Das ganz große Ziel haben Deutschlands beste Dreiband-Billardspieler Ronny Lindemann (BCC Witten) und Martin Horn (BC Int. Berlin) verpasst. Bei der Europameisterschaft in der Türkei scheiterte das als Titelverteidiger angetretene Duo am Mittwoch überraschend schon im Viertelfinale. In der Bundesliga wird der Wittener ab der kommenden Saison für einen Rivalen aus dem Ruhrgebiet antreten. Nach 25 Jahren in einem Verein sieht Lindemann darin die Chance für einen Neustart.

In der türkischen Hauptstadt Ankara wollten Horn und Lindemann eigentlich etwas schaffen, was im Billardsport auf diesem Niveau außergewöhnlich ist. Nach dem Titelgewinn im Vorjahr hatte man sich auch diesmal die Goldmedaille als Ziel vorgenommen. In der Qualifikation lief es auch noch richtig gut für die zwei Cracks von der DBU. Sowohl gegen Norwegen als auch gegen eine spanische Auswahl feierte man einen glatten Sieg. Im Viertelfinale indes kam dann gegen das zweite Team Griechenlands bereits das Aus. Horn gewann sein Einzel, Lindemann verlor deutlich gegen Kostas Papakonstantinou. Im Zusatz-Doppel verlor der Favorit dann mit 11:15 und verpasste den Einzug ins Semifinale. Auch das zweite deutsche Team flog vorzeitig aus dem Wettbewerb.

Natürlich war das eine sehr schwere Entscheidung nach so langer Zeit in Witten. Der BCC hatte aber für meinen Entschluss Verständnis, es gibt zwischen uns auch kein böses Blut.

Ronny Lindemann (44),, Bundesliga-Billardspieler des BCC Witten

Bei Ronny Lindemann, der im Einzelwettbewerb ab Donnerstag eine lösbare Aufgabe zu Beginn zugelost bekam, wird es nach seiner Rückkehr nach Deutschland noch drei Heimspiele mit dem BCC Witten in der Dreiband-Bundesliga geben (gegen den BC Intern. Berlin, den BC München und den BC GT Buer) - danach schließt sich für den 44-Jährigen das Kapitel in der Ruhrstadt. „Ich habe mich dazu ganz bewusst entschieden und suche einfach eine neue Motivation“, sagt der ehemalige Deutsche Meister.

Seit einem Vierteljahrhundert - mit einer einjährigen Unterbrechung - steht bzw. stand Lindemann für den BCC am Tisch, lieferte immer wieder zuverlässig gute Leistungen ab und war auch neben dem eigentlichen Spielbetrieb in den vergangenen Jahr zunehmend ein wichtiger Bestandteil des Vereins. „Seit dem damaligen Tod des langjährigen Clubvorsitzenden Wolfgang Kirsten habe ich beim BCC Witten sehr viel gemacht, war zunehmend auch mit organisatorischen Dingen beschäftigt“, sagt Lindemann. Aufgrund der zusätzlichen Belastung, die die Planung des Bundesliga-Spielbetriebs mit sich brachte, sei es ihm nicht mehr vollends möglich gewesen, sich in angemessener Form auf sein eigenes Spiel zu konzentrieren.

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Dass dann das Angebot des Revierrivalen BC Elfenbein Höntrop aus Bochum kam, war die passende Gelegenheit, den Absprung in Angriff zu nehmen. „Der Wechsel fühlt sich jetzt einfach gut an. In Höntrop muss ich mich neben dem Sport um nichts weiter kümmern“, so Lindemann zum entscheidenden Vorteil. „Natürlich war das eine sehr schwere Entscheidung nach so langer Zeit in Witten. Der BCC hatte aber für meinen Entschluss Verständnis, es gibt zwischen uns auch kein böses Blut.“ In Höntrop spielt Lindemann künftig u. a. an der Seite von Stefan Galla, der auch schon für die Wittener aktiv war. „Dieser Tapetenwechsel kann mir vor allem sportlich eigentlich nur guttun“, so der Nationalspieler.

Beim BCC Witten, der noch im Kampf um den Klassenerhalt steckt, in den drei ausstehenden Partien aber die erforderlichen Punkte zur Rettung sammeln will, hat man bereits einen Nachfolger für Lindemann gefunden. Wie Vorstandssprecher Kurt Czerwanski mitteilte, wechselt der Türke Ismail Yasin (52) vom BSV Velbert nach Witten. Der übrige Kader bleibt laut Planung von Bundesliga-Manager Hakan Gülter zusammen - also auch der Däne Jacob Haack-Sörensen und der Niederländer Dave Christiani. „Wir wollten in dieser Saison einem jungen Spieler wie Ali Ibraimov die Chance geben, in der ersten Liga zu spielen - das ist leider nicht gutgegangen“, so Czerwanski. Der Ex-Duisburger Ibraimov war in dieser Klasse überfordert, soll künftig fürs Wittener Zweitliga-Team antreten.

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