerade wunderschön blühende Besenheide ideale Bedingungen. Manfred Haverkamp fühlt sich nach der zweistündigen Führung gut informiert. „Toll, dass wir heute so viel erfahren haben“.

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