Der Tusem Essen schaut auf eine ereignisreiche Saison in der 2. Handball-Bundesliga zurück. Neben vielen starken Heimspielen gab es auch eine eklatante Auswärtsschwäche. Am Ende reichte es zum Klassenerhalt, wenn auch knapp. Im Gespräch verrät Trainer Daniel Haase wie er das erste Jahr in seiner alten Heimat erlebt hat und welche Chancen und Probleme noch auf ihn warten.
Herr Haase, Sie sind mit Ihrem Team auf dem 16. Tabellenplatz gelandet und damit nur knapp vor den Abstiegsrängen. Der Tusem hat aber exakt so viele Punkte gesammelt wie in der Vorsaison. Hätten Sie dieses Ergebnis vor der Saison unterschrieben?
Haase: Die Punktzahl, ja. Intern hatten wir aber Platz neun oder zehn angepeilt. Wichtig war mir aber, eine Entwicklung zu sehen. Wir haben in der Hinrunde davon gelebt, dass wir zu Hause ‚Hurra-Handball‘ gespielt haben. Ich hätte nicht gedacht, dass wir die ersten elf Auswärtsspiele verlieren würden. Aber diese Spiele – und dann der erste Auswärtssieg – haben die Mannschaft mental besser gemacht.
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Hätten Sie im letzten Heimspiel gegen den VfL Lübeck-Schwartau das Unentschieden verpasst, wäre es im Abstiegskampf allerdings nochmal richtig ernst geworden…
Ja. Bei unserem letzten Spiel in Hamm war es schon eine sehr spezielle Stimmung. Ich bin froh über die letzte Viertelstunde gegen Schwartau. Hätten wir da nicht den Punkt geholt, wäre es in Hamm ein ganz heißer Tanz geworden.
Welche positiven Dinge nehmen Sie mit aus der Saison?
Mich hat es gefreut, dass die Halle - vor allem in der Rückrunde – meistens voll war. Es war durchaus eine Begeisterung für den Tusem und den Handball zu spüren. Die Fans haben eine Mannschaft mit einem neuen Gesicht und auch einer neuen Identität sehen können. Nils Homscheid hat zum Beispiel eine ganz neue Führungsrolle eingenommen und es sehr gut gemacht.

Aber einige Fans vermissen einen echten „Shooter“ aus dem Rückraum, der auch mal aus der Distanz Tore werfen kann, wenn es im Zentrum mal kein Durchkommen gibt…
Wir wollen aber nicht aus zwölf Metern werfen, das ist auch gar nicht mehr modern. Wir wollen unsere Torabschlüsse gut vorbereiten und vertrauen da unseren Spielern in der Mitte.
Was hat Sie am meisten geärgert?
Die Tordifferenz ist nicht gut (-48, Anm. d. Red.). Die haben wir auswärts verkackt, unter anderem in Hagen. Bei der 23:32-Niederlage haben wir uns fallen lassen und so dürfen wir uns nicht präsentieren. Teilweise war das völlig blutleer auswärts. Dafür haben wir in der Rückrunde einige enge Spiele für uns entschieden. Ich hoffe, dass wir einen Lerneffekt spüren.
Wie haben Sie es mit der Mannschaft geschafft auch auswärts mal ein Spiel zu gewinnen?
Wir hatten uns schon vorher einen Sportpsychologen dazugeholt. Denn es war schon eine Drucksituation: wenn du auswärts verlierst, musst du zu Hause gewinnen. Das war anstrengend. Aber der Sieg und die Leistung beim Spiel in Nettelstedt haben den Glauben geweckt, dass wir auch auswärts gewinnen können.“
Mit Blick auf die kommende Saison: Vor welchen Herausforderungen stehen Sie?
Wir dürfen uns definitiv auswärts mental nicht mehr so präsentieren wie in einigen Spielen der letzten Saison. Es wird außerdem eine Aufgabe sein, dass wir Kapitän Dennis Szczesny ersetzen müssen. Sowohl sportlich als auch neben der Platte werden da jetzt andere Spieler neue Rollen einnehmen müssen. Im nächsten Jahr wollen wir viele Abläufe stabilisieren. Außerdem freue ich mich auf unsere Neuzugänge.
Für Sie persönlich war es die erste gesamte Saison als Cheftrainer des Tusem in der 2. Bundesliga. Was haben Sie selbst aus dieser Zeit mitgenommen?
Für mich war es ja wie ‚nach Hause kommen‘. Das konnte ich natürlich auch ein Stück weit genießen. Ich konnte viel lernen und fand die Saison auch mega spannend. Manchmal war ich vielleicht sogar etwas zu positiv innerlich, wenn wir Siege gefeiert haben. Was mir auch im Kopf bleibt, ist die Unterstützung unserer Fans bei Auswärtsspielen. Das hat mich sehr gefreut. Und jetzt habe ich Bock auf die neue Saison.


