Es steht Großes bevor. Ab heute (16.-27. Juli) beginnen an Rhein und Ruhr die World University Games, das zweitgrößte Multisport-Spektakel nach den Olympischen Spielen. Rund 8500 Sportlerinnen und Sportler aus 150 Nationen werden bei den Weltspielen der Studenten um Medaillen kämpfen, allein neun der insgesamt 18 Disziplinen werden in Essen ausgetragen. Dort ist auch Tennisspielerin Gina Dittmann (22) zu Hause, die somit als Lokalmatadorin bei den Weltspielen aufschlagen wird.

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Aber was heißt schon zu Hause für die junge Frau? Sie wohnt noch bei ihren Eltern am Stadtwaldplatz, spielte lange für den Netzballverein Velbert, ist aber meistens in der ganzen Welt unterwegs, um in fernen Ländern Weltranglistenpunkte zu sammeln. Dennoch wurde Dittmann als lokale Größe zum „Rising Star“ erkoren und ist somit bei diesen Studenten-Spielen das offizielle Aushängeschild ihrer Sportart.

World University Games: Im Doppel steht Gina Dittmann auf Platz 416 der Welt

„Das ist eine große Ehre für mich“, sagt Gina Dittmann, die als Profi in der Weltrangliste nach oben klettern will. Ihre Ziele sind ehrgeizig: „Ich möchte vielleicht mal einen Grand Slam spielen, die Top-100 in der Welt erreichen.“ Dittmann träumt, weiß aber ganz genau, dass es ein verdammt weiter Weg ist, ein knallhartes, mühsames Geschäft.

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In den vergangenen Monaten schlug sie in Ägypten, Frankreich, in der Schweiz und Spanien auf. Beim Turnier in Yecla, im Südosten der iberischen Halbinsel, gab’s dann endlich ein richtiges Erfolgserlebnis. Mit ihrer belgischen Partnerin Jana Otzipka (20) gewann die Essenerin die Doppel-Konkurrenz und durfte sich über ihren zweiten Gesamtsieg im Doppel auf der ITF-Tour freuen. Überhaupt läuft es zu zweit besser. Dort hat sie sich in der WTA-Weltrangliste auf Platz 416 verbessert, im Einzel liegt sie auf Rang 728.

Tennis: Präsidentin Schmitz traut Doppel Medaillengewinn zu

Bei den World Games kann sich Dittmann dennoch einiges ausrechnen, schließlich sind die wenigsten Profis im Tenniszirkus an einer Universität eingeschrieben, was die Konkurrenz erheblich einschränkt. „Ich denke, dass wir mit unseren beiden Top-Athleten weit kommen können und vielleicht sogar eine Medaillenchance haben“, sagt Sabine Schmitz, Präsidentin des Tennisverbandes Niederrhein und als Managerin in der sportlichen Verantwortung.

Fackel FISU World University Games wird durch Essen getragen
Gina Dittmann war schon mit 16 Jahren die Nummer eins beim Netzballverein Velbert. © FUNKE Foto Services | Dirk A. Friedrich

Bei den Männern ist John Sperle die deutsche Nummer eins bei den Spielen. Er ist unter anderem für den Zweitligisten SC Marienburg gemeldet und rangiert in Deutschland auf Platz 35. „Da komme ich auch noch hin“, wirft Dittmann dazwischen, aktuell befindet sie sich national auf Rang 45.

Schon mit 16 Jahren war Gina Dittmann die Nummer eins beim Netzballverein Velbert

Ihr Talent hat sie schon früh bewiesen. Als 16-Jährige war sie Nummer eins beim Netzballverein Velbert und stieg 2019 mit dem Team in die Niederrheinliga auf. Danach ging es mit einem Vollstipendium für vier Jahre in die Staaten, wo Dittmann im vergangenen Jahr in North Carolina ihren Bachelor in Business machte. Für den Master-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften hat sie sich in diesem Jahr an der Fernuniversität in Hagen eingeschrieben.

Gina Dittmann, Tennisspielerin Essen, University Games 2025 Rising Star
Gina Dittmann ist einer der sogenannten Rising Stars bei den World University Games.© FUNKE Foto Services | Dittmann

„Und nebenbei spiele ich viel Tennis auf der ITF-Tour“. Nebenbei? Natürlich trainiert sie weiterhin jeden Tag, reist zu den Turnieren, will als Profi vorankommen. „Der Bachelor ist schon wichtig gewesen“, sagt Dittmann. „Das Master-Studium ist aber jetzt für mich eher zweitrangig und ganz hintenangestellt. Ohne die World Games hätte ich mich wohl gar nicht erst eingeschrieben.“

FISU Rhine-Ruhr sind ein Mega-Event

Bei den Weltspielen dabei zu sein, ist aber nicht nur reizvoll aus sportlicher Sicht, findet Sabine Schmitz: „Es ist nun mal ein cooles, gigantisches Event. Auch wenn man vielleicht nicht unter die Top-30 der Welt kommen wird, so ein Titel könnte später trotzdem für die berufliche Zukunft enorm nützlich sein. Es ist auf jeden Fall spannend und wichtig, so etwas mitgemacht zu haben.“

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Reichlich Erfahrungen hat Dittmann bereits bei ihrem Aufenthalt in den USA gesammelt. Sie spielte dort in der ersten Division und wurde sogar „Rookie of the Year“. Ihre Mannschaft von NC State war die zweitbeste von allen Unis in Amerika. Studieren und Tennis spielen, auch das ist eine harte Schule und erfordert eine Menge Disziplin. „Wenn du das hinter dir hast, weißt du, ob du es willst oder nicht“, sagt Schmitz, früher selbst eine Topspielerin.

Tennis-Spektakel findet auf dem Gelände des ETUF Essen statt

Und Gina Dittmann will – definitiv. Ohne das Elternhaus, das sie unterstützt, würde das Tennisleben allerdings auch nicht funktionieren. „Vor allem zu Anfang nicht. Man muss schon Top 200 sein, um davon leben zu können.“

Mitte Juli wird sie nun bei den World University Games am Baldeneysee aufschlagen, praktisch direkt vor ihrer Haustür. Auf der frisch sanierten Anlage des Etuf Essen werden 250 bis 300 Aktive erwartet. Jede Nation darf vier Frauen und vier Männer nominieren, es werden Einzel gespielt, ein Doppel und ein Mixed. Und für den Teamgeist: Es gibt auch entsprechende Punkte für eine Nationenwertung.