Es war über weite Strecken eine Saison zum Vergessen. Das darf man wohl so zusammenfassen, und auch Niclas Sperber gibt unumwunden zu: „Das war nicht so schön für mich.“

Der Power Forward der ETB Miners war vor der vergangenen Spielzeit als Säule geholt worden – als jemand, der den Basketball-Pro B-Aufsteiger in ruhiges Fahrwasser mit hätte führen sollen. Und die Miners machten tatsächlich aus der, für einen Aufsteiger natürlich erst einmal wesentlichen, Abstiegsfrage sehr früh nur noch ein theoretisches Gedankenspiel. Allein Niclas Sperber hatte damit reichlich wenig zu tun.

ETB Miners Essen: Playoffs als persönlicher Wendepunkt für Niclas Sperber

Dem heute 29-Jährigen wollte einfach nichts gelingen. „Ich wusste ja, was der Verein, aber auch die Fans, von mir erwarten. Ich denke, da habe ich mir persönlich vielleicht ein bisschen zu viel Druck gemacht.“ Und wenn es dann nicht läuft, sei das wie ein kleines Loch, in das man sich hineingrabe. „Das wird immer größer und irgendwie muss man aus dem wieder herauskommen.“

Niclas Sperber, ETB Miners (in Weiß) spielt am Freitag, 25. April 2025 gegen BG Hessing Leitershofen (in Rot) in der Barmer 2. Basketball Bundesliga ProB im Sportpark am Hallo in Essen. Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services
Niclas Sperber in Aktion gegen die BG Hessing Leitershofen im April 2025.© FUNKE Foto Services | Vladimir Wegener

Das hat er geschafft. Pünktlich zu den Playoffs. Als hätte Sperber einen Schalter gefunden – und ihn umgelegt. Habe er nicht, so der 2,01-Hüne lachend. „Könnte man das immer so genau nachvollziehen, man würde eher auf die Lösung kommen. Vielleicht war es der positive Druck der Playoffs. Die Erleichterung, dass es für uns als Team insgesamt trotzdem gut gelaufen ist, wir die Postseason erreicht haben. In jedem Fall hat aber das Vertrauen der Coaches gutgetan, die zu mir gehalten haben.“

Dass es für die Essener bis ins Playoff-Halbfinale ging – das durfte Niclas Sperber sehr wohl auch mit auf sein Konto verbuchen. Leistungen, die prompt mit der Verlängerung seines Vertrages belohnt wurden. „Ich wusste um Niclas’ Qualitäten und bin froh, dass er diese letztlich auch unter Beweis gestellt hat“, so Raphael Wilder damals. Verbunden natürlich mit der Forderung, Sperber möge an die Leistungen der letzten Saison-Wochen der Saison anknüpfen. „Dann bringt er uns mit seiner Entschlossenheit und seinem Verantwortungsbewusstsein extrem viel.“

Basketball 2. Bundesliga ProB: Essener Team bereit für Herausforderung der 2. Saison

Also wieder Druck, an dem der 29-Jährige zerbrechen könnte in dieser Spielzeit, die an diesem Samstag (27. September 2025, 19.30 Uhr) mit dem Heimspiel am Hallo in Essen gegen die Sixers aus Sandersdorf beginnt? Sperber wirkt aufgeräumt. Reflektiert. Das Problem sei vielmehr, dass er sich selbst immer zu viel Druck mache. Nie zufrieden sei. „Zumal es meine erste Saison mit einer größeren Rolle war, in die ich mich einfinden musste. Das weiß ich und daran habe ich gearbeitet.“ Es gelte, die Erwartungen, die er an sich habe, ein Stück weit zurückzustellen. „Ich will das Spiel mehr auf mich zukommen lassen. Ruhiger werden, Situationen annehmen. Und ich glaube, da habe ich einen kleinen Schritt nach vorne gemacht.“

Die ersten Spiele werden es zeigen. Auch für das gesamte Team, ob es die zweite Spielzeit in der ProB – die schwerste, wie Wilder immer wieder betont – meistern kann. Niclas Sperber: „Wir hatten eine ganz gute Preseason, finde ich. Ich glaube, alle sind bereit für diese neue Saison. Ich bin es auf jeden Fall.“

ETB Miners Essen: Auftakt gegen die Sixers

Saisonstart am Hallo: Die Miners empfangen an diesem Samstag (27. September 2025) um 19.30 Uhr die Sixers. Auch in Sandersdorf hat sich in der Offseason eine Menge getan. Die Gäste reisen mit einem sehr jungen Team ins Ruhrgebiet. Die Mannschaften beider, die sich letzte Saison noch im Playoff-Viertelfinale gegenüber gestanden hatten, sind also nicht mehr miteinander zu vergleichen.

„Es wird spannend sein zu sehen, wer diesen Umbruch besser bewältigt hat“, so ETB-Headcoach Lars Wendt. „Die Sixers haben einen sehr athletischen Kader und spielen dementsprechend mit viel Intensität und Galligkeit, die wir matchen und clever ausspielen müssen. Wir hoffen, dass wir komplett sein werden, auch wenn noch ein, zwei Fragezeichen bestehen.“