„Ein komischer Abend“, sagte Marcel Werzinger als Erstes. In der Tat. Der Cheftrainer des Volleyball-Zweitligisten Allbau Volleys stand in der Halle an der Friedrich-Lange-Straße mit einem Bier in der Hand auf der Tribüne und plauderte mit Freunden, während sich seine Mannschaft auf der „Platte“ unter den Augen von Co-Trainer Waldemar Uherek für das letzte Saisonspiel gegen BBSC Berlin aufwärmte. „Ich darf nicht aufs Feld“, beantwortete er den fragenden Blick. Beim vorletzten Spiel hatte er die Schiedsrichter zu harsch kritisiert und wurde daraufhin gesperrt. „Das ist mir noch nie passiert.“ Aber kein Problem, den Klassenerhalt hatten die selbsternannten Pottperlen ja bereits sicher.

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Ausgerechnet an diesem Tag ist er zum Nichtstun verdammt, am Abend des 26. April, an dem sich die Borbecker Zweitliga-Volleyballerinnen für immer aus Essen verabschiedet haben. Grund, nervös zu werden, hatte Werzinger nicht. Seine Mädels zeigten eine engagierte Vorstellung, obwohl es um nichts mehr ging. Aber wer weiß, vielleicht war es ihnen ja wichtig, gerade jetzt einen guten Eindruck zu hinterlassen. Sollen sie nur sehen, auf was sie künftig in Essen verzichten müssen. „Mit einem so klaren Ergebnis habe ich nicht gerechnet, ich bin arbeitslos“, feixte derweil Marcel Werzinger nach dem 3:0 (25:19, 25:22, 25:16).

Die Volleyballerinnen des VC Allbau Essen bei ihrem letzten Spiel in Essen.
Die Volleyballerinnen des VC Allbau Essen bei ihrem letzten Spiel in Essen.© FUNKE Foto Services | Michael Gohl

Allbau Volleys: Keine Sentimentalität

Abschiedsschmerz war zunächst nicht zu spüren. Die Stimmung war prächtig, die rund 150 Zuschauer wirkten ganz und gar nicht sentimental, sie freuten sich, klatschten und bejubelten spektakuläre Ballwechsel. Selbst Maskottchen „Albert“ hampelte wie gewohnt vor der Tribüne herum. Dass die elektronische Anzeigetafel streikte, hatte jedoch etwas Symbolisches. Nichts geht mehr zwischen dem Stammverein VC Borbeck und den Allbau Volleys.

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Die Borbecker werden künftig nur noch den Breitensport pflegen und sich auf die Nachwuchsarbeit konzentrieren. Das Zweitligaspielrecht geht indes samt Trainerteam und bislang fünf Volleyballerinnen zu Eintracht Spontent nach Düsseldorf. Dort setzt man auf innovative Internetpräsenz, auf salopp kommentierte Streams, um eine junge Community in Deutschland zu erreichen und das Volleyball-Image aufzupolieren.

Allbau Volleys: Wechsel lief nicht geräuschlos

Der Wechsel lief nicht geräuschlos. Marcel Werzinger beklagt die geringe Unterstützung des Vereins. Der neue Vorstand, im Februar gewählt, kontert, Werzinger als Vorsitzender habe sich außer für die 2. Liga kaum noch bis gar nicht mehr um andere Belange gekümmert. Schon vor der Jahreshauptversammlung war die Trennung beschlossen. Dabei gibt es sicherlich Vereine, die wären froh, wenn sie eine Zweitliga-Mannschaft als Zugpferd hätten, die Talente aus der Region anlocken könnte. Aber den Spagat, Breiten- und Leistungssport zu verbinden, haben sie beim VCB nicht hinbekommen.

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Nur wenige Helfer erschienen am letzten Spieltag, Mutter Werzinger kümmert sich höchstselbst um den Getränkeverkauf.  „Aber auf die Ballkinder ist immer Verlass, die sind top“, lobte Werzinger. Der musste am Ende selbst zum Mikro greifen, um sich und die Mannschaft zu verabschieden. Ein Vorstandsmitglied oder offizieller Vertreter des VCB war scheinbar nicht in der Halle.

