Zusammenfassung
- Ben Zwiehoff, Radsport-Profi aus Essen, startet nach seinem Erfolg bei der Tour de Romandie nun beim Critérium Dauphiné.
- Das Team Red Bull-Bora-hansgrohe hofft auf erneute Erfolge des Bergspezialisten beim Rennen in Frankreich.
- Los geht das Etappenrennen ab Sonntag. Es ist das wohl wichtigste Vorbereitungsrennen auf die Tour de France.
Dieser Sport ist schnelllebig, aber das weiß Ben Zwiehoff schon lange. Dem Radsport-Profi aus Essen waren nach dem Gewinn der Bergwertung der Tour de Romandie nur wenige Tage Ruhe vergönnt, da ging es schon wieder ins Trainingslager nach Spanien in die Sierra Nevada. So schnell es auf der Strecke zugeht, so schnell geht es nach der Zieldurchfahrt auch wieder in die Vorbereitung aufs nächste Rennen. Am Sonntag startet der 31-Jährige beim achttägigen Criterium Dauphiné. Fährt der Edelhelfer und Bergspezialist des Teams Red Bull-Bora-hansgrohe in Frankreich erneut ins Rampenlicht?
Herr Zwiehoff, der Anblick eines Hügels schreckt den gemeinen Hobby-Fahrradfahrer schon ab, über einen richtigen Berg wollen wir gar nicht erst reden. Was lösen Anhöhen bei Ihnen aus?
Ben Zwiehoff: Berge schrecken viele Radsportler und Radsportlerinnen eher ab, das ist richtig. Selbst uns Profis und selbst uns Bergfahrer können die Berge manchmal ganz schön an unsere Grenzen bringen. Es kommt wie immer drauf an, wie schnell man fährt. Eine ruhige, entspannte Runde in den Bergen ist für viele bestimmt wesentlich schöner und aufregender als eine flache Runde - allein schon wegen der meist landschaftlich schöneren Strecke.

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Klingt romantisch, aber dafür werden Sie in einem Rennen doch kaum einen Blick haben, oder?
Stimmt, im Rennen sieht’s da meistens schon anders aus. Ich bin eigentlich noch nie einen Berg im Rennen hochgefahren, an dem ich nicht brutal gelitten habe. Das macht den Radsport aus und das gehört ja auch irgendwie dazu. Deswegen könnte man bei mir auch von einer Hass-Liebe sprechen. Wenn die Form stimmt und die Beine gut sind, dann machen mir Berge unheimlich Spaß. Wenn’s mal nicht so läuft, bin ich froh, wenn der Berg vorbei ist.
Dennoch sind Sie ein Kletter-Fachmann auf dem Rennrad. Sie fuhren jahrelang Mountainbike beim MSV Steele und wurden so für den Rennsport entdeckt. Jüngst gewannen Sie die Bergwertung bei der Tour de Romandie in der Schweiz. An Tag zwei holten Sie das Berg-Trikot und gaben es bis zum Schluss der finalen fünften Etappe nicht mehr ab.
Das war natürlich ein richtig schöner Moment für mich. Das war das erste Mal seit meinem zweiten Platz bei der Tour of Turkey im Oktober 2023, dass ich mal wieder aufs Podium durfte. Von daher habe ich das natürlich genossen. Viel Zeit zum Feiern war aber nicht. Als Papa und Ehemann habe ich ein paar freie Tage zu Hause abseits des Radsports mit meinen Mädels verbracht und danach ging der Fokus auch schon wieder auf die nächsten Aufgaben. Der Sport ist sehr schnelllebig.
Bei der Tour de Romandie sind Sie als Helfer ins Rampenlicht gefahren. Sie waren der einzige Fahrer des Teams Red Bull-Bora-hansgrohe, der bei der Abschluss-Zeremonie auf dem Podium stand. Verbessert solch ein Riesen-Erfolg wie der Gewinn der Bergwertung noch einmal Ihr Standing im Team und die Aussichten für künftige Rennen?
Mein Standing im Team ist genau so, wie ich es gerne haben möchte. Berghelfer bei den großen Rennen und hier und da mal ein etwas kleineres Rennen auf eigene Kappe. Das Team weiß, dass es sich 100 Prozent auf meine loyale Fahrweise verlassen kann. Deswegen gibt es dann zwangsläufig auch mal die Möglichkeit, mich selbst zu zeigen. Ich bin froh, dass ich eine der Chancen jetzt in der Romandie schon nutzen konnte.

Die Saison geht ja jetzt erst richtig los. Bei welchen Rennen starten Sie noch in diesem Jahr?
Mein genaues Programm ist noch nicht ganz fertig. Im Juni starte ich beim Critérium Dauphiné. Dort versuche ich, für meinen Teamkollegen und Kumpel Florian Lipowitz wichtige Arbeit zu leisten, um die Gesamtwertung aufzumischen. Danach geht’s weiter mit der Deutschen Meisterschaft in Kaiserslautern. Den Rest kann ich noch nicht verraten.
Die Deutschland Tour startet im August in Essen, Ihrer Heimatstadt…
Das wäre natürlich ein großes Highlight. Viel wird aber davon abhängen, welche Rennen ich vorher fahren werde.
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Sie haben Jura in Bochum studiert. Ist es überhaupt möglich, als Radsport-Profi noch einen anderen Job zu haben?
Ich bin Vollzeit-Profi und nebenbei noch in meinem Jura-Studium eingeschrieben. Letztes Jahr habe ich einen Abschluss in Sportmanagement gemacht. Meine Frau und ich haben gemeinsam eine kleine Marketing-Firma gegründet – das ist aber ein Projekt, das wir eher für die Zeit nach meiner Radsport-Karriere im Visier haben. Neben dem modernen Radsport ist kein Vollzeit-Job möglich und glücklicherweise muss auch kein World-Tour-Profi noch nebenbei arbeiten.


