Simon Krivec hat eine bewegende Zeit hinter sich. Seine Adler-Apotheke am Moerser Altmarkt wurde nach einem Wasserschaden vor zwei Jahren grundlegend modernisiert. Das kostete Kraft, Nerven und Geld. Fünf Jahre nach dem Abstieg jubelte der 38-jährige Geschäftsmann indes als Vorstandschef über den Wiederaufstieg seiner HSG Krefeld Niederrhein in die 2. Handball-Bundesliga. Sohnemann Paul erblickte vor 18 Monaten das Licht der Welt und erfordert auch die Aufmerksamkeit des Papas. Dazu kam Simon Krivec‘ Ausstieg beim Volleyball-Zweitligisten Moerser SC im vergangenen Oktober.
Herr Krivec, mit dem 29:29 in Ferndorf ist der Handball-Zweitliga-Start am vergangenen Wochenende gleich geglückt. Doch die nächste Baustelle wartet jenseits der sportlichen Herausforderung schon, oder?
Simon Krivec: In der Tat. Ab Sommer 2026 werden wir zwei Jahre lang unsere Glockenspitzhalle wegen Renovierungsarbeiten nicht zur Verfügung haben. Aktuell ist ein temporärer Umzug in die Yayla-Arena gefragt. Das wird eine logistische und finanzielle Herausforderung. Nicht zuletzt, weil ja auch die Eishockey-Pinguine dort spielen. Allein der Umbau von Eishockey auf Handball dauert gut zwölf Stunden. Wer die nötigen Kosten trägt, ist derzeit Gesprächsthema mit der Stadt Krefeld.

Am Anfang der Kooperationszeit mit dem Moerser SC war im Gespräch, dass der Enni-Sportpark in Rheinkamp eine Ausweichstätte sein könne.
Das stimmt. Aber die Halle genügt nicht den heutigen Anforderungen. Sie ist an allen Seiten mindestens zwei Meter zu kurz. Die Auslaufzonen sind schlicht zu eng. Zudem fasst die Halle nur 1200 Sitzplätze. Unser Zuschauerschnitt in der Glockenspitzhalle in der vergangenen Drittliga-Saison lag deutlich darüber.
Die HSG war kürzlich beim Julian-Kamp-Benefizspiel des OSC Rheinhausen zu Gast. Wäre die große Sporthalle an der Krefelder Straße nicht eine Alternative? Immerhin wurde hier ja lange Erst- und Zweitligahandball gespielt.
Grundsätzlich denkbar für Testspiele, für den Ligabetrieb jedoch nicht. Mit dem OSC haben wir im Jugendbereich, ebenso wie mit dem TV Oppum und dem Moerser SC, eine wertvolle Kooperation. Wir fördern so als Dachmarke Talente bei und auch für unsere Nachbarvereine. Wir haben unsere Idee vor einigen Jahren offensiv zahlreichen Vereinen vorgestellt, daraus hat sich diese Vierer-Kooperation am Niederrhein gebildet.

Wie sieht es mit dem Zuspruch bei der HSG mittlerweile aus?
Gut 40 Prozent unserer Besucher kommen nicht aus Krefeld, sondern vom Niederrhein: Aus Neukirchen-Vluyn, Kamp-Lintfort, Rheinberg, Moers, Duisburg. Das ist für den Verein wertvoll und besitzt dazu auch einen gewissen Werbewert für unsere Sponsoren, weil die Projektionsfläche regional und nun mit dem Aufstieg überregional groß ist.
Sie als Inhaber der Adler-Apotheke mit eingeschlossen?
Natürlich. Handball hat eine klar größere Strahlkraft als beispielsweise Volleyball. Gerade auch auf Zweitliga-Niveau. Alle Spiele laufen live beim Streaming-Dienst Dyn, der allerdings auch die Spieltermine vorgibt. Die HSG bekommt dafür einen sechsstelligen Euro-Betrag. Vor nunmehr schon sieben Jahren war es von mir eine bewusste Entscheidung als Unternehmer, mich bei der HSG Krefeld Niederrhein zu engagieren. Es war eine Entscheidung für Handball, aber nicht gegen Volleyball.

Ist Ihr Herz nach dem Ausstieg als 2. Vorsitzender vor fast einem Jahr beim Moerser SC, den ja Ihr Vater Günter gegründet hatte, noch schwer?
Ich hatte wegen der Geburt meines Sohnes ohnehin schon angekündigt, dass ich mehr Zeit für die Familie haben möchte. Ich war in der vergangenen Saison deshalb auch nicht bei jedem HSG-Handballspiel live dabei. Auf den MSC habe ich als ehemaliger Volleyballer immer noch ein Auge. Dazu habe ich den MSC als Sponsor im einst vereinbarten Rahmen weiter unterstützt.
Würde Sie denn eine Rückkehr zu den Adlern ausschließen?
Ausschließen sollte man nie etwas. Geplant ist derzeit aber auch nichts. Ich kann mich nicht vierteilen. Einen Handball-Zweitligisten und einen Volleyball-Zweitligisten zu unterstützen, das ist schon eine Mammutaufgabe. Es war im Zuge des Rückzugs meines Vaters als Klubchef im vergangenen Jahr als MSC-Vorsitzender schnell klar, dass ich nicht beide Vereine lenken kann.

Aus den Augen verlieren Sie den MSC aber trotzdem nicht.
Natürlich nicht. Ich hoffe und wünsche mir, dass das Team den Klassenerhalt in der 2. Volleyball-Bundesliga schafft – ohne dass ich mir wirklich ein Urteil über die sportliche Qualität des neuen Teams erlauben kann. Der vorgestellte Kader sollte vom Papier her aber stark genug für die Zweite Liga sein.
Wie schätzen Sie die Chancen der HSG in der 2. Handball-Bundesliga ein?
Wir müssen nur zwei Teams hinter uns lassen, um drin zu bleiben. Das wird mit dem kleinsten Etat der Liga natürlich schwer, auch wenn wir knapp siebenstellig wirtschaften können. Das Geld will allerdings klug eingesetzt sein. Das 29:29 in Ferndorf zum Auftakt tut gut. Vielleicht können wir am Samstag um 19.30 Uhr gegen Ludwigshafen gleich auch eine nötige Heimspielstärke in Punkte ummünzen. Unser Cheftrainer Mark Schmetz bringt als einstiger Europacupgewinner mit dem TBV Lemgo und TuSEM Essen eine Menge Erfahrung ins Team. Damit kann er vor allem den jungen Spielern extrem helfen und findet auch in schwierigen Phasen die richtigen Worte. Dass er als Steuerberater bei einer der größten Anbieter Europas den Handball nur als Nebenjob macht, ist dabei kein Nachteil. Unsere Co-Trainer kümmern sich um das Vormittagstraining. Die Fitness sollte kein Thema sein. Ob die Mannschaft in der Tiefe gut genug besetzt ist für den Klassenerhalt, wird sich dann zeigen.


