Wenn Uwe Koschinat am Sonntag mit Rot-Weiss Essen auf den 1. FC Saarbrücken (Sonntag, 16.30 Uhr, Magenta Sport) trifft, ist es ein Duell mit doppeltem Spannungsbogen: persönliche Vergangenheit – und ein Gegner, der aktuell mit sich selbst kämpft.

Koschinats Zeit im Saarland war solide, aber letztlich unvollendet. Nach seinem Amtsantritt 2021 stabilisierte er den Klub im oberen Tabellenbereich, doch der große Wurf Richtung 2. Liga blieb aus. Nach 15 Monaten und einem Punkteschnitt von 1,52 endete die Amtszeit des 54-Jährigen beim einstigen Bundesligisten. Nun steht er mit Essen auf der anderen Seite – und trifft auf einen Verein, der sich seitdem eher rückwärts entwickelt hat.

Rot-Weiss Essen: Saarbrücken im Dauer-Umbruch – vom Fast-Aufsteiger zum Kellerkind

Denn die aktuelle Situation beim FCS ist geprägt von Unruhe und Umbruch. In dieser Saison hat Saarbrücken bereits drei Trainer verschlissen: Auf Alois Schwartz folgte zunächst der eigentliche Sportchef Jürgen Luginger, ehe im Februar mit Argirios Giannikis bereits der dritte Coach übernahm.

In der Saison 2022/23 gastierte Koschinat noch als Saarbrücker Trainer an der Hafenstraße.
In der Saison 2022/23 gastierte Koschinat noch als Saarbrücker Trainer an der Hafenstraße. © Firo

Der Wechsel war eine direkte Reaktion auf die sportliche Krise – Saarbrücken steckt mitten im Abstiegskampf und musste die sportliche Führung sogar komplett neu aufstellen. Giannikis kam mit der klaren Aufgabe, den Absturz zu stoppen. Kurzzeitig schien das auch zu funktionieren, etwa beim ersten Sieg nach monatelanger Durststrecke zum Auftakt gegen Stuttgart II Ende Februar (2:0). Doch nachhaltig stabilisiert hat sich der FCS bislang nicht.

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Im Gegenteil: Die Mannschaft schwankt weiterhin zwischen ordentlichen Ansätzen und ernüchternden Ergebnissen. Das zeigt sich auch in der Rückrunde. Saarbrücken holt zwar punktuell Ergebnisse, lebt dabei aber häufig von der Schwäche der Konkurrenz. Denn mit Ulm, Havelse und Aue wird kein wirklicher Druck von den unteren Plätzen erzeugt. Das jüngste 0:0 gegen 1860 München passt ins Bild: engagiert, mit Chancen – aber ohne die nötige Effizienz, um Spiele konsequent zu gewinnen.

RWE: Zwei Teams mit unterschiedlichen Ansprüchen – Saarbrücken hingt den eigenen weit hinterher

Besonders bemerkenswert ist dieser Absturz mit Blick auf die Vorsaison: Damals spielte Saarbrücken noch um den Aufstieg in die 2. Bundesliga und stand in den Relegationsspielen gegen Eintracht Braunschweig. Hauchzart schrammten die Saarländer am Aufstieg vorbei. Die Braunschweiger retteten in der Verlängerung des Rückspiels den Klassenerhalt. Das Tor zur Zweitklassigkeit stand dem FCS somit sehr weit auf. Heute kämpft der Klub darum, überhaupt in der Liga zu bleiben – ein drastischer Bruch innerhalb weniger Monate.

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Für Rot-Weiss Essen ergibt sich daraus eine klare Ausgangslage. Das Hinspiel im Saarland konnte RWE bereits mit 3:2 für sich entscheiden – ein wichtiger Sieg, der den eigenen Lauf mit angeschoben hat. Franci Bouebeari war zu dieser Zeit der umjubelte Siegtorschütze in der 90. Minute. Nun kommt Saarbrücken an die Hafenstraße, und die Rollen sind klar verteilt: Hier ein Team mit sehr großen Aufstiegsambitionen, dort ein verunsicherter Gegner im Dauer-Umbruch und weiterhin einen kleinen Abstiegsangst. Denn die Saarbrücker haben zwar mit 38 Punkten sechs Zähler Vorsprung auf Ulm (32) samt dem besseren Torverhältnis, müssen aber am Wochenende nachlegen. Da könnte der Abstand schon wieder geschrumpft sein.

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Für Koschinat ist es damit mehr als nur ein Wiedersehen. Es ist die Chance, gegen seinen ehemaligen Verein zu zeigen, wie weit sein aktuelles Team ist – und vielleicht auch, wie weit sich Saarbrücken seit seiner Zeit von den eigenen Ansprüchen entfernt hat.