Da lagen die beiden Trainer der Bundesliga-Judoka von der Sport-Union Annen mit ihrer Prognose zum Auswärtskampf beim UJKC Potsdam ja mal ziemlich weit daneben. Angesichts der argen personellen Schieflage sahen sie vorab kaum eine reelle Chance in Brandenburg. Doch die Wittener zeigten eine erstklassige Moral, machten es dem erklärten Favoriten schwer und ärgerten sich am Ende sogar mächtig über eine vermeidbare 6:8-Niederlage. „Ein Punkt war da für uns allemal drin“, stellte Marcel Haupt fest.
„Da sieht man mal, welches ungeheure Potenzial in unserer Truppe schlummert“, gab der SUA-Trainer beinahe ein wenig ehrfürchtig zu Protokoll. Denn damit, dass man den Potsdamern durchweg ebenbürtig sein würde, hatten weder Haupt noch sein Kollege Oldenburg gerechnet. „Potsdam hat hier alles aufgefahren, ist mit vier Ausländern über die Waage gegangen“, berichtete Marcel Haupt. Während bei den Wittenern eine ganze Reihe von Top-Athleten nicht zur Verfügung stand - u. a. der Niederländer Simeon Catharina und der Belgier Matthias Casse. Beide gewannen am Samstag bei der Europameisterschaft in Montenegro die Bronze-Medaille in ihrer jeweiligen Gewichtsklasse. „Da hatten wir wenigstens doch etwas zu feiern“, so Haupt, der die Finalkämpfe mit dem gesamten Team in Brandenburg via Internet verfolgt hatte.
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Vielleicht waren diese Podestplatzierungen ihrer Clubkollegen ein Anreiz für die SUA-Judoka, gegen den UJKC noch ein paar Prozent mehr Leistung aus sich herauszukitzeln. Denn nach den ersten sieben Kämpfen hieß es gerade mal 4:3 für die Potsdamer - das ließ noch alles offen für den zweiten Durchgang. Und es wäre sogar noch mehr drin gewesen. „Wenn es nicht ein paar recht unglückliche Entscheidungen des Kampfgerichts gegeben hätte. Die haben jedenfalls nicht ihren besten Tag erwischt“, ging Haupt kritisch mit den Unparteiischen ins Gericht.
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Für die drei SUA-Zähler in Abschnitt eins sorgten Maurice Püchel (-90 kg), der Niederländer Luka Tsjakadoea (-60 kg) und Alexander Gabler (-81 kg). „Maurice hat das richtig stark gemacht. Drei Wurfansätze, drei Wertungen - stark“, lobte Haupt nach dessen vorzeitigem Sieg gegen Louis Riedel. Neuzugang Tsjakadoea fertigte Arthur Berger in gerade mal 13 Sekunden spektakulär ab, kassierte für seine forsche Kampfesführung ein Lob vom Coach. Und Gabler machte gegen den Georgier Kote Kabanadze einen Waza-ari-Rückstand wett, glich schnell aus und legte eine zweite halbe Wertung nach.
Ein Punkt war da für uns allemal drin. Da sieht man mal, welches ungeheure Potenzial in unserer Truppe schlummert.
Marcel Haupt,, Trainer der Bundesliga-Judoka von der SU Annen
Dass Silvan Bulthuis (+100 kg) gegen Marvin Belz nach einem fragwürdigen Unparteiischen-Urteil unterlag, passte den Annenern hingegen gar nicht. „Kurz vor dem Ende hat Silvan seinen Gegner klar geworfen, das war definitiv eine Wertung“, so Marcel Haupt. Sahen die Referees aber anders, nahmen den Yuko zurück - und im „Golden Score“ schaffte Belz dann den kleinen Punktvorteil, der ihm zum Erfolg reichte.

Vor dem zweiten Abschnitt wollten die personellen Veränderungen (drei Wechsel müssen vorgenommen werden) wohl überlegt sein, denn bei diesem knappen Rückstand hatte die SU Annen unerwartet noch alle Optionen. Einer der neu ins Team gekommenen, Leon Philipp (-73 kg) sorgte gegen Noel Schmidt für den vierten Annener Zähler. Nach der anschließenden Niederlage für Maurice Püchel gegen den Spanier Daniel Nieto Trinidad hieß es 4:6. Doch bald war der Gleichstand wieder hergestellt, weil Tsjakadoea (diesmal in 37 Sekunden) und nun auch Bulthuis, der im erneuten Gefecht gegen Belz nun taktisch cleverer vorging, ihre Punkte einstrichen.
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Sicher geglaubten Punkt für Alexander Gabler kassiert das Kampfgericht ein
Auch wenn sich die Wittener wohl selbst mal kurz kneifen mussten, aber es hieß tatsächlich 6:6 - und jetzt folgte der zweite Auftritt von Alexander Gabler. Gegen Joseph Lehniger war er klar favorisiert, setzte auch einen erfolgreichen Würgegriff an, der Potsdamer gab zeitig auf. „Dabei soll aber eine unerlaubte Aktion im Spiel gewesen sein“, so Haupt. Nachvollziehen konnte Annens Trainer diese Bewertung und die Rücknahme des SUA-Siegpunktes nach eingehender Betrachtung der Video-Aufnahme nicht. Stattdessen erhielt Gabler seine zweite Bestrafung, stand somit unter Zugzwang. „Dann hat er leider einen kleinen Fehler gemacht, ist gekontert worden“, berichtet Marcel Haupt zerknirscht. Statt des sicheren Remis wurde es nun doch eine Niederlage, weil im finalen Duell Florian Kosch (-100 kg) wie erwartet ohne Chance gegen DJB-Auswahlkämpfer Tim Schmidt war. „Trotzdem: Der Auftritt unserer Mannschaft ist sehr positiv zu bewerten. Am Ende haben in den offenen Duellen Kleinigkeiten für Potsdam entschieden“, so Annens Trainer.



