An den Folgetagen war schon wieder Normalität eingekehrt: Hochkönig stand unaufgeregt in seiner Box am Raffelberg, während Trainerin Yasmin Almenräder und Nina Baltromei schon wieder mit Vorbereitungen auf kommende Rennen beschäftigt waren. So schnell die Pferde auf der Bahn um die Kurven schießen, so schnell geht es auch im Galopp-Geschäft zu. Selbst nach einem historischen Triumph wird nicht lange innegehalten. Weiter geht‘s.
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Am Sonntag hatte Nina Baltromei auf dem Rücken von Hochkönig Geschichte geschrieben, als sie bei der 156. Auflage als erste Frau das Deutsche Derby gewann. „Das ist ja schon fast ein Märchen“, sagt Marc Hübner, Vize-Vorsitzender des Rennclubs Mülheim. „Eine Trainerin gewinnt mit einem weiblichen Jockey, einer Auszubildenden, das wichtigste Galopprennen in Deutschland. Das ist nicht zu schlagen, auch emotional nicht.“ Ein filmreifes Sportmärchen wurde damit Wirklichkeit nach 2.400 Metern, und das 37 Jahre nach dem letzten Mülheimer Derbysieger Luigi, der für Trainerlegende Uwe Ostmann damals im Blauen Band siegte.

Mülheimerin gewinnt Deutsches Derby: Gruß an den verstorbenen Vater
Und wie emotional es war. Erst auf der Ziellinie hatte Hochkönig den mitfavorisierten Convergent erreicht, der kurz zuvor wie der Sieger ausgesehen hatte. Nach dem Rennen hob die 27-jährige Nina Baltromei Kopf und Arme, schickte Dankesworte in den Himmel über Hamburg. „Ich hatte ganz viel Glück von oben, von meinem Papa“, sagte sie. Vater Werner Baltromei war ein Urgestein auf der Mülheimer Galopprennbahn, der erfolgreiche Trainer verstarb 2012 an Krebs, als Tochter Nina 14 Jahre alt war. An eine Jockey-Karriere dachte sie lange nicht. Sie begann im Stall von Almenräder als Pferdepflegerin und Arbeitsreiterin. Erst spät schulte sie auf Rennreiterin um. Der Start einer steilen Karriere: Vergangenes Jahr war die Mülheimerin die erfolgreichste Amateurreiterin im Land. Nun folgte früh die Krönung beim Deutschen Derby. Trainerin Yasmin Almenräder weinte vor Glück. „Die Reiterin: ein Megatalent. Das Pferd: ein Megatalent“.
Allesamt sind die Mülheimer nun Gewinner: Erst kürzlich hatte ihre Stute Matilda als Außenseiterin den Galopp-Klassiker „Coolmore City Of Troy German 2.000 Guineas“ gewonnen, nun triumphierte Hochkönig beim Deutschen Derby - Yasmin Almenräder wurde innerhalb weniger Wochen in die Riege der Welt-Spitzentrainer katapultiert. Reiterin Nina Baltromei hat sich als Derbysiegerin einen Namen gemacht und als Auszubildende extra eingeflogene Top-Jockeys aus aller Welt deklassiert. Für sie war es beruflich ein Riesensatz. Zudem erhält sie die Jockey-Prozente von 19.500 Euro, fünf Prozent der Gesamt-Siegprämie von 390.000 Euro.

Mülheimerin gewinnt Deutsches Derby: Millionenangebote trudeln ein
Und Hochkönig? Der dreijährige Hengst wird weiter in hochdotierten Rennen laufen und als Deckhengst noch gefragter sein. Ob seine Besitzer Hans Bierkämper aus Dortmund und Bernd Robert Gossens aus Issum den Millionen-Angeboten wiederstehen können, die nun von Kaufinteressenten eintrudeln? „Ich glaube schon, das Hochkönig in Mülheim bleibt. Seine Besitzer hängen sehr an ihm“, meint Marc Hübner. Auch der Rennclub Mülheim darf sich als Sieger wähnen. Hübner: „Dieser Sieg dokumentiert, wie gut die Möglichkeiten in Mülheim sind und dass wir uns im Konkurrenzkampf behaupten können.“
Am kommenden Sonntag, beim Renntag in Mülheim (ab 13 Uhr), wird Hochkönig in einer Pause einige Ehrenrunden drehen, damit das heimische Publikum den Champion aus der Nähe sehen kann, von dem Reiterin Baltromei schwärmt: „Hochkönig ist ein solch tolles Pferd, er lässt sich wie ein Auto fahren. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl.“


