Vier Spieltage vor dem Saisonende hätte wohl kaum jemand damit gerechnet, dass der 1. FC Saarbrücken noch mitten im Abstiegskampf der 3. Liga steckt. Sechs Punkte beträgt der Vorsprung auf die gefährliche Zone – ein Polster, das trügerisch sein kann. Ausgerechnet jetzt geht es am Sonntag (26. April, 16.30 Uhr) zur formstarken Mannschaft – sieben Siege aus den letzten acht Spielen – von Rot-Weiss Essen an die Hafenstraße.

Wöchentlich

Rot-Weiss Essen-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!

Spielberichte, Transfergerüchte, Analysen, Interviews: Das Wichtigste zu RWE.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Diese Redaktion hat vor der Partie mit einem gesprochen, der die Lage bestens einschätzen kann: Jürgen Luginger. Der 58-Jährige war von Juli 2020 bis Februar 2026 erst Sportchef, später Trainer in Saarbrücken – und ist trotz seiner Freistellung noch bis zum 30. Juni 2026 an den Klub gebunden. Er lebt weiterhin mit seiner Familie in Saarbrücken, verfolgt das Geschehen also aus nächster Nähe.

Rot-Weiss Essen: Gegner Saarbrücken besser als der Tabellenplatz?

Und Luginger stellt direkt klar: „Natürlich hätte keiner gedacht, dass es ein Spiel wird, in dem es für den 1. FC Saarbrücken um den Abstieg geht. Viele hätten eher erwartet, dass das am 35. Spieltag ein Topspiel ist. Dass Rot-Weiss Essen um den Aufstieg spielt, war nahezu klar. Aber der FCS wird nicht absteigen.“

3.Liga: Borussia Dortmund II - 1.FC Saarbruecken
Jürgen Luginger bei MagentaSport. Sein langjähriger Arbeitgeber Saarbrücken ist am Sonntag zu Gast bei Rot-Weiss Essen an der Hafenstraße.© FUNKE Foto Services | Stefan Rittershaus

Klare Worte. Für Luginger liegt das Problem nicht in der Qualität des Saarbrücker Kaders: „Saarbrücken hat einen guten Kader. Leider wurde daraus in dieser Saison keine echte Mannschaft. In vielen Spielen hat auch das Glück gefehlt.“ Besonders die Chancenverwertung sei ein entscheidender Faktor gewesen: „Die war einfach schlecht, wie auch im Hinspiel gegen Essen (2:3). Wenn ich mich daran erinnere – Wahnsinn.“

243019_1268_cover.jpg
Rot-Weiss Essen entgleitet denkwürdiges Spiel in Cottbus: Fiasko zum Ende, Ärger um Wollitz
Vonne Hafenstraße - Inside RWE
 

Während Saarbrücken also um den Klassenerhalt kämpft, geht es für Rot-Weiss Essen um den nächsten Schritt im Aufstiegsrennen. Trotz des jüngsten Rückschlags – dem spektakulären 3:5 bei Energie Cottbus – sieht Luginger keinen Grund zur Panik: „RWE war auch in diesem Spiel bis zur 70. Minute sehr stabil. Die letzten 20 Minuten haben sie sich von der Wucht und einem überragenden Tolcay Cigerci beeindrucken und einfach überlaufen lassen.“

+++ RWE: Kein Teil mehr des Teams – Essen hat das traurige Kapitel Mause beendet +++

Luginger warnt Rot-Weiss Essen vor Saarbrücken

Für ihn ist klar: Die Niederlage wird bei RWE keine nachhaltigen Spuren hinterlassen. „Der Kader ist mit erfahrenen Spielern gespickt. RWE wird das abschütteln.“ Doch er warnt auch: „Essen muss auf Saarbrücken aufpassen. Wie gesagt: Da sind viele gute Spieler im Team. In einem Spiel ist alles möglich. Der FCS kann auch an der Hafenstraße gewinnen.“

In einem Spiel ist alles möglich. Der FCS kann auch an der Hafenstraße gewinnen.

Jürgen Luginger, ehemaliger Trainer 1. FC Saarbrücken

Luginger legt sich im Aufstiegsrennen zumindest auf einen Kandidaten fest: „Der VfL Osnabrück wird aufsteigen.“ Dahinter aber bleibt es laut Luginger offen: „Ob dann Rot-Weiss Essen, MSV Duisburg, Energie Cottbus oder Hansa Rostock folgen werden, weiß ich nicht. Das ist noch eine echte enge Kiste.“

Rot-Weiss Essen - 1. FC Saarbrücken
Führt Uwe Koschinat Rot-Weiss Essen zum Aufstieg in die 2. Bundesliga?© FUNKE Foto Services | Thorsten Tillmann

Der Ex-Profi, der 84 Spiele in der 1. und 370 Begegnungen in der 2. Bundesliga bestritt, richtet im RS-Gespräch auch den Blick auf zwei seiner früheren Stationen – FC Schalke 04 und Rot-Weiß Oberhausen.

„Schalke ist Erster – Gott sei Dank“

Beim FC Schalke 04 zeigt er sich erleichtert: „Schalke ist Erster – Gott sei Dank. Sie machen es als Mannschaft sehr gut. Sie schaffen es dieses Jahr und werden aufsteigen.“ Besonders die mannschaftliche Geschlossenheit hebt er hervor: „Sie sind sehr stabil. Auch den Edin-Dzeko-Ausfall haben sie gut kompensiert. Trainer Miron Muslic hat einfach ein Team geformt.“ Für die Zukunft ist seine Einschätzung bodenständig: „In der Bundesliga geht es dann um den Klassenerhalt. Von mehr darf Schalke aktuell nicht träumen – das gilt auch für die Fans (lacht).“

Und auch für Rot-Weiß Oberhausen hat er warme Worte übrig: „Oberhausen spielt einen sehr guten Fußball. Es wird eng – da kommt es auf die Nerven an. Ich drücke RWO die Daumen.“