Die deutsche Nummer-eins-Sportart Fußball ist natürlich auch in Moers ein wichtiges Thema in der Politik. Auch wenn mit dem Ortsteilverein SV Scherpenberg die Stadt aktuell „nur“ in der sechsthöchsten deutschen Spielklasse vertreten ist. Bürgermeisterin Julia Zupancic beschäftigt sich im zweiten Teil unseren großen Sportinterviews (hier geht es zum ersten Teil) natürlich auch mit den Kickern und dem Mangel in der Stadt, eine Platzanlage bislang mit einer Tribüne ausgestattet zu haben. Für die Moerser Sport-Gala, die nun am 29. Mai im Enni-Sportpark Rheinkamp steigen wird, hat Zupancic die Schirmherrschaft von ihrem Vorgänger Christoph Fleischhauer übernommen. Und wird natürlich auch Tanzen.

Das ist ein absolutes Erfolgsprojekt und einzigartig in der Region.

Bürgermeisterin Julia Zupancic, über die Neustrukturierung des Sportparks Rheinpreußen in Meerbeck

Moers will ja auch als Sportstadt wahrgenommen werden. Fußball mit eingeschlossen. Ist das die Stadt denn auch?

Im Grunde ja. Es scheitert nicht am sportlichen Können oder am Ehrgeiz, sondern eher an den finanziellen Mitteln, um sich alles und vielleicht auch etwas Großes leisten zu können.

Etwas Großes ist ja durchaus die neu gestaltete Rheinpreußen-Sportanlage. Wie bewerten Sie das Projekt auf jenem Gelände, wo einst die Meerbecker Fußballer in den 70er-Jahren in der dritthöchsten Fußballklasse Deutschlands unterwegs waren?

Das ist ein absolutes Erfolgsprojekt und einzigartig in der Region. Ich bin im Stadtteil präsent und sehe natürlich auch die Sorge des MSV, wenn es darum geht, auf einer offenen Anlage bei Heimspielen auch nötige Eintrittsgelder zu generieren. Erste Tests laufen dazu. In Kürze werde ich mit dem neuen Meerbecker Vorstand die Probleme besprechen. Beide Seiten sind da mit Leidenschaft unterwegs.

Moers: Weihnachtsmarkt- Eröffnung
Lobt das Großprojekt in Meerbeck, kennt aber auch die daraus resultierenden Probleme: die Moerser Bürgermeisterin Julia Zupancic.© FUNKE Foto Services | Karl Banski

Nicht alle in Meerbeck würdigen das Projekt.

Sie meinen das Müllproblem oder auch den Vandalismus. Es war uns natürlich bewusst, dass dies passieren kann. Wir sind eine liberale Gesellschaft, was allen zugute kommt. Aber nur dann, wenn man sich an die Spielregeln hält. Vermutlich werden wir die Anlage in absehbarer Zeit mit Strahlern und Kameras überwachen lassen müssen. Es kostet durchaus mehr, ohne eine gewisse Kontrolle immer wieder entstandene Schäden zu beseitigen.

Im Sportentwicklungsplan stehen neue Kunstrasenplätze für den TV Kapellen und den SV Schwafheim an. Wie ist der Stand der Dinge?

Beim TV Kapellen wird ja bekanntlich schon gebaut. Beim SV Schwafheim geht es noch in diesem Jahr los. Bis Sommer sollte die Auftragsvergabe abgeschlossen sein. Gerade die Schwafheimer mit der räumlichen Nähe zu Uerdingen sind mit ihrem Ascheplatz aus der Zeit gefallen und damit im Fußball auch beim Nachwuchs nicht wirklich konkurrenzfähig.

Da kommt sofort die Kardinalfrage von mir: Wie kriegen wir es finanziert?

Julia Zupancic, über einen möglichen Kunstrasenplatz im Wäldchen

Der SV Scherpenberg ist aktuell der ranghöchste Moerser Fußballverein mit der Möglichkeit, in die Oberliga aufzusteigen. Seit 2023 spielt das Team aber als Gast beim TV Asberg und verliert augenscheinlich auch einige seiner Zuschauer durch den Standortwechsel. Ist da auf Strecke eine Modernisierung der angestammten Ascheplatzanlage im Wäldchen drin?

Da kommt sofort die Kardinalfrage von mir: Wie kriegen wir es finanziert? Wir bräuchten eine Fördermöglichkeit. Was im übrigen auch für andere Vereine mit Ascheplatz in der Stadt gilt. Für den SC Rheinkamp etwa. Oder auch für Rot-Weiß Moers.

Fußball-Kreisliga B: MSV Moers - OSC Rheinhausen
In der Fußball-Kreisliga B spielt Tabellenführer MSV Moers (in Grau) vor meist beachtlich vielen Zuschauern auf der neuen Rheinpreußen-Anlage.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Die gleiche Antwort werden Sie wahrscheinlich auf den Umstand geben, dass Moers als eine von nur wenigen 100.000-Einwohner-Städten in Deutschland nicht einen Fußballplatz mit Tribüne aufweist.

Dieser Umstand ist so in der Politik noch nicht diskutiert worden. Grundsätzlich bin ich aber der Meinung, dass wir in modernen Zeiten auch hochwertige Anlagen brauchen. Das schließt eine Tribüne für Zuschauerinnen und Zuschauer mit ein. Am Ende steht und fällt aber alles mit der Finanzierung. Wenn ich einen Wunsch frei hätte...

...dann würden Sie sich was wünschen?

Dass die Stadtpolitik unendlich viel Geld hat, um alle Notwendigkeiten gerade auch im Sport anzugehen.

2. Volleyball-Bundesliga: Moerser SC - TuB Bocholt
Volleyball beim Moerser SC, hier ist unter anderem Ex-WM-Spieler Tim Broshog (links) am Netz im Einsatz, ist für Bürgermeisterin Julia Zupancic seit langem eine Leidenschaft.© FUNKE Foto Services | Oleksandr Voskresenskyi

Was haben Sie sich für Ihre Amtsperiode mit Blick auf den Sport auf die Fahne geschrieben?

Dass der Fokus auf den Problemen und Sorgen der Vereine liegt. Dass wir aber auch mehr kommunizieren müssen. Das ist immer der erste Schritt, um etwas zu bewegen. Meine Tür ist da immer offen.

Haben Sie eigentlich einen Lieblingsverein im Sport?

Zum Moerser SC habe ich eine besondere Bande, weil ich seit fast 30 Jahren bereits Volleyball verfolge. Auch schon damals in der alten Halle in Rheinkamp. Grundsätzlich bin ich stolz auf alle Vereine in der Stadt. Es ist nicht selbstverständlich, was in vielen verschiedenen Sportarten mit großem Aufwand auf die Beine gestellt wird. Umso schöner ist es dann, ab und zu auch mal einen Erfolg über die Stadt- oder Niederrheingrenzen hinaus zu feiern.

Der Eröffnungstanz der Bürgermeisterin ist nur eine Nebensache

Für den 29. Mai ist wieder die Wahl zum Sportler des Jahres im Enni-Sportpark geplant. Freuen Sie sich schon auf den Eröffnungstanz? Ihr Vorgänger Christoph Fleischhauer hat ja stets eine flotte Sohle aufs Parkett gelegt.

Das ist für mich kein großes Problem, ich tanze gern. Im Vordergrund sollten allerdings unsere erfolgreichen Sportlerinnen und Sportler stehen, für die die Bühne ja vorwiegend bereitet wird. Da ist der Eröffnungstanz der Bürgermeisterin nur eine Nebensache.