Die Volleyballerinnen des VC Allbau Essen nach ihrem letzten Spiel in Essen.
Abscheidsfoto: Die Volleyballerinnen des VC Allbau Essen nach ihrem letzten Spiel in Essen.© FUNKE Foto Services | Michael Gohl

Allbau Volleys: „Das reicht dann auch“

„Ein komischer Abend heute nach zwölf Jahren als Vorsitzender“, wiederholte Marcel Werzinger vor Publikum, das ihm mehrmals dankbar applaudierte. Dieter Remy vom Hauptsponsor Allbau war diesmal auch vor Ort: „Auch wenn es sehr schade ist, ich kann den Schritt angesichts der besseren Möglichkeiten in Düsseldorf nachvollziehen. Dennoch ist es immer ein Verlust für diese Stadt, wenn ein Zweitliga-Team geht.“ Über viele Jahre war das Unternehmen als Namenspatron auf der Trikotbrust, mit dem Image einer jungen, sympathischen Mannschaft habe man sich gut identifizieren können, sagt Remy.

„Viel besser hätte es die Mannschaft heute nicht machen können“, lobte anschließend der Coach. Applaus. „Es ist Zeit sich zu bedanken. Bei dem kleinen, aber feinen Helferkreis, bei allen Sponsoren, die uns über die Jahre treu begleitet haben und ohne die das alles hier nicht möglich gewesen wäre.“ Applaus. „Dass ich das zwölf Jahre hier gemacht habe …, eine verrückt lange Zeit“, sagte Werzinger nachdenklich. „Es ist unfassbar schade, dass die Reise hier in meiner Heimatstadt so zu Ende geht. Trotzdem ist entscheidend, dass es weitergeht. Darauf freue ich mich. Dem Verein wünsche ich alles Gute, das reicht dann auch.“

Allbau Volleys: Team wird nun gesprengt

Herzliche Szenen gab es am Ende reichlich. Hier eine Umarmung, da ein Küsschen. Werzinger schritt die Reihe ab und bedankte sich bei jeder einzelnen Spielerin. „Es war schon vor dem Spiel emotional und es wurden einige Tränen verdrückt. Essen ist ein cooler Standort, das ist hier sehr familiär“, sagt die Spielführerin Carlotta Strube (23), die mit an den Rhein wechselt und dort ihre siebte Saison für das Team spielen wird.  Zehn Minuten wohnt sie von der Halle Bergeborbeck entfernt, da wird sich die Studentin (Wirtschaftspsychologie) umstellen müssen. „Aber auch Düsseldorf ist ein sehr attraktiver Standort. Und natürlich werden meine Eltern weiterhin dabei sein, das ist so, seit ich fünf bin.“

Das Team der Allbau Volleys wird nun gesprengt. Strube, Sina Allzeit, Ines Rösner, Hannah Mohr und Lara Loose ziehen mit. Einige weitere wären ebenfalls gerne mitgegangen in die neue Heimat, sagt Strube, aber das sei aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich. Mal ist es das Alter, die Familienplanung oder das Studium in Münster, und ja, bei der einen oder anderen reicht vielleicht auch das Potenzial nicht aus.

 „Für heute war’s das“, beendete Marcel Werzinger den offiziellen Teil und lud alle noch ein ins Foyer zu Bierchen, Cola und Pizza. „Jetzt bringen wird den Abend vernünftig und entspannt zu Ende und dann schließen wird den Laden ab.“

VV Humann Essen feiert Klassenerhalt

Die Zweitliga-Volleyballer von VV Humann Essen feierten trotz der abschließenden 0:3-Heimniederlage gegen den Tabellendritten FC Schüttorf 09 den Klassenerhalt. Rund 600 Zuschauer waren zur Party in die Wolfskuhle gekommen.

Und es gab noch einen Grund zur Freude. Die weibliche U16 des Klubs belegte nahezu sensationell Rang sechs bei den deutschen Meisterschaften in Lüdinghausen.