Vom Büro im ersten Stock des Moerser Rathauses sind es nur wenige Schritte für Julia Zupancic, um den Ball rollen zu lassen. Die neue Bürgermeisterin der Stadt hat für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im offenen Wartebereich vor der Bürotür einen Tischkicker spendiert. Deutschland gegen Italien wird ab und an ein paar Minuten beherzt gespielt, um Kopf und Muskulatur zu entspannen. Was nicht nur der Stimmung dient. Sondern auch der Gesundheit. Die Termindichte und die thematische Baustellenlage sind für die 44-jährige gebürtige Moerser CDU-Politikerin und ihre Mitstreiter schließlich beachtlich. Was natürlich auch das Sportgeschehen in der Stadt betrifft.
Frau Zupancic, Ihre ersten hundert Amtstage haben Sie hinter sich. Was hat Sie bisher am meisten erstaunt?
Julia Zupancic: Dass das Vertrauen in die Politik spürbar vorhanden ist, was nicht als selbstverständlich gilt. Es gibt natürlich auch kritische Bürger. Im Grundsatz empfinde ich aber, dass alle gemeinsam etwas für Moers erreichen wollen. Das gilt auch intern. Ich spüre eine große Loyalität. Das spornt natürlich an.
Die ersten Termine im Sport haben Sie ja auch schon absolviert. Wie waren Ihre Eindrücke kürzlich in der Enni-Eiswelt beim Heimspiel des Eishockey-Regionalligisten GSC Moers?
Das Spiel macht Spaß, auch wenn es bisweilen sehr hart ist und es auch etwas mehr Zuschauer hätten sein können. Aber ich mag Eishockey. Dass die Halle bald energetisch saniert wird, ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Die Halle wirkt mit ihrer kleinen Tribüne, dem zerkratzten Plexiglas und der für Zuschauer bisweilen eingeschränkten Sicht wegen der Netze etwas aus der Zeit gefallen. Sehen Sie eine Chance, da in Zukunft etwas zu verbessern?
Ich würde sofort alles ermöglichen, wenn wir nicht in Zeiten klammer Kassen agieren müssten. Aufgreifen sollten wir auf jeden Fall, dass die Halle künftig länger für Eishockey, Eiskunstlauf und öffentlichen Betrieb genutzt werden kann, was natürlich auch wieder eine Kostenfrage ist. Diese Diskussion mit Betreiber Enni sollten wir führen. Zumal andere Kommunen ihren Nutzern ja auch mehr Eiszeit anbieten können.
Der städtische Energieversorger betreibt ja auch den Enni-Sportpark Rheinkamp. Könnte es da in Zukunft eine größere Unterstützung für die Volleyballer des Moerser SC geben, die ja die meisten Zuschauer der Stadt ziehen? In der 2. Bundesliga treten bekanntlich viele Gegner mit städtischen Werbepartnern auf, der MSC indes nicht.
Das könnte ich mir schon vorstellen. Auch liga-unabhängig, da der Moerser SC für die Stadt ein sportliches Aushängeschild ist. Dass der MSC gerade den sportlichen Abstieg in die 3. Liga verkraften muss, stimmt mich traurig, gehört aber zum Sport dazu. Da ich über meinen Mann schon vor langer Zeit zum Volleyball gefunden habe, war und bin ich auch oft bei MSC-Spielen in der Halle vor Ort.

Gespielt haben Sie selber aber nicht, oder?
In jungen Jahren war ich leidenschaftliche Reiterin und da auch bei Turnieren am Start. Den Pferdesport habe ich aber mit 20 Jahren komplett an den Nagel gehangen. Für meine eigene Fitness mache ich einige Male in der Woche Kraftsport. Das geht schnell und ist effizient.
Gehen Sie denn Anfang Juni beim ersten Moerser Triathlon am Bettenkamper Meer ins Wasser?
Ich bin sicher keine schlechte Schwimmerin und würde mir eine Runde zutrauen. Aber da feuere ich als Schirmherrin doch lieber kräftig die Starterinnen und Starter an. Und ich hoffe, dass der Triathlon zu einem kleinen Aushängeschild der Stadt werden kann. Wenn alles gut läuft.
Apropos Aushängeschild: Eine Zeit lang sah es ja so aus, als würde es in Moers auch Spiele der 2. Handball-Bundesliga im Enni-Sportpark geben mit der HSG Krefeld Niederrhein. Doch die Halle entspricht nicht den Anforderungen. Auch bei einem MSC-Aufstieg irgendwann in die Volleyball-Bundesliga müsste man sich etwas einfallen lassen. Muss die Politik daraus für die Zukunft Lehren ziehen?
Die Enni-Halle lässt sich nicht mehr verändern. Aber ja, es sind viele bedauerliche Dinge in der Vergangenheit rund um die Halle passiert. Wir haben ja unter anderem auch weniger Wasserfläche als vorher geplant. Die Halle ist durchaus eine mit Charakter, aber eben keine für wirklich große Sportdinge. Die Lehre daraus heißt: Man sollte größere Projekte auch groß denken.

Ein dringliches Projekt ist der Bau einer Dreifachhalle an der Filder Straße. Wann dürfen Vereine wie etwa die Handballer des TV Schwafheim oder die Hockeyspieler des Moerser TV mit mehr Hallenzeiten rechnen?
Es wird wohl noch bis 2029 dauern. Die Halle wird in der Stadt dringend benötigt, da gibt es keine Diskussion. Training und Spiele sind mit einer Tribüne für gut 400 Zuschauer möglich. Dazu hoffen wir, dass wir mit Fördergeldern auch die Halle an der Kirschenallee sanieren können. Es gibt einen Finanztopf des Bundes. Ob es gelingt, darauf zuzugreifen, ist aber nicht sicher.
Die Sportanlage an der Filder Straße, die der MTV und der GSV gleichermaßen nutzen, ist ja vor einigen Jahren für 4,5 Millionen Euro mit drei Kunstrasenplätzen, einem Hockeyspielfeld und großem Klubheim modernisiert worden. Ärgert es Sie, dass der GSV Anfang des Jahres kurzerhand seine erste Fußballmannschaft abgemeldet hat, die als Landesligist neben dem SV Scherpenberg ja bis dahin das höchste Fußballteam der Stadt gestellt hat?
Darüber kann natürlich niemand in der Stadt glücklich sein. Gerade auch aufgrund der bereitgestellten Infrastruktur. Ich kenne die Interna beim GSV dazu nicht. Die Zeichen nach außen sind jedenfalls nicht positiv. Im Jugendbereich hat der Verein dagegen eine sehr gute Entwicklung.
Hier geht es zum zweiten Teil des großen Sport-Interviews mit Bürgermeisterin Julia Zupancic.


