Zusammenfassung

  • Galopppferde aus Mülheim, trainiert von Yasmin Almenräder, sorgen bei großen Rennen in Deutschland für Aufsehen und könnten im Deutschen Profi-Galoppderby in Hamburg triumphieren.
  • Der Hengst Hochkönig, ein Favorit für das Derby, beeindruckt mit seiner Herkunft und Leistung, während die junge Amateur-Jockey Nina Baltromei als Sensation gilt.
  • Yasmin Almenräder, eine erfahrene Trainerin mit einer Leidenschaft für Vollblutpferde, meistert Herausforderungen im Galopprennsport und strebt nach Anerkennung und Erfolg.

In Mülheim trainierte Galopppferde sorgen in letzter Zeit bei wichtigen und großen Galopprennen in ganz Deutschland für Aufsehen. Verantwortlich für die Erfolge zeichnet ein Stall aus der Stadt: der von Trainerin Yasmin Almenräder.

Die Frau, die meist im Hintergrund bleiben möchte, könnte bald aber im Rampenlicht stehen. Eines der von der ihr trainierten Pferde zählt, zusammen mit der jungen Mülheimer Amateur-Jockey Nina Baltromei, zum Favoritenkreis für das renommierte Deutsche Profi-Galoppderby am 6. Juli in Hamburg-Horn.

Lange war das Mülheimer Pferd nur Außenseiter

Der Hengst aus dem Almenräder-Stall, der in Hamburg für Furore sorgen könnte, heißt „Hochkönig“ und zählt inzwischen zur Jahrgangsspitze in Deutschland. Er wurde als Fohlen nach dem höchsten Berg in den Berchtesgardener Alpen benannt, seine Züchter Gaby und Marc Rühl aus dem rheinischen Bedburg verbringen dort gerne ihre Urlaube.

Hochkönigs Vater lebt und deckt im Gestüt des Hamburger Kaffeerösters Albert Darboven. Dessen Vater wierderum war „Lomitas“ – die Legende im deutschen Galopprennsport. Trotz dieser edlen Herkunft hatte den jungen Mülheimer Hengst Hochkönig anfangs so niemand auf der Rechnung, besonders die Buchmacher in ihren Langzeitwettmärkten nicht. Außer: Trainerin Yasmin Almenräder.„Das ist ein Derbypferd. Aus diesem Holz sind Rennpferde geschnitzt“, war sich die Trainerin ganz früh bei ihm sicher.

Koeln, Hochkoenig mit Nina Baltromei und Trainerin Yasmin Almenraeder (links) nach dem Sieg
Das beste Pferd im Mülheimer Stall von Trainerin Yasmin Almenräder (1.v.l.): Hochkönig siegte unter Reiterin Nina Baltromei (2.v.l.) Mitte Mai in Köln – und könnte beim Derby in Hamburg demnächst ganz groß auftrumpfen.© IMAGO/Galoppfoto | IMAGO/Sandra Scherning/galoppfoto.de

Bei der Kölner Union, Deutschlands wichtigster Derbyvorprüfung, wo Hochkönig vor kurzem an den Start ging, habe er noch nicht einmal seinen besten Tag, so die Trainerin über ihren Schützling. Und doch lieferte sich Hochkönig mit dem späteren Sieger Zuckerhut ein spannendes Duell in Köln. In seiner Karriere ist er ausschließlich in Köln gelaufen, fünfmal. Von Start zu Start lief er dabei gesteigert.

Dennoch ein Nachteil für Hamburg? „Über sein Stehvermögen im Derby über 2.400 Meter mache ich mir überhaupt keine Sorgen“, so Trainerin Almenräder. „Der Kerl muss uns gar nichts mehr beweisen, das hat er schon getan“, sagt die Trainerin weiter voller Stolz und bleibt ganz ruhig: „Ich kann vor dem Derby sehr gut schlafen.“

Trainerin Yasmin Aldenräder: Aktuell stehen 31 Pferde unter ihrer Obhut

Yasmin Almenräder – geboren in Essen, aufgewachsen in Wuppertal, über Ostfriesland nach Mülheim gekommen – weiß wovon sie redet. Sie ritt selber Turniere, ihre wahre Leidenschaft waren und sind Vollblutpferde. Als Amateurin hat sie rund 50 Rennen gewonnen. Bei einem schweren Sturz zog sie sich einmal eine Wirbelsäulenfissur zu, musste lange pausieren. Doch sie hat sich immer durchgebissen. Ob als alleinerziehende Mutter einer Tochter oder dann später im Trainerberuf.

Sparkassen-Vorstand Martin Weck überreicht am Samstag, 19.08.2023, auf der Galopprennbahn in Mülheim an der Ruhr den Ehrenpreis im Preis der Sparkasse Mülheim an Trainerin Yasmin Almenräder. Ihr dreijähjriger Wallach Montanus hat auf der heimischen Galopprennbahn am Raffelberg unter Anna van den Troost (l.) den Ausgleich II über 1400 Meter gewonnen und sich das Sieggeld von 5750 Euro gesichert.
Yasmin Almenräder ist seit vielen Jahren eine Größe in der Mülheimer Galoppszene, hat Erfolge gefeiert, Pferde und Jockeys weiterentwickelt. Dennoch ist das Geschäft für sie als Trainerin und Stallbesitzerin nicht einfach. © FUNKE Foto Services | Martin Möller

„Ich wollte immer Trainerin werden“, sagt die gelernte Bürokauffrau. Nachdem sie 2009 die Prüfung zur Pferdetrainerin abgelegte, wechselte sie 2015 als Selbständige in diesen Beruf. Aktuell stehen 31 Pferde unter ihrer Obhut, der Stallgeruch ist zu ihrem Lebenselixier geworden – und die Rennbahn in Mülheim ist gleichzeitig ihr Lebensmittelpunkt. Sie lebt und arbeitet an der Akazienallee mitten im Grünen, aber auch dort, wo Siege und Niederlagen nah beieinander liegen.

Sieben Tage die Woche, 16 Stunden am Tag: Galopp ist mehr als nur ein Vollzeitjob

Der Galopprennsport in Deutschland hat Krisen überlebt, die aktuelle ist auch ein Spiegelbild der Wirtschaft, schürt Existenzängste in der Branche. Für Yasmin Almenräder gehöre auch das zum Alltag. Ein Arbeitstag habe bei ihr nicht selten 16 Stunden, eine Arbeitswoche nicht selten sieben Tage. Ein Sieg in Hamburg wäre da natürlich vor allem Wertschätzung und Bestätigung für die Arbeit von ihr und ihrem Team.

Für das Rennen notiert Hochkönig aktuell zu Kursen um die 75:10 bei den Buchmachern, zählt somit zu den Mitfavoriten. Hinzu kommt: Zusammen mit seiner jungen Reiterin Nina Baltromei, die bei allen seinen Rennen in Köln im Sattel saß, ist das in sich ruhende Tier ein eingespieltes Duo. Nina Baltromei, Tochter der viel zu früh verstorbenen Mülheimer Trainerlegende Werner Baltromei, hat erst vor wenigen Wochen eine Ausbildung als Profireiterin begonnen.

Rennausgang hin oder her: Dass die Mülheimerin in Hamburg gegen gestandene Profireiter aus dem In- und Ausland antritt, die erste Auszubildende, und erst die siebte Frau, in der 156-jährigen Derbygeschichte ist, und das am Vortag ihres 27. Geburtstag – alleine das Alles gilt schon als Sensation